Donnerstag, 27. September 2012

Die Seele sei beständig betrübt, damit sie sich nach Gott sehne

"Ein Bruder fragte einen Altvater: "Wie kommt es, obwohl ich stets um Tränen bitte, da ich höre, daß die Alten weinten, kommen mir dennoch keine Tränen, und meine Seele betrübt sich nicht?"Der Greis antwortete ihm: "Die Kinder Israels kamen erst nach vierzig Jahren in das Land der Verheißung. Die Tränen sind wie das Land der Verheißung: wenn du dorthin gelangen willst, dann darfst du keinen Kampf scheuen; denn der Herr will, daß die Seele betrübt sei, damit sie sich ständig danach sehne, in dieses Land einzugehen!"
Quelle: Weisungen der Väter, Spruch 992.

Dienstag, 25. September 2012

Bleiben wegen Bischof Tebartz-van Elst

In der momentanen Lage des Limburger Bischofs braucht Tebartz-van Elst nicht nur die Unterstützung der Gläubigen, sondern auch der Priester. Denn an ihnen ist es letztlich, den Impulse des Bischofs konkret in der Gemeinde umzusetzen. Ein Priester, der seinem Bischof positiv und loyal gegenüber eingestellt ist, kann also viel bewirken. Entsprechend ist man gerade in dieser Zeit für jeden Priester dankbar, der sich nachdrücklich für Bischof Tebartz-van Elst ausspricht.

Hierzu zählt auch Miroslaw Golonka. Der 39-jährige Priester aus Polen ist vor einigen in die Diözese an der Lahn gekommen und wird nun, nach verschiedenen Stationen und Kursen, als Pfarrer in Villmar eingesetzt. Zwar könnte er mittlerweile nach Polen zurückkehren, da dort der Bedarf an neuen Priestern wieder größer ist als zu seiner Jugendzeit, das möchte Golonka aber nicht. Einer der Gründe:
"Der neue Pfarrer mag Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sehr und ist deshalb verärgert über die, wie er meint, einseitige öffentliche Stimmungsmache gegen den Bischof. Mit dem Bischof sei es sehr wohl möglich zu diskutieren. Solche Gespräche müssten aber auch intern bleiben, meint Golonka. Mitarbeiter der Kirche müssten nach außen "wie ein Schild" schützend und geschlossen vor dem Bischof stehen, fordert der Wahl-Villmarer."
Da kann man doch nur sagen: Recht hat er!

Den ganzen Artikel gibt's hier

St. Paul in Harissa

Ich bin ja ein großer Freund von byzantinischen Kirchen und solchen, die davon inspiriert sind. Und der Hl. Vater war ja in einer richtig schönen auf Harissa. Deswegen gibt's (mit etwas Verspätung) eine kleine Bilderstrecke dazu:









Bildquellen: hier, hier, hier.

Montag, 24. September 2012

Mama Kirche

"Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen." (Mk 10,15)
Diese Perikope wird von den Vätern meist ausgelegt, dass man wie ein Kind vor Gott stehen und wie ein Kind Gottes Gnade empfangen soll: Sich klein machen vor Gott, offen sein für Gott. Wie das Kind dem Vater, so soll sich der Gläubige Gott gegenüber verhalten.

Wo aber ein Vater ist, da ist auch in der Regel eine Mutter. Nun kann man zwar sagen, Gott ist uns Vater und Mutter, aber die Tradition hat noch einen weiteren schönen Begriff gefunden: den von der Mutter Kirche. Die Kirche als unsere Mutter, die das Erbe des Vaters verwaltet, sich um uns sorgt und kümmert. Es kommt der Kirche im Rahmen dieser mütterlichen Funktion zu, uns vorzulegen, was wir glauben sollen und uns Vorschläge für die Praxis zu machen und als Kinder nehmen wir das mehr oder weniger dankbar an.

Ich gehöre nun nicht zu den Menschen, die traditionell katholisch aufgezogen wurden. Bis zu meiner Erstkommunion und eigentlich noch danach war mein Glaube an Gott ein Kinderglaube, jene natürliche Überzeugung, dass es irgendwo einen großen "Lieben Gott" gibt, der sich irgendwie um uns kümmert. Weiter ging dieser Glaube nicht. Wer dieser Gott war, was er machte und wie man mit ihm spricht war mir eher fremd, bestenfalls diffus bewusst. Mein Erstkommunionunterricht - vulgo Kerzenbastelstunde - war da auch wenig hilfreich und wenngleich mir klar war, dass mir da was besonderes in die Hand gedrückt wird, von Leib Christi wusste ich eher wenig. Erst so im Laufe der Zeit, gleich wie dem Häuten einer Zwiebel, schälte sich der katholische Glaube aus diesem Kinderglauben heraus, so dass ich trotz aller pubertären Tendenzen sagen kann, nie ohne Glauben gewesen zu sein.

Doch jeder Kinderglaube, auch wenn er katholisch wird, muss ja eigentlich erwachsen werden. Oder? Erwachsen bedeutet heutzutage reflektiert. Ich reflektiere über das, was ich glaube und ich glaube es nicht, weil ich es muss oder soll, sondern weil ich es selbst geistig durchdrungen und mir diese Überzeugung so angeeignet habe. Deswegen habe ich auch Theologie studiert - glücklicherweise nur im Nebenfach. Das dieses Studium bei der Reflexion nicht immer ganz so hilfreich war, sei einmal dahingestellt. Doch man kommt sich halt furchtbar reflektiert vor. Ich glaube, was ich verstanden oder zumindest begründetermaßen als sinnvoll zu Glaubend anerkannt habe.

Ich weiss ja nicht wie es euch geht. Aber bei mir ist das Unsinn!

Ich besuche gerne eine evangelikale Gruppe bei uns in Frankfurt. Das kann ich Katholiken zwar nur bei stabiler Überzeugung empfehlen, aber wer die hat, der kann da nette Leute, fromme Christen und viel Selbsterkenntnis finden. Natürlich mache ich keinen Hehl daraus, dass ich katholisch bin. Und das, wer meinen Papst anpöbelt, eins mit der Bibel übergezogen kriegt - natürlich nur metaphorisch gemeint. Aber weil ich ja so ein offener und liebenswürdiger Mensch bin - wie hieß dieser Blog gleich noch mal - komme ich doch häufig gerade mit Neuzugängen ins Gespräch. Und die zeigen sich auch oft interessiert am Glauben eines Katholiken. Da kommen dann oft Fragen wie: Warum macht man das? Warum glaubst du das? Und wofür ist das gut?

Dann kann ich das meistens auch ganz anständig erklären - bilde ich mir wenigstens ein. Zwar konnte ich noch niemanden von meiner Haltung ganz überzeugen, aber nachdenklich habe ich wohl schon einige gemacht. Der mangelnde Erfolg liegt vielleicht auch daran, weil die Erklärungen, die ich zu den Fragen liefere, zwar durchaus interessant sind - auch für mich, man lernt ja immer was dazu - aber in den allermeisten fällen sind sie mir im Grunde egal. Ich bete nicht das Stundengebet, weil das so toll ist (auch nicht immer) und ich glaube nicht an die Leibhaftige Aufnahme Mariens in den Himmel weil ich die Begründung so überzeugend finde. Sondern weil die Kirche sagt, dass das zu glauben ist.

Wie eine Mutter, die ihrem Kind sagt: Das ist so! Da kann das Kind noch mehrmals nachfragen, weil es das nicht versteht. Aber vom Grundsatz her wird das Kind, das seiner Mama vertraut, die Begründung, nicht aber die Aussage in Frage stellen. Mama sagt das so, also glauben wir das so. In den Tiefen des Kindes, unterhalb der rational-fragenden Ebene, wird sich diese Information festsetzen und das Leben des Menschen bis zum Tod prägen. Und gewisse Dinge, die Mutter ihnen mal gesagt hat, werden von den allermeisten Menschen fast nie in Frage gestellt. Das ist bei jedem was anderes. Aber ich bin davon überzeugt, wer tief in sich hineinhorcht, der wird irgendetwas finden, was er einfach annimmt, weil er irgendwann, als er noch ganz klein war, auf Mamas Schoss saß und sie ihm das sagte.

Und so ist das auch bei mir mit der Kirche. Ich hatte eigentlich keinen, der mich im Glauben wirklich unterwiesen, mich an die Hand genommen hat. Ich musste mir, mehr oder weniger, die Dinge selbst aneignen. Nicht im Sinne einer großen Arbeitsleistung, sondern in dem Sinne, dass ich durch das, was die Kirche sagte und tat, mein Verständnis von den Dingen des Glaubens gebildet habe. Die Frage, ob die Kirche ein Recht hat, mir das zu sagen, habe ich mir interessanterweise nie gestellt. Ich bin sozusagen nie bis zur Pubertät gekommen. Ich bin was mein Verhältnis zur Mama Kirche angeht, immer Kind geblieben. Ich frage, quengele auch mal, aber im Grunde bleibt: Was Mama sagt, das stimmt.

Ich bin damit vielleicht rückständig in unserer heutigen, modernen Zeit. Vielleicht fehlt mir auch die spirituelle Tiefe, um vom heiligen Geist begnadet sicher an der Brandung zwischen Häresie und Orthodoxie entlangzuschreiten. Ja, vielleicht ist meine Einstellung ein Armutszeugnis. Aber ich hoffe, dass Jesus auch das gemeint hat, als er sagte, wir sollen werden wie die Kinder: Glaubt nicht nur, weil ihr es versteht. Glaubt nicht nur, weil es euch begreiflich ist oder weil ihr es so in der Schrift erkennt. Sondern glaubt auch, weil es die Kirche, die der Leib Christi, die Hüterin seines Wortes und die Mutter der Gläubigen ist es euch so lehrt. Vertraut wie Kinder der Mama Kirche. 

