Dienstag, 29. Januar 2013

Das Paradoxon der Heiligen Kirche


Es ist ein besonderes Paradoxon von Annahme und Abgrenzung, dass dem Christentum und besonders der katholischen Kirche zu eigen ist. Die Aufgabe der Kirche, die Gläubigen zu stärken und zu schützen nötigt sie, jene Lehren abzugrenzen, die nicht Teil des lehramtlichen Kirchenschatzes sind. Zugleich will sie jedoch keinen Menschen an sich verurteilen. Es ist ein bezeichnendes Phänomen, das bei all den langen Verurteilungslisten, die die katholische Kirche in ihrer zweitausendjährigen Tradition aufgestellt hat, immer nur Ideen, nie aber Personen verurteilt wurden. Zwar konnten daraus personenbezogene Urteile folgen, wenn diese Personen mit den verurteilten Lehren übereinstimmten. Doch es war nie ein endgültiges Urteil, nie eine Ablehnung ohne Gnade, ja nicht einmal die Bemerkung, dieser oder jener fahre nunmehr zur Hölle, da er nicht mit der Kirche übereinstimme. Zwar war dies z.B. bei Arius und den seinen die landläufige Interpretation des Anathemas, doch im Kern bedeutet es nur, dass er und die Seinen sich außerhalb der Lehre der Kirche gestellt hatten. Dadurch wurde jedoch weder ihre Taufe unwirksam noch wurden sie zwangsläufig für alle Ewigkeit verdammt, da sie immer noch die Chance haben, umzukehren. 

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