Was habe ich nach dem Willen Gottes getan?

"Ein Altvater sprach: Ein Mönch muß täglich, früh und spät, sich fragen, was er nach dem Willen Gottes getan hat oder nicht. Und so muß ein Mönch sein ganzes Leben in Buße zubringen, so wie auch der heilige Arsenios gelebt hat."
Quelle: Weisungen der Väter, Spruch 993.

Samstag, 22. September 2012

Der Blogger fragt

Bald ist es so weit.

Demut Jetzt! wird ein Jahr alt. Am 3. Oktober 2011 gingen wir an den Start, um die Blogoezese mit einem weiteren Blog zu "bereichern". Das wir so lange durchgehalten haben, verdanken wir - nächst Gott - vor allem unseren Lesern. Denn wer will sich schon die Mühe machen und einen Blog schreiben, wenn täglich nur fünf Leute reingucken. Doch glücklicherweise sind es ein Paar mehr, sodass ich motiviert bin, den Blog in ein zweites Jahr fortzusetzen.

Aber natürlich kann man alles noch verbessern und so scheint mir jetzt, kurz vor dem Jubiläum, ein guter Zeitpunkt zu sein, eine Leserbefragung durchzuführen.

Die wird in zwei Schritten durchgeführt:

1. Im Kommentarbereichn dieses Posts könnt ihr mir mal so richtig die Meinung geigen. Was gefällt euch, was mögt ihr nicht, wovon wollt ihr mehr und was soll lieber nicht mehr vorkommen.

2. Aus diesen Beiträgen werden die häufigst genannten Wünsche und Ablehnungen entnommen und - wenn es denn klappt - in zwei Umfragegadgets eingesetzt. Die werden dann während meines Urlaubs zur Abstimmung laufen.

Also, legt mal los!

Donnerstag, 20. September 2012

Also langsam ...

... wird's mir echt zu viel mit dem Tebartz-Bashing.
Man hat ja fast das Gefühl, das ist innerhalb des deutschen Journalismus so 'ne Art Volksport geworden.

Von dem Dauerbrennerthema "Bischofspalast am Domberg" wollen wir an dieser Stelle mal nicht reden. Gerade über die arme Kapelle wird in Intervallen von einigen Monaten seit Jahren regelmäßig irgendwelche Gülle ausgekippt. Den Vogel dazu hat neulich der Spiegel abgeschossen, der den Zuschauern das Gefühl gegeben hat, hier würde in aller Heimlichkeit eine Art zweiter Apostolischer Palast hochgezogen.

Da es aber irgendwie langweilig ist, ständig über das Gleiche zu berichten, hat man sich in den letzten Monaten ein paar andere Themen rausgesucht: Die First-Class-Affäre, dann die Entlassung eines Mitarbeiters - nicht mal durch den Bischof selber - und jetzt, weil's grade so ruhig wurde, ein Schreiben mehrerer Priester an den Bischof. Auffällig ist bei zweien dieser Ereignisse, dass sie schon eine Weile her sind. Der Flug nach Indien war zu Jahresbeginn, der Brief liegt dem Bischof spätestens seit Mai vor. Man könnte daher fast den Eindruck bekommen, hier versucht irgendjemand so lange schnell hintereinander mit Schmutz zu werfen, bis irgendwann mal was hängen bleibt.

Und das ist der erste Punkt, auf den ich hier aufmerksam machen möchte: Wenn es mal alle paar Jahre eine Kampagne in mehreren Zeitungen gibt, dann dauert die maximal ein bis zwei Wochen und dann is' gut. Das vergisst der Leser schnell. Wenn es zügig hintereinander zwei gibt, dann kommt der Leser ins Grübeln. Und wenn es gleich drei schnell einander folgende gibt, dann keimt folgender Gedanke beim Leser auf: <Irgendwas muss doch wohl dran sein.> Und damit ist das Ziel auch schon erreicht. Denn <Irgendwas muss doch wohl dran sein> kann selbst ein Politiker - von denen man ja nur begrenzt was erwartet - schon kaum überleben. Für einen Bischof, an den man sehr viel höhere Anforderungen stellt - warum eigentlich, wenn die Kirche doch so böse ist wie immer alle tun - ist das aber im öffentlichen Bewusstsein der Todesschuss. Ab da kannst du eigentlich nur noch alles falsch machen. Und diese fast verzweifelte Haltung kommt auch beim bischöflichen Ordinariat rüber:
"Was soll der Bischof denn noch machen ...?"

<Zurücktreten> wäre vermutlich die Antwort, die die meisten der Artikelschreiber - ich könnte auch Nörgler sagen - von sich geben würden. <Machen sie Platz für einen Bischof, der Wiederverheirat-Geschiedenen die Kommunion reicht, homosexuelle Paare traut und Abtreibungen gut findet und dann geben wir Ruhe>

Und damit nähern wir uns dem zweiten Punkt: Tebartz-van Elst gehört zu einer neuen Generation Bischöfe in Deutschland, die das Vatikanum II nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen, weniger von dessen sogenanntem Geist geprägt und damit im allgemeinen eher konservativer als die bisherigen Oberhirten sind. Damit droht, Kraft Biologie und römischen Willens, eine neue, konservativen Welle über Deutschland einherzuschwappen. Denn wenn die Bischöfe konservativer werden, werden auch die Priester, besonders die Neugeweihten, eher in diese Richtung tendieren, die wiederum werden in den Gemeinden diese Tendenz wecken und schließlich kann sich ein zunehmend harter Kern von lehramtstreuen Katholiken herausbilden, die das kirchliche Leben prägen und die laukatholischen Hans-Küng-Freunde verdrängen.

Das ist natürlich ein Wunschkonzert, aber die Befürchtungen kann in den Redaktionsstuben schon aufkommen. Und dann ist es auf einmal vorbei mit der so wunderbar angepassten Kirche, an die man sich in den letzten Jahrzehnten so gewöhnt hat und die so gut in den Mainstream passt. Dabei mag es auch Journalisten, Priester und Laien geben, die die ehrliche Angst umtreibt, die Kirche verliere auf diese Weise noch mehr Gläubige als ohnehin schon und schaufle sich ihr eigenes Grab. Doch die vorliegenden Therapie der Weltverähnlichung hat ja bisher auch nicht so super funktioniert. Beide Ängste machen aber deutlich, warum man in den Gremien und in den Schreibstuben so aggressiv gegen Tebartz-van Elst vorgeht. Man will an ihm ein Exempel statuieren, damit ja kein anderer junger, konservativer Bischof auf die Idee kommt, sein Bistum zu verändern und die administrative und geistliche Prägung schön den geronten Gremienkatholiken und weltverbessernden Journalisten überlässt.

Dabei ist es ja nun nicht so, dass jeder Katholik in Deutschland Tebartz-van Elst böse, luxuriös und schlecht finden würden. Ganz im Gegenteil! Ich kenne viele Stimmen, die ihm außerordentlich wohl gesonnen sind. Kirche ist eben doch bunter als so mancher es sich träumen lässt. So kann z.B. das Schreiben der Priester an den Bischof von der Zahl her auch umdrehen. 21 sollen es sein, nach anderen Quellen 20, die da an ihren Bischof geschrieben haben. Da kann man sagen: <Was, so viele!> oder aber <Ach, nur!>. Immerhin sind das nicht mal 7 % der im Bistum Limburg tätigen Diözesanpriester. Was meinen denn die 93 % anderen? Darüber wissen wir nichts, aber es scheint stillschweigender Usus der Berichterstattung zu sein, dass die auch schon irgendwie so denken werden, aber nicht den Mund aufmachen. Das ein erheblicher Anteil davon pro-Tebartz sind, da scheint keiner drauf zu kommen. Da wünsche ich mir doch glatt mal einen Brief mit Unterschriftenaktion von Priestern, die zu ihrem Bischof stehen und seinen Kurs unterstützen. Oder gibt's den schon und ich weiss nichts davon?

Doch allein schon die Entwicklung der Seminaristen, um mal bei den Priestern zu bleiben, ist schon ein deutliches Zeichen. Seit Tebartz-van Elst Bischof ist hat deren Zahl nämlich erheblich zugenommen, während man sie unter den seligen Zeiten von Kamphaus bald mit der Lupe suchen musste. Daneben gibt es die, wenngleich nicht öffentlichen, Zeugnisse zahlreicher Katholiken, die dem Bischof persönlich begegnet sind und die einen sehr positiven Eindruck von ihm gehabt haben. Da hört man nichts von autokratischer Kultur und Dialogverweigerung.

Um aber mal ein solches Zeugnis öffentlich zu machen, lasst mich an dieser Stelle ganz klar sagen:
Ich finde unseren Bischof Tebartz-van Elst gut!

Ein Leben von Annehmlichkeit

Ephraim der Syrer:
"Wünschest du dir ein Leben voll Annehmlichkeit: die Demuth führet dazu."
Quelle: Büchlein von der Demuth, S. 132.

Mittwoch, 19. September 2012

Dienstag, 18. September 2012

Der bischöfliche Mitarbeiterstab in Limburg

Da man ja doch den Eindruck gewinnen kann, Bischof Tebartz-van Elst hätte einen Hofstaat von 300 Personen um sich herum von denen sich allein fünfzehn Leute um seine Pektoral-Sammlung kümmern, hat das bischöfliche Ordinariat mal eine Skizze des bischöflichen Hofes inklusive des Sekretariats veröffentlicht:
"Für die inhaltliche Vorbereitung der Termine des Bischofs sorgt der Persönliche und Theologische Referent. Er bereitet Publikationen für den Bischof vor und begleitet ihn zu Dezernenten- und Plenarkonferenzen. Der Referent trägt die Personalverantwortung im Sekretariat und empfängt die Gäste und Gesprächspartner des Diözesanbischofs.
Im Sekretariat des Bischofs arbeiten neben dem Persönlichen und Theologischen Referenten der Büroleiter, der Sekretär, die Sprecherin des Bischofs sowie drei Sekretärinnen in Voll- und Teilzeitbeschäftigung:
Der Büroleiter organisiert den Büroalltag im Sekretariat des Diözesanbischofs. Er führt den Terminkalender, nimmt die dabei nötigen Absprachen vor und hält den Schriftverkehr nach. Zudem sorgt er für die Archivierung der Korrespondenz und der Akten. Der Büroleiter arbeitet dabei eng mit den Sekretärinnen zusammen.
Viele seiner Termine nimmt der Bischof nicht am Schreibtisch wahr. Er ist im Bistum unterwegs, um den Menschen in den Gemeinden und Bezirken zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei begleitet ihn sein Sekretär, der ihn fährt und als Zeremoniar auch die feierlichen Liturgien in den Gemeinden koordiniert. Der Bischof nutzt die Autofahrten zum Arbeiten und zur telefonischen Abstimmung mit dem Sekretariat.
Die Sprecherin des Bischofs kümmert sich um Medienanfragen.
In das diözesane Zentrum St. Nikolaus werden neben dem Sekretariat und dem Diözesanbischof zwei Dernbacher Schwestern aus Indien einziehen. Sie wohnen im ehemaligen Küsterhaus und tragen das Zentrum als geistliche Gebetsgemeinschaft mit. Ordensschwestern der in der Diözese entstandenen Kongregation der Dernbacher Schwestern haben schon unter Bischof Dr. Wilhelm Kempf und Bischof Dr. Franz Kamphaus die Hauswirtschaft und den geistlichen Dienst beim Diözesanbischof wahrgenommen.
Mit dem Bischof feiern die Schwestern täglich die Eucharistie, pflegen die eucharistische Anbetung und die Stundenliturgie. Durch ihre zölibatäre Lebensweise geben sie ein Zeugnis ihrer Verfügbarkeit für Christus und seine Kirche. Durch ihre gelebte Präsenz im Bischofshaus zeigen sie - wie es auch in vielen andern Diözesen üblich ist - , dass ihre Arbeit und ihr Leben nicht voneinander zu trennen sind. Gerade in diesem Einsatz vermitteln sie den Besuchern und Gästen des Diözesanbischofs die besondere geistliche Atmosphäre seines Hauses."
Quelle: hier.

Limburgleaks deckt auf

Limburgleaks deckt die wahre Dimension der fürstbischöflichen Pracht auf, mit der sich der Limburger Oberhirte Tebartz-van Elst umgibt:

Die Kapelle vom Innenhof gesehen


Das Atrium der Kapelle


Bischof Tebartz-van Elst beim Einzug


die "kleine" Garderobe des Bischofs


sowie der "kleine" Begegnungsraum


Bei größeren Empfängen oder Konzerten wird hingegen der Spiegelsaal benutzt


Tebartz-van Elst bei der Weihe zweier neopianischer Priester in seiner Kapelle


Das alles wird jedoch verständlich, wenn man sich Jugendphotos ansieht

 

Montag, 17. September 2012

Liebe die Demut

Hl. Basilius:
"Liebe die Demuth; sie wird dich mit Herrlichkeit kleiden. An ihrer Hand wandelst du geraden Weges zur wahren Herrlichkeit, die unter den Engeln und bei Gott ist. Es wird dich Christus vor seinen Engeln als seinen Jünger anerkennen, und dir die ewige Herrlichkeit geben, wenn du seiner Demuth nachfolgest"
Quelle: Büchlein von der Demuth, S. 132.

Kreuzfest in Wiesbaden

Bericht vom Kreuzfest in Wiesbaden:
"Christen sind an der Quelle, wo sie auf das Kreuz Christi schauen. Das hat Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst am Sonntag, 16. September, vor rund 2000 Gläubigen in einem Pontifikalamt auf dem Schlossplatz in Wiesbaden gesagt. Der feierliche Gottesdienst unter freiem Himmel war Höhepunkt des diesjährigen Kreuzfestes, das von der katholischen Stadtkirche der Landeshauptstadt vom 14. bis 16. September unter dem Motto „Quellen des Heils“ ausgerichtet worden war. In einer Willkommensfeier vor dem Gottesdienst hatten Gemeinden und Einrichtungen an die hundert kleine, individuell gestaltete Leinwände an den Altar gebracht, die dort zu einem eindrucksvollen Kreuz zusammen gefügt wurden. Im Mittelpunkt des traditionsreichen Festes, das am Nachmittag mit einer Kreuzvesper in der St. Bonifatiuskirche abgeschlossen wurde, steht die Kreuzreliquie, die in der kostbaren Staurothek aufbewahrt wird.
Im Licht des Kreuzes erscheine das Leben auch da, wo es mit Leiden gefüllt sei, in österlichem Licht, betonte der Bischof, der in seiner Begrüßung angesichts des schönen spätsommerlichen Wetters von einem „österlichen Tag“ sprach. Wo Leiden in Liebe ausgehalten und durchgetragen werde, „entspringen die Quellen des Heils“, stellte Tebartz-van Elst den Bezug zum Motto des Kreuzfestes her, das gut zur Quellenstadt Wiesbaden passe. Im Blick auf Veränderungen in Gesellschaft und Kirche sprach er von dem Schrecken darüber, „wie das Leben werden kann, wo die Quellen der Wahrheit und der Liebe nicht mehr fließen.“ Abschließend ermutigte der Bischof seine Zuhörer, immer wieder neu Quellen des Heils zu erschließen. Das Kreuz Christi verbinde Himmel und Erde „und es verbindet auch uns miteinander“, meinte er in seinem Schlusswort."
Quelle: hier.

Sonntag, 16. September 2012

Der veruntreute Himmel

Nachdem das Video schon in der Blogoezese umgegangen ist, bin ich als Chefbeauftragter für Bilder und Videos mit Pius XII. natürlich gehalten, es gleichsam mal einzustellen.


Ich finde dieses Video außerordentlich gut und berührend. Nicht nur die Generalaudienz, die zu den besten Aufnahmen Pius XII. gehört, sondern vor allem, was danach kommt. Ich weiss noch wie ein Priester, der Exerzitien geleitet hat an denen ich teilgenommen habe, von einem alten Pfarrer erzählte, der ihm einmal folgendes sagte: Das beste was ich ihnen wünschen kann ist eine gute Sterbestunde. Kann es eine schönere Sterbestunde geben als die, welche wir hier im Video erleben?

Gott, gewähre uns eine gute Sterbestunde.

Samstag, 15. September 2012

Reliquiare VI

Brauchtum um das Kreuz im katholischen Europa

Zuletzt wollen wir verschiedene Kreuzfeste behandeln, wie sie im Mittelalter im heutigen Bistum Limburg begangen wurden. Diese lassen sich grob in zwei Bereiche teilen: Zum einen solche, in denen die Legenden um das Kreuz und neben dem Kreuz noch die Tagesheiligen stehen und solche, die ganz auf das Kreuz hingeordnet sind. Bei den ersten handelt es sich z.B. um die Feste von Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung, bei letzterem die Karwoche, darunter besonders der Karfreitag.1) Zur Volkfrömmigkeit, die nicht selten Eingang in die Liturgie findet, gehören gerade auch Legenden, die das, was man sieht und was man glaubt, vorstellbar machen und nicht selten ausschmücken. Um das Kreuz haben sich wesentlich zwei Legendentypen herum gebildet. Zum einen die Legende der Auffindung des Kreuzes durch die Mutter Konstantins, deren eine Version der Autor bereits angesprochen hat, und die Legende von der Rückholung des Kreuzes nach Jerusalem durch Kaiser Herakleios.

Der historische Kern der Legende ist die Verschleppung des Kreuzes durch die Perser im Rahmen der Eroberung Jerusalems 614. Herakleios führte in den folgenden Jahren zahlreiche Feldzüge, an deren Ende er die Perser, genauer die Sassaniden, 628 endgültig besiegte und das Kreuz 631 nach Jerusalem zurückführte. Diese Ereignisse wurden durch die Jahrhunderte ausgeschmückt, so dass der persische Großkönig zunehmend als grundböser, gotteslästerlicher Tyrann erscheint, wogegen Herakleios immer mehr zum Sinnbild eines christlichen Herrschers wird. Genannt sei hier nur die Legende, dass der Kaiser das Kreuz erst nach Jerusalem habe zurückbringen können, als er es selbst in eigener Person in die Stadt trug.2) Doch zurück zu den Festen. Im Laufe der Jahrhunderte fanden die Kreuzfeste, wie sie in den Metropolen des Ostens begangen wurden, auch in die abendländische Kirche Eingang, wobei Rom, dass lange Zeit unter byzantinischem Einfluss verblieb, dabei eine führende Rolle einnahm. Beginnen wir mit den beiden Kreuzfesten „inventio“ und „Exaltatio sanctae Crucis“. In beiden Festen steht das Kreuz unbestritten im Mittelpunkt. Die Frage stellt sich daher, wie weit dieses Thema den Tag dominierte und wie weit andere Themen daneben Raum hatten. Diese beiden anderen Themen waren die Heiligen des Tages, besonders die Martyrer und die Legenden. Dabei kann man festhalten, dass die Tagesheiligen die weit größere Rolle spielten als die Legenden, die teilweise gar nicht vorkamen oder nur im Rahmen einer sehr verkürzten Erwähnung. Man kann dabei unterscheiden zwischen dem Fest Kreuzerhöhung und Kreuzauffindung. Besonders zum Fest Inventio ist das Kreuz der Mittelpunkt des Tages, wohingegen die Heiligen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Für das Fest Kreuzerhöhung gilt das nicht, Hier kommt das Kreuzfest zwar vor, ist den Heiligen aber nur bei- und nicht übergeordnet.3) Alles dominierend wird das Kreuz dann aber in der Liturgie der Karwoche, im „Triduum Paschale“. In dieser Zeit, in der man den Gläubigen das Leiden Christi in der Liturgie vergegenwärtigen wollte, spielte das Kreuz als das Symbol des Leidens die zentrale Rolle, neben der alles andere verblassen musste. Besonders geschah dies am Karfreitag und in der Osternacht, wo es mit dem leidenden Christus quasi identifiziert und damit zur Hauptperson der Liturgie, mithin der Inszenierung wurde. Dies fand im Mittelalter noch deutlich plastischer und handgreiflicher statt. So wurden regelrecht szenische Darstellungen in den Kirchen aufgeführt, in deren Verlauf das Kreuz, es musste dabei keine Kreuzreliquie sein, bestattet wurde.4)

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1 Vgl. Krüger, S. 80.
2 Vgl. Krüger, S. 58-60.
3 Vgl. Krüger, S. 71.
4 Vgl. Krüger, S. 80.


Freitag, 14. September 2012

Reliquiare V

Kreuzreliquien im Westen
 
Bereits bevor die byzantinischen Kreuzreliquien geplündert und nicht selten geteilt und somit über das ganze katholische Europa verstreut wurden, gab es auch in diesen Gegenden Kreuzreliquien. Das hängt damit zusammen, dass durch die zunehmende Popularität des Kreuzkultes auch die Nachfrage nach erreichbaren Reliquien stieg. Aus diesem Grunde entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten der christlichen Herrschaft Jerusalems ein regelrechter Export von Kreuzpartikeln, für die teilweise sogar kostbare Reliquiare gleich mitgeliefert wurden, die in einer Goldschmiedewerkstatt der Chorherren vom Heiligen Grab hergestellt wurden. Es sind aus dieser Zeit indes nur noch sehr wenige Beispiele erhalten wie die Scheyerner Kreuzreliquie. Die wichtigste Quelle für Kreuzreliquien der katholischen Christenheit aber lag in Rom. Es handelt sich dabei um das große Stück, das Konstantin der späteren Basilika Santa Croce gestiftet hatte und von dem in bereits erwähnter Weise immer wieder kleine und kleinste Teile abgetrennt wurden. Es ist diese oft geringe Größe der Reliquien, die dazu führt, dass entgegen landläufiger Meinung, alle Kreuzteile zusammen kaum ein Drittel des Originals ergeben würden. Einschränkend hierzu muss erwähnt werden, dass diese Zählung nur den Bestand wiedergab, wie er Rohault de Fleury 1870 vorlag. Im Mittelalter mögen mehr Kreuzreliquien im Umlauf gewesen sein. Mit den kostbaren Reliquienkreuzen in Rom fanden zu bestimmten Feiertagen, besonders zum Fest der Kreuzerhöhung, Prozessionen durch die Stadt statt, so z.B. von Sancta Sancotrum zur Lateransbasilika. Am Karfreitag wird ein anderes Reliquienkreuz dem Altar von Sancta Sanctorum entnommen und vom Papst verehrt. Wir können darin gewisse Ähnlichkeiten zwischen den Riten in Jerusalem und Konstantinopel mit dem römischen erkennen, der vermutlich über Pilger vermittelt wurde.

Eine andere wichtige Kreuzreliquie des Westens ist das Reichskreuz, das zu den Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gehörte. Es steht in der Tradition der juwelengeschmückten Prunkkreuze und ist schon allein dadurch ausgezeichnet, dass die darin aufbewahrte Kreuzreliquie mit 31 cm Länge alle anderen Partikel des Abendlandes an Größe übertraf. Dieses Stücke kam auf einem sehr viel friedlicheren Weg in den Westen als die Staurothek, da es ein Geschenk Kaiser Manuels I. an Konrad II. war.1)

Bei dieser Reliquie handelt es sich um ein Krückenkreuz von 77,5 cm Höhe und 70,8 cm Breite. Der Kreuzpartikel war in den senkrechten Kreuzbalken eingelegt, wohingegen im waagrechten die Heilige Lanze untergebracht war. Der Holzkern ist auf allen Seiten mit Goldblech beschlagen. Die Vorderseite ist darüber hinaus mit einem reichen Dekor aus Juwelen und Perlen geschmückt, die bei aller Reichhaltigkeit eine Ordnung aufweisen. Die Rückseite kommt ohne den Schmuck von Juwelen aus, ist aber mit gravierten und niellierten Darstellungen reich versehen. Im Zentrum steht das Lamm, das von elf Aposteln in den Kreuzbalken umgeben ist. In den quadratischen Enden erscheinen die Symbole der Evangelisten. Das Kreuz lässt sich an der Vorderseite öffnen und gibt den Blick auf mehrere Fächer frei, in die neben den Kreuzpartikeln und der Heiligen Lanze weitere Reliquien eingesetzt waren, wobei man sich bei letzteren nicht sicher sein kann, ob sie bereits am Anfang dort enthalten waren. Insbesondere mit den beiden Passionsreliquien verweist das Reichskreuz auf eine höfische Tradition, die vielleicht ihren Ursprung, zumindest aber ihre Inspiration in Byzanz hat. Denn die Tradition der crux gemata, die den Triumph Christi symbolisieren sollen, stammen aus dem Osten und sind von hier nach Rom gekommen, wo sie von den Päpsten über die dunklen Jahrhunderte an die christlichen Königreiche überliefert wurden. Denn erst um 1000 n. Chr. können wir solche Kreuze als kaiserliche Sieges- und Schutzsymbole feststellen, wenngleich im 10. Jhr. mit dem Interesse der Ottonen gegenüber dem byzantinischen Hofzeremoniell bereits eine Tendenz feststellbar ist. Das Reichskreuz gehört unter den nun entstehenden Reliquiaren sowohl zu den Ältesten als auch zu den bedeutendsten. Es wurde, wie andere seiner Art, nicht nur für festliche Prozessionen verwendet, sondern auch im Stil byzantinischer Kaiser im Krieg mitgeführt. Darauf verweist insbesondere die Heilige Lanze, die als siegbringender Talisman bereits unter den Ottonen Berühmtheit erlangte. Die gemeinsame Aufbewahrung der Reliquien in diesem Kreuz geht wohl auf die späte Ottonen- oder frühe Salierzeit zurück, wenngleich auch diese Tradition bereits in Byzanz vorhanden war und darin vermutlich seinen Ursprung hatte. Wenn dies so war, dann wurde die byzantinische Vorstellung von einer „crucidera lancea“, einer durch das Kreuz gekrönten (heiligen) Lanze hier durch die Zusammenführung in einer Reliquie abstrahierend umgesetzt.2)

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2 Vgl. Legner, S. 55-64.
3 Vgl. Kirchweger, S. 45-49.

Hymnus Signum crucis mirabile

Auf Deutsch:
"Wunderbares Kreuzzeichen, einst über dem Erdkreis erstrahlend, an welchem undschuldig Christus hing, der Erlöser aller.
Dieser Baum ist größer als alle Zedern des Libanon, weiß nichts von schuldhafter Frucht, trägt aber den Preis des Lebens.
Du Christus, heiligster König, unter dessen Kreuzeszeichen Du uns zu allen Zeiten Deinen Schutz nicht versagen mögest.
Dass wir Dir einstimmig und ehrerbietigsten Herzens zu aller Zeit den geschuldeten Lobpreis darbringen können."
Und auf Latein:
"Signum crucis mirabile olim per orbem prenitet, in qua pependit innocens, christe redemptor omnium.
Hec arbor est sublimior, cedris habet quas libanus, que poma nescit noxia, sed ferre uite premia.
Tu christe rex piissime, huius crucis signaculo horis momentis omnibus munire nos non abnuas.
Ut ore tibi consono et corde deuotissimo possimus omni tempore laudes referre debitas."
Quelle: A. Heuser, M. Kloft: Im Zeichen des Kreuzes, S. 67.

Donnerstag, 13. September 2012

Hymnus Salve, crux sancta

Auf Deutsch:
"Sei gegrüßet, heiliges Kreuz, sei gegrüßet, Zierde der Welt, unsere wahre Hoffnung, Träger wahrer Freudenzeichen des Heils, Rettung in Gefahren, lebensspendendes Holz und Träger des Lebens der Menschheit.
Dich, anbetungswürdiges, Dich, wiederbelebtes Kreuz, dem Leben zurückgegeben, süße Zierde der Welt, stets lobpreisen wir, stets lassen wir Dich erstrahlen, durch das Holz versklavt, durch Dich, Holz befreit.
Die Erbsünde tilgst du am Kreuz. Von unseren eigenen Übeln, Christus, befreie uns, Erbarmer schwacher Menschlichkeit, gib Verzeihung des Fehlern durch das heilige Kreuz.
Schütze, heile, segne, heiloge alles Volk durch das Kreuzeszeichen, wende Krankheit von Leib und Seele, gegen dieses Zeichen möge keine Gefahr Bestand haben.
Lob sei Gott, dem Vater, im Kreuze des Sohnes. Gleiches Lob sei dem heiligen Geist, Freudenjubel sei den Engelsscharen. Ehre sei der Kreuzeserhöhung auf Erden."
Auf Latein:
"Salve, crux sancta, salve mundi gloria, vera spes nostra, vera ferens gaudia. Signum salutis, salus in periculis, vitale lignum vitam portans hominum.  
Te adorandam, te crucem vivificanem, vite redempti, dulce decus seculi, semper laudamus, semper tibi canimus, per lignum servi, per te, lignum, liberi.
Originale crimen necas in cruce nos a privatis, Christe, munda maculis, humanitatem miseratus fragilem per cruce sanctam lapis dona veniam.
Protege salva benedic sanctifica populum cunctum crucis per signaculum, morbos averte corporis eta anime hoc contra signum nullum stet periculum.
Sit deo patri laus in cruce filii sit coequales laus sancto spiritui, ciuibus summis gaudium sit angelis honor in mundo sit crucis exaltacio."
Quelle: A. Heuser, M. Kloft: Im Zeichen des Kreuzes, S. 70f.

Reliquiare IV

Die Staurothek als Beispiel byzantinischer Kreuzreliquiare und Inspiration des Westens

Die Limburger Staurothek teilt mit vielen kostbaren Reliquien, die heute in den Kirchen des Westens ausgestellt sind, ein ähnliches Schicksal. Sie sind nicht ursprünglich Stücke der westlichen-katholischen Verehrung gewesen, sondern stammen aus Konstantinopel. Hier, in der alten Kaiserstadt des römischen Reiches, hatte sich das unter Augustus begründete Kaisertum und mit ihm seine Schätze erhalten. Konstantinopel war in einem Zeitraum von fast 900 Jahren trotz aller Kostbarkeiten, die hinter seinen Doppelmauern gesammelt wurden, nie eingenommen worden. So konnten sich neben weltlichen Schätzen auch geistliche erhalten, so konzentriert und so reichhaltig, wie nirgendwo sonst in der Christenheit. Erst als das katholische Abendland auf dem Vierten Kreuzzug zu seiner ewigen Schande diese Stadt plünderte, zerstreuten sich ihre Schätze. In diesem Zusammenhang kam, wenngleich nur indirekt über das nach der Eroberung gegründete Lateinische Kaiserreich, auch die Staurothek durch Heinrich von Ulmen an die Mosel und von hier nach Limburg.

So muss man, will man die Staurothek verstehen und sie ganz wertschätzen, vor allem als byzantinisches Produkt begreifen. Als solches ist sie vor allem deshalb herausragend, weil seine Entstehungsgeschichte und damit die Authentizität seiner Kreuzreliquie weit in die Vergangenheit nachvollzogen werden kann. Das ist durch zwei Stifterinschriften möglich, welche die Staurothek als kaiserliche Auftragsarbeit ausweisen. In der ersten sind zwei Kaiser genannt, Konstantin und Romanos, was nahelegt, dass sie zu diesem Zeitpunkt gemeinsam regiert haben. Dies trifft nur auf eine Paarung zu, Konstantin VII. Porphyrogennetos und Romanos II., die im Zeitraum von 945-959 gemeinsam herrschten. Mit der Stiftung des Reliquiars stehen die beiden Kaiser in einer langen Tradition, die bereits auf Konstantin und seine Mutter zurückgeht. Konstantin soll ein in ein kostbares Reliquiar eingefasstes Kreuz der römischen Kirche Basilica Sessoriana gestiftet haben. Nach diesem Kreuz wurde sie später als Santa Croce in Gerusalemme benannt. Nachweisbar ist die kaiserliche Stiftertätigkeit seit Kaiser Justin II. aus dem 6. Jhr.1) Die beiden Kaiser fassten auf ein Trägerholz insgesamt sieben unterschiedlich lange Kreuzpartikel, die sich vermutlich schon seit Jahrhunderten im kaiserlichen Besitz befanden. Dieses Kreuz wiederum wurde in eine Lade geborgen. Diese ist mit vergoldeten Silbertreibarbeiten, Juwelen und Emailarbeiten reich verziert. Auf der vergoldeten Rückseite findet sich eine Darstellung des Kreuzes mit verschiedenen umgebenden Verzierungen. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Lade nicht nur das Reliquienkreuz barg. Vielmehr finden sich in ihr um das Kreuz herum angeordnet 33 Fächer. Davon liegen zehn direkt an der Lade und sind mit Engel-Darstellungen verziert, die gleichsam als Ehrengarde des Kreuzes dienen. In den größeren Fächern daneben, auf denen als Archai und Exousiai benannte Gestalten prangen, waren weitere Reliquien Christi, Mariens und Johannes des Täufers verborgen - bis sie unter Bischof Dominicus Willi in ein eigenes Reliquienkreuz überführt wurden. Der Rahmen wird durch verschiedene getriebene, punzierte und ziselierte Friese gestaltet, zu denen auch ein Inschriftenfries gehört. Zu dieser Lade gehört auch ein Schiebedeckel. Besonders erwähnenswert ist hier die Emailarbeit, die aus neun Plättchen besteht. Auf diesen sind die Evangelisten, Erzengel, Apostel, Maria und Johannes der Täufer als kaiserlicher Hofstaat dargestellt, die den thronenden Christus Pantokrator umgeben. Diese Platten sind von einem Schmuckrahmen umgeben, die mit edelsteinbesetzten Goldblattburdüren und Emailplättchen besetzt sind. Prachtvolle, mit Juwelen verzierte Schmuckbordüren beschließen unter- und oberhalb den Rahmen. Ein Palmettenfries leitet zur Lade über. Darüber befindet sich eine Inschrift, die den Stifter nennt, einen Basileos, der das Amt des Proedros inne hatte, eines wichtigten Hofbeamten. Besagter Basileos wirkte in der Zeit des Konstantin VII. bis zu Basileos II. 985 n. Chr. Die Stiftung bzw. die Verschönerung dieses kostbaren Reliquiars stellt jedoch für den Poedros keine Seltenheit dar, sondern ist als Teil einer umfassenden Stiftertätigkeit zu sehen, die dieser zeitweise mächtigste Mann der reichsten Monarchie der Christenheit entfaltete und wie es wohl von einer Person seines Status auch erwartet wurde. Aufgrund weiterer Quellen und der Entwicklung der Machtverhältnisse in Byzanz kann man die Anfertigung der Lade zwischen 949-985 datieren. Dabei muss offen bleiben, ob Basileos die Lade lediglich hat restaurieren oder neu anfertigen lassen.2)

Nachdem die Staurothek von Heinrich von Ulmen aus Konstantinopel fortgebracht und an das Benediktinierinnenkloster St. Nikolaus übertragen wurde, konnte es nicht ausbleiben, das sie, und andere ihrer Art, Einfluss auf die Form der Kreuzreliquien nahmen. Der Einfluss der byzantinischen Reliquiare auf jene des Westens wurde allgemein bereits ausführlich beschrieben. Doch kann man durchaus Beispiele finden, in denen ganz konkret byzantinische Vorbilder wie die Staurothek aufgegriffen wurden. Zu nennen ist hier insbesondere die prachtvolle Staurothek der Abtei St. Matthias in Trier und das Tryptichon in Mettlach. Beide bezogen ihre Kreuzreliquien aus Teilen jenes großen Kreuzes, dass Jahrhunderte lang in der Heiligen Kapelle in Konstantinopel verwahrt und nach der Eroberung aufgeteilt worden war. Insbesondere der Staurothek von St. Matthias ist der Einfluss der byzantinischen Staurothek deutlich anzusehen. Wie bei ihr, so ist auch das Kreuz der Trierer Staurothek herausnehmbar und von kostbaren Goldschmiedearbeiten eingerahmt. Auch ist von zahlreichen, insgesamt 20 kleineren Fächern umgeben, in denen ebenfalls Reliquien eingebettet sind. Diese sind indes, hier wird eine anderer Einfluss der byzantinischen Kunst sichtbar, jedoch nicht hinter Bildern verborgen, sondern hinter Bergkristallplättchen sichtbar. Abgeschlossen wird es von einem mit Gold- und Silberarbeiten verzierten und mit Juwelen und Gemmen besetzten Schmuckrahmen.3)


Die weitere Entwicklung, der Limburger und anderer byzantinischen Staurotheken lässt sich an zwei weiteren Reliquiaren deutlich machen. Zuerst, weil zeitlich am nächsten, ist hier ein Tafelreliquiar im Halberstädter Domschatz aus dem Jahr 1208 aufzuführen. Im Zentrum der Tafel liegt ein Kreuz, bestehend aus zwei Spänen des wahren Kreuzes, in deren Schnittpunkt ein Silberplättchen liegt, dass die Kreuzigung darstellt. Neben den Kreuzarmen sind weitere Reliquien gelegt. Ein reich verzierter und mit Juwelen besetzter Rahmen schließt dieses innerste Feld gegenüber einem umlaufendes Feld ab. In diesem sind in Vertiefungen weitere Reliquien eingelassen, die durch Bergkristalllinsen sichtbar sind. All dies ist noch einmal von einem Schmuckrahmen umgeben.4) Erwähnenswert ist überdies eine Reliquientafel von 1310 aus dem Prager Georgs-Kloster. Auch hier nimmt die Kreuzreliquie die dominierende Stellung ein. Wie alle anderen aber liegt es in einer runden, wenn auch größere Kapsel gebettet, die mit einem Bergkristalldeckel verschlossen ist. Darum herum sind weitere 14 Kapseln angeordnet, wobei sich durch ihre unterschiedliche Größe das Bild eines Kreuzes bildet. Erwähnenswert ist darüber hinaus, dass nicht nur Reliquien von Heiligen in diesem Reliquiar Verwendung fanden, sondern auch Steine von Orten Jesu Lebens und Leidens.5)

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1 Vgl. Klein, S. 23-24.
2 Vgl. Klein, S. 23-28.
3 Vgl. Legner, S. 67.
4 Vgl. Legner, S. 67-68.
5 Vgl. Legner, S. 60.

Mittwoch, 12. September 2012

Religionsunterricht kann Türöffner des Glaubens sein

"Sie sind unverzichtbare Mitarbeiter für die Glaubensweitergabe", lobte Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst die Arbeit der Religionspädagogen aus dem Bistum Limburg. Religionslehrer seien Helfer "damit Gott in Kirche und Gesellschaft nicht klein geredet werde". Die innere Vergewisserung des Glaubens sei ein wichtiger Dienst am Menschen, so der Bischof von Limburg beim Tag der Religionspädagogik in der 54. Kreuzwoche. Mehr als 380 Religionspädagogen waren am Dienstag, 11. September, in die Bischofsstadt gekommen.
"Der Glaube ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr", erklärte Professor Dr. Dr. Thomas Marschler. Er unterrichtet an der Universität Augsburg Systematische Theologie und sprach in Limburg über die Gabe und Weitergabe des Glaubens. Der Glaube nehme den ganzen Menschen in Anspruch und sei eine Gabe, die zur Weitergabe antreibe. "Unser Ja zum Glauben setzt immer schon das Ja Gottes zu uns Menschen voraus", so Marschler. Der Glaube könne weder von der Kirche noch von Religionslehrern oder Theologen produziert werden. Er müsse immer erbetet und vermittelt werden. Der Glaube sei ein Geschenk Gottes und auch die Kirche, sei durch die Selbstmitteilung Gottes beschenkt worden. Thomas Marschler ging auch auf das Credo, das Glaubensbekenntnis der Kirche ein. "Die Aussagen des Credos sind nicht leicht zu verstehen und zum Glaubensleben gehören immer auch Brüche", so der Theologe. Das Credo sei das "Echo der Selbstmitteilung Gottes" und es könne eine Hilfe sein, um zum Glauben zu kommen. Glauben sei immer auch ein Prozess und ein Weg, der die ganze Person und deren freien Willen brauche. "Als Religionslehrer und Theologen können und wollen wir niemanden zum Glauben zwingen", so Marschler. Er sieht den Religionsunterricht vielmehr als einen Türöffner zum Glauben hin. Den Schritt zum Glauben hin müsse jeder Mensch selbst gehen. Glaube müsse immer ein Akt personeller Freiheit sein, der auf einer lebendigen Beziehung aufbaue.
Höhepunkt des Tages der Religionspädagogik war das festliche Pontifikalamt mit Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst im Hohen Dom zu Limburg. In der Liturgie überreichte der Bischof 60 Religionslehrern die Missio canonica und beauftragte sie zum Religionsunterricht im Bistum Limburg. In seiner Predigt lud der Bischof die Religionspädagogen ein, immer wieder im Unterricht von Gott und gemeinsam mit Schülern auch mit Gott zu sprechen. "Wo Gott im Sprechen der Menschen seinen Namen verliert, verschleiern Menschen sein Angesicht", so Tebartz-van Elst. Von Gott zu sprechen hingegen bedeute, ihn beim Namen zu nennen, so wie er sich in Jesus Christus offenbart habe. Das Credo der Christen sei immer ein Ereignis in der ersten Person Singular und ein Bekenntnis immer Ausdruck von Beziehung. "Wo im Leben wie im Glauben Beziehung zum Bekenntnis wird, bekommt die Liebe einen Namen und die Wahrheit Worte", sagte der Bischof. Gott dürfe nicht zum namenlosen Wesen heruntergestuft werden. Es brauche Gesichter und Stimmen und der Religionsunterricht müsse immer auch ein Bekenntnisfach sein. "Von Gott angemessen reden, kann nur der, der auch mit ihm im Gebet spricht", sagte der Bischof.
Die Suche und Frage vieler junger Menschen nach einem "Mehr" brauche Zeugen, die zeigen, dass Gott der Gott der Christen mehr ist, als ein höheres Wesen. Religionsunterricht setze auf das Credo der Lehrkräfte. "Es braucht Ihr Bekenntnis aus der Mitte der Kirche, damit junge Menschen in Jesus Christus das menschliche Angesicht Gottes in Ihrem Blick und in Ihren Worten vernehmen", betonte Bischof Tebartz-van Elst."
Quelle: hier.

Benedikt XVI. Zitatenschatz

Habe gerade eine Internetseite gefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zahlreiche Zitate des Hl. Vaters thematisch zu ordnen und im Internet zugänglich zu machen. Für alle Papst-Fans eine große Fundgrube. Vielen Dank dafür.

Zur Internetseite geht's hier.

Reliquiare III

Kreuzreliquien

Den höchsten Rang unter allen Reliquien nehmen die Überreste des Wahren Kreuzes ein, an dem der Herr gestorben ist. So war das Bedürfnis, sie zu besitzen oder zumindest ihnen nah zu sein, immens. Da es aber nur eine einzige Quelle dieser wertvollsten aller Reliquienarten gab, die als kostbarster Schatz von ihren Besitzern gehütet wurde, konnten immer nur kleine und kleinste Teile vom Kreuz entnommen werden, sodass Kreuzreliquien oft nicht größer sind als eine Stecknadel.1) Zu den außergewöhnlichsten Stücken dieser Reliquien, sowohl nach der Größe als auch der Authentizität, gehört jenes, das in der Limburger Staurothek verwahrt wird. Dieses Stück bzw. Stücke und ihr Reliquiar führen den Betrachter bis auf den Grund der Kreuzreliquien und ihrer Behältnisse. Die Staurothek ist, wenngleich den längsten Teil ihrer Geschichte Teil des katholischen Westens, im Osten, am Hof von Konstantinopel entstanden. Und wendet man seinen Blick noch weiter, der aufgehenden Sonne entgegen, so fällt der Blick auf jenen Ort, der Ursprung aller Kreuzreliquien ist, Jerusalem.2) Nach der Legende fand Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, unter dem das Kreuz als gemeinsames Symbol von Kaiserreich und Kirche zum Siegeszeichen avancierte, unter den Trümmern auf dem Berge Golgatha die drei Kreuze, von denen sie eines mithilfe des im Auftrag Pilatus‘ angeschlagenen Querschildes als das wahre Kreuz Christi identifizierte. Dieses Kreuz wurde jedoch von ihr geteilt. Der eine Teil verblieb in Jerusalem, den anderen übersandte sie ihrem Sohn Konstantin, der es für den Schutz seiner neuen Hauptstadt in seine Statue auf der Konstantinssäule einsetzen ließ. Inwieweit diese Legende auf tatsächlich Geschehenes rekurriert bleibt fraglich, da aus der Zeit Konstantins noch keine Berichte über die Kreuzreliquien vorliegen. Vermutlich wurde das Kreuz aber in den 30er oder 40er Jahren aufgefunden.3)

Eine erste Nennung in Jerusalem datiert auf die Jahrhundertmitte. Bischof Kyrill von Jerusalem schreibt um diese Zeit an Konstantius II., dass die Kreuzreliquie unter der Herrschaft Konstantins gefunden worden sei und das einzelne Splitter des Kreuzes bereits überall in der Welt verteilt sind, wodurch sich eine frühe Verbreitung von Kreuzreliquien vermuten lässt. Diese ist darauf zurückzuführen, dass man dem Kreuz, und sei es nur in winzigsten Splittern vorhanden, von allen Reliquien die stärkste Kraft zusprach. In Jerusalem entwickelte sich auch früh eine Kultpraxis um das Kreuz, wie ein Bericht der Pilgerin Egeria, die das Heilige Land zwischen 381-384 bereiste, zeigt. Darin wird zum einen das Gefäß erwähnt, in dem das Kreuz aufbewahrt wird. Es sollte sich um ein silbernes Kästchen handeln. Aus diesem wird die Reliquie herausgenommen und vom Bischof gehalten, damit die Gläubigen an ihm vorbeidefilieren und ihm huldigen können, während es von umstehenden Diakonen bewacht wird. Das gibt uns zum eine Vorstellung von der Größe des Kreuzes, zum anderen weist es auf die Gefahr hin, dass Gläubige sich während der Huldigung, sie küssten das Kreuz, Splitter der Reliquie bemächtigen.

Wenden wir uns nun der anderen Stadt mit großer Kreuzreliquie zu. Ob tatsächlich Teile des Kreuzes in die Statue Konstantins eingesetzt wurden, sei hier dahingestellt. Als sicher kann jedoch gelten, dass sich schon kurz nach ihrer erstmaligen Erwähnung Kreuzreliquien in kaiserlichem Besitz befanden und bald in Zeremonien Verwendung fanden. Die erste Erwähnung einer solchen Zeremonie stammt aus dem frühen 6. Jhr.von Theodor Anagnostes, wo das Kreuz offenbar im kaiserlichen Palast aufbewahrt und in kaiserlichen Prozessionen verwendet wurde. Aber nicht nur in der Stadt wurde diese kostbarste Reliquie dem Kaiser vorangetragen, sondern auch wenn er ins Feld zog, wie zuerst von Kaiser Maurikios um 600 berichtet wurde. Diese Praxis ist auch noch im 10. und 12. Jhr. belegt. In diesem Zusammenhang erhalten wir auch einen detaillierten Bericht über das Aussehen eines Kreuzreliquiars. Isaak II. Angelos führte auf einem Feldzug, den er 1190 gegen die Bulgaren führte, eine Kreuzreliquiar mit sich, das neben dem Hauptreliquiar auch noch mehrere Laden hatte, in dem andere wertvolle Reliquien geborgen waren. Ähnliches wird auch von Manuel I. Komnenos einige Jahrzehnte zuvor berichtet. Neben den eigentlichen kaiserlichen Zeremonien, in denen das Kreuz Verwendung fand, gab es auch solche, in denen es explizit um die Reliquie ging. Insbesondere nach der Eroberung Jerusalems durch die Perser und dann durch die Araber im Verlauf des 7. Jhr., wurde Konstantinopel Zentrum des Kreuzkultes. Eine erste Beschreibung solcher Riten finden wir in der Osterchronik vom Jahr 630. Aus dem Jahr 680 datiert ein ausführlicher Bericht über die Kreuzverehrung in der Hagia Sophia. Um die Osterzeit wird die Reliquie an drei aufeinander folgenden Tagen, beginnend mit Gründonnerstag, auf einem Altar ausgesetzt und zuerst durch den Kaiser und seine höchsten Beamten, am folgenden Tag durch die Damen des Hofes und zuletzt durch den Klerus verehrt, dass heisst auch geküsst. Aus diesem Bericht erfahren wir auch, wie das Reliquiat beschaffen war und dass das Kreuz während der Zeremonie darin verblieb und nur durch eine Öffnung zugänglich war. Es handelte sich also um eine hölzerne, flache Lade, die durch einen ebenfalls hölzernen Deckel verschlossen werden konnte. Ähnliches geschah auch am Fest der Kreuzerhöhung. Hier wurde die ihrem Reliquiar entnommene Reliquie durch den Patriarchen erhöht, also erhoben. Auch Prozessionen fanden mit ihr statt, so zur Wasserweihe.4)

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1 Vgl. A. Legner: Reliquien in Kunst und Kult, S. 55.
2 Vgl. Klein, S. 14-16.
3 Vgl. Legner, S. 72-77.
4 Vgl. Klein, S. 16-23.

Dienstag, 11. September 2012

Mittelalterlicher Kreuzhymnus

Hymnus auf das Kreuz
"O Kreuz, wunderbares Zeichen, in welchem unser Herr Jesus Christus, Gottes Sohn, aufgerichtet, für die Last unserer Sünden hingerichtet und sein Blut vergossen worden ist um unserer Erlösung willen - anbetungswürdig auf Thronen und durch Engel und dem strahlenden Glanz der Sonne wegen seiner unendlichen Verdienste.
O Kreuz, leuchtender als alle Sterne, hocchgerühmt in aller Welt, vielgeliebt bei den Menschen, heiliger als das Weltall, das du allein würdig gewesen bist, den Schatz der Welt zu tragen.
Süßes Holz, süße Nägel, süße Last hast du getragen. Bewahre die anwesende Schar, heute zu deinem Lobpreis versammelt und durch dein Feldzeichen gekenntzeichnet."
Und für unsere Lateinliebhaber:
"O crux, ammirabile signum, in quo dominus noster Iesus Christus dei filius suspensus pro nostrorum pondere criminum mortis dampnauit supplicium et sanguis eius adorandus thronis et angelis niueisque candoribus radianti turbe virtutis effusus est in precium nostre salutis.
O crux splendidor cunctis astris, mundo celebris, hominibuss multum amabilis, sanccior uniuersis, que sola fuisti digna portare talentum mundi.
Dulce lignum, dulces clauos, dulce pondus suscinuisti. Salua presentem cateruam, in tuis hodie laudibus congregatam tuo vexillo signatam."
 
Quelle: A. Heuser, M. Kloft: Im Zeichen des Kreuzes, S. 58.
 

Reliquiare II

Geschichte

Im Weiteren soll die Geschichte der Reliquiare kurz umrissen werden. Dabei soll es zum einen um die künstlerische Entwicklung der Reliquiare gehen. Zum anderen soll der Prozess analysiert werden, in dem die Reliquien sichtbar wurden, also nicht mehr in den Reliquiaren verborgen wurden, sondern nun selbst dargestellt wurden.

Überblickt man die Zahl der Reliquiarformen, so wird sofort auffallen, dass im Laufe der Zeit alles als Reliquiar verwendet wurde, was dazu geeignet war, eine Reliquie aufzunehmen. Dies liegt daran, dass die Reliqiuare, anders als die vas sacrae, nicht an eine bestimmte Funktion in der Liturgie gebunden sind. Das ermöglicht eine große Formenvielfalt. Indes kann nicht jede Zeit einen ähnlich großen Variantenreichtum an Reliquiaren vorweisen. Bis ins 10 Jhr. gab es nur vergleichsweise wenige Reliquiarformen. Diese waren Reliquienkästchen, Bursareliquiare, Plenarreliquiare und Reliquienkreuze. Von den genannten Formen konnten sich lediglich die Bursareliquiare nicht behaupten. Seit dem 10. Jhr. setzte dann eine Erweiterung des ursprünglichen Formenbestandes ein. Bis zum 12. Jhr. wurden Tafelreliquiare, Diptychon- und Tridyptichonreliquiare, Büstenreliquiare, Flaschenreliquiare und Reliquienhörner entwickelt. Den Büstenreliquiaren nicht unähnlich waren solche, die Körperteilen nachempfunden wurden, besonders beliebt waren dabei Kopf- und Armreliquiare. Bis zum 14. Jhr. wurden dann der Formenkanon kompletiert: Es entstanden Scheibenreliquiare, ziboriumförmige Reliquiare, Reliquiare mit stehenden oder liegenden Behältern aus Glas oder Kristall, Reliquiare in Gestalt von Kannen und ähnlichen Gefäßen. Dazu noch Reliquienbursen und Reliquientüchlein. Zu den beliebtesten in dieser Zeit entstandenen Reliquiarformen gehörten die Reliquienosternsorien, die sich von allen am besten dazu eigneten, die Reliquien sichtbar zur Schau zu stellen. Nach dem Ende des Mittelalters, also ab dem 16. Jhr. gingen die Reliquiarformen zurück, was als Ausdruck der nachlassenden Reliquienfrömmigkeit verstanden werden kann. Zwar war den Reliquien nach wie vor ein Platz in der Frömmigkeit zugewiesen, doch die mitunter exzessiven Ausmaße des Mittelalters kannten man später nicht mehr. Vielmehr wurde nun der eucharistische Kult, sinnhaft durch das Einsetzen des Tabernakels in den Altar, zum beherrschenden Element. Viele Formen gingen unter und neue kamen nicht mehr hinzu. Die Sarkophagreliquiare, die im 16. Jhr, entstanden, waren nur Weiterbildungen der bereist bekannten Truhenreliquiare. Auch andere, wie die Pyramidenreliquiare oder die Aedikularreliquiare waren im strengen Sinne nur Umbildung bereits bekannter Formen. Während des Barocks kamen dann im Wesentlichen nur noch truhenförmige Reliquiare, Tafel- und Retabelreliquiare, Scheibenostensorien, Reliquienkreuze und Arm- und Büstenreliquiare vor.1)  

Bevor wir uns der Betrachtung des Prozesses von der sichtbaren zur unsichtbaren Reliquie nähern, sollen noch kurz die Ausschmückungen, die die Reliquiare im Laufe der Zeit erfahren haben, zur Vervollständigung des Bildes dargelegt werden.

Der Schmuck, mit dem die Reliquiare versehen wurden, kann man grob in zwei Bereiche unterteilen: Das Bildwerk und das Ornament.

Beginnen wir die nähere Betrachtung mit den Bildwerken: Formal bestand das figürliche Bildwerk aus Einzelfiguren oder aus Szenen, wobei die Einzelfiguren aus Ganz-, Halbfiguren und Büsten bestehen konnten.2) Gegenständlich hatte das Bildwerk entweder symbolischen oder realen Charakter.3) Es war, im Gegensatz zum Ornament, immer Darstellung des Religiösen. Als solches wurde es schon früh verwendet, wie ein Reliquienkästchen in S. Nazaro zu Mailand aus der Spätantike zeigt. Wie der Schmuck allgemein, so erreichte auch das Bildwerk seine höchste Blüte im Hochmittelalter, also im 12. und 13. Jhr. Besonders bei großen Reliquienschreinen wurde dabei mit Treibarbeit, Schnitzereien und Email eine Pracht betrieben, die den Eindruck erwecken kann, dass eine Steigerung nicht mehr möglich scheint. In dieser Zeit nahm es denn auch Gegenüber der Ornamentik einen höheren Stellenwert ein. So nimmt im 14. und 15. Jhr. die Ausstattung mit Bildschmuck folgerichtig ab, nicht zuletzt dadurch befördert, dass nun neue Formen der Reliquiare Verwendung fanden, die sich für die Anbringung von figürlichen Darstellungen nicht mehr so gut eigneten. Vor allem traf dies auf die Ostensorien zu. In diesen erkennen wir auch die Tendenz, den Gegenstand der Verehrung in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken und zu diesem Zweck die überladenen Bildwerke zurückzunehmen. Im Zuge der Renaissance und später des Barocks nahm die Bedeutung der Bilder weiter ab und das Ornament überflügelte es an Bedeutung, so dass ausgiebiger Bildschmuck nur noch bei größeren Reliquienschreinen anzutreffen ist, wohingegen die meisten Reliquien dieser Zeit fast keine figürlichen Darstellungen aufweisen oder nur noch sehr wenige wie Engelköpfchen. So wie die Masse der Bildwerke abnahm, so auch ihr symbolischer und realer Gehalt. Die barocken Engelsköpfchen waren weder in Gehalt noch in Variationsbreite mit den Kunstwerken des Hochmittelalters vergleichbar.

Lange Zeit hat das Ornament gegenüber dem Bildwerk eine Randbedeutung gehabt, wenngleich es nicht später auftrat als dieses, was z.B. ein ovales Reliquienkästchen aus dem 5. Jhr. im Museo cristiano des Vatikans zeigt. Es blieb aber seit dieser Zeit in den meisten Fällen nur Zutat des Bildwerkes, war nur dienendes, nie beherrschendes Element. Dessen ungeachtet kann man auch bei ihm seinem Höhepunkt im 12. und 13. Jhr ansetzen. So kam es im 14. und 15. Jhr. zu einer merklichen Vereinfachung des Ornaments und zu einem deutlichen Zurücktreten, was auch auf die neuen architektonischen Formen zurückgeht, die eine Ornamentierung erschwerten. Dies ändert sich in der Renaissance, in der das Ornament generell und so auch bei Reliquiaren eine zunehmende Bedeutung erfuhr und erst dem Bildwerk in der Bedeutung gleichkam, um es spätestens im Barock zu überflügeln. Indes war das rein christlich-religiöse Ornament in diesen Zeiten aus der Mode gekommen und wurde durch ein Antikisierendes ersetzt, dem in vielen Fällen die Beziehung zur Hauptsache, der Reliquie fehlte. Es blieb so äußerlicher, mithin oberflächlicher Prunk und nicht selten wurde das Ornament vom untergeordneten zur überwuchernden Hauptsache.4)

Nun jedoch wollen wir uns mit der Frage beschäftigen warum die Reliquien des Abendlandes in kurzer Zeit, jahrhundertealte Konventionen vergessend, in die Sichtbarkeit gezwungen wurden. In diesem Spannungsfeld steht auch die Staurothek, der sich ein späteres Kapitel dieser Abhandlungen widmen wird, denn der wesentliche Impuls für de Veränderung kam von außen, kam aus Konstantinopel. Im katholischen Europa bis ins 13. Jhr. waren die Reliquien in einem Reliquiar eingeschlossen, dass nach allen Seiten durch edle Materialen abgeschlossen war und den Blick auf das Heilige Gebein vollständig verhüllte. Nicht unähnlich einem Tabernakel waren die Reliquien in diesem Gehäuse dann noch einmal von, oft kostbaren, Stoffen umgeben, sodass selbst dann, wenn die Reliquiare geöffnet wurden, die Reliquien nicht sichtbar wurden.5) Demgegenüber waren die Reliquien im orthodoxen Osten den Blicken oft frei zugänglich, nicht selten war es sogar möglich, sie zu berühren.6) Die byzantinischen Reliquien wiesen auch oft keine Pergamentauthentiken auf, vielmehr war die Zuweisung der Reliquie in die schmückenden Metallverzierungen graviert, was ein deutliches Indiz dafür ist, dass man mit dieser Reliquie auch hantieren konnte. Als Beispiel hierfür kann ein Schädel aus Halberstadt verwendet werden, der als Jakobusreliquie angesehen und aus Konstantinopel verschleppt wurde. Aus diesen und anderen Beispielen lässt sich nachweisen, dass die byzantinischen Reliquiare eine andere Aufgabe gehabt haben müssen als ihre westlichen Gegenstücke. Ein gut erhaltenes Reliquiar, das sich seit dem 11. Jhr. in Rom befindet, ist ein Kasten, der zur Aufbewahrung eines Praxedishaupts diente und leicht geöffnet werden konnte. Dahinter befand sich ein zweiter Deckel, in dem sich ein großes Loch befand, durch das der Kopf berührt werden konnte. Das zeigt, dass auch eine Berührung der Reliquie und ein geradezu freier Zugang möglich war. Eine solche Einstellung war im Westen bis ins 12. Jhr. hinein völlig fremd und noch im 13. Jhr. entsprachen viele Reliquien den alten Stilmerkmalen, wenngleich sich in dieser Zeit ein Wandel bemerken lässt. Ein solcher Wandel, der nicht nur stilistischen, sondern auch geistigen Charakters war, lässt sich aus zwei Gründen erklären, die einander bedingen. Der erste ist ein Innerkatholischer, eine Tendenz, das Heilige den Blicken der Menschen auszusetzen, das Bedürfnis der Menschen, zu sehen, was sie verehrten. Der andere ist die Plünderung von Konstantinopel, die eben in diese Zeit fällt und als Katalysator gewirkt haben mag, der die bereits bestehenden Tendenzen verstärkt und den Wandel beschleunigt hat.7) Der Wandel im Westen lässt sich nicht nur an Reliquien zeigen, sondern auch am Umgang mit dem Allerheiligsten. Wie bereits erwähnt, ähnelte sich der Umgang mit konsekrierter Hostie und Reliquie in dieser Zeit, ja es wurden teilweise sogar Vergleiche gezogen. So wurde, zeitgleich mit der zunehmenden Sichtbarmachung der Reliquien, damit Begonnen, die Hostie während der Elevation in die Höhe zu halten, um sie allen Gläubigen sichtbar zu machen. Demgegenüber war die Hostie zuvor vom Zelebranten in Brusthöge gehalten worden. Daran kann deutlich gemacht werden, dass das Schauen des Allerheiligsten zunehmend zu einem Bedürfnis geworden war.8) Um dies zu verstehen, muss ergänzt werden, dass es zu diesem Zeitpunkt, ja für den größten Teil der christlich-abendländischen Geschichte, für die Masse der Gottesdienstteilnehmer nicht üblich war, bei jeder oder bei den meisten Messen zu kommunizieren.9) So hat, um ein prominentes Beispiel zu nennen, noch im 18. Jhr. Ludwig XV. von Frankreich wegen seiner Mätressen über Jahrzehnte nicht kommuniziert.10) Eine ähnliche Tendenz darf man denn auch für die Reliquien annehmen. Da diese aber nicht während der Messe regelmäßig gezeigt wurden, war es nur einleuchtend, sie in ihren Gefäßen sichtbar zu machen. Als Kombination dieser Tendenz mit dem byzantinischen Einfluss darf das Reliquiar des Zeigefingers des Hl. Nikolaus aus dem Halberstadter Domschatz gesehen werden. Bischof Konrad von Krosigk brachte ihn vom 4. Kreuzzug mit und ließ für die Reliquie ein Armreliquiar anfertigen. Dieses, wenngleich es vielen Darstellungskonventionen der Zeit folgt, weist doch zu den herkömmlichen Armreliquiaren einen erheblichen Unterschied auf. Denn die Reliquie wurde auch im Reliquiar im Ganzen unverhüllt gezeigt, indem man die Nische, in die der Finger gelegt wurde, nur mit einer Bergkristallscheibe schloss. Eine genuine Neuschöpfung dieser Zeit, die wohl aus den Überlegungen über die bestmögliche Präsentation der Reliquien und mithin des Beutegutes hervorging, waren solche, deren Kern ein durchsichtiges Gefäß ist. Als hervorragendes Beispiel hierfür darf das Attalarreliquiar angesehen werden, in dem die Hand der Hl. Attala in einen Bergkristallcabochon eingesetzt war.11)

In diesem Wandel des 13. Jhr. durchbrach der Westen die jahrhundertealte Verwendung der Reliquiare als Gräber oder Särge der heiligen Gebeine. Diese Verhüllung der Verstorbenen war noch aus alter heidnischer Tradition überkommen und war durch das Christentum zwar übernommen worden, theologisch nicht aber länger notwendig. Den logischen Schritt, diesen Grundsatz für Reliquien aufzuheben, wurde im Osten schneller vollzogen, sodass sich hier das Reliquiar schon lange vor dem 13. Jhr. als Schaugefäß etabliert hat. Diese Tradition wurde mit dem Beutegut ins katholische Abendland überführt und stieß hier auf eine sie begünstigende Tendenz, die eine neue Form der Reliquiare umsetzte und der Anfang der künstlerischen Hochblüte der Reliquiarkunst und Reliquienverehrung wurde.12)

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1 Vgl. J. Braun: Reliquiare des christlichen Kultes und ihre Entwicklung, S. 509-512.
2 Vgl. Braun, S. 602.
3 Vgl. Braun, S. 601. 4 Vgl. Braun, S. 589-591.
5 Vgl. G. Toussaint: Die Sichtbarkeit des Gebeins im Reliquiar, S. 90-91.
6 Vgl. Toussaint S. 90.
7 Vgl. Toussaint S. 92-96.
8 Vgl. Toussaint S. 97-98.
9 Vgl. Jungmann, S. 464.
10 Vgl. S. Juerwitz-Freischmidt: Galantes Versailles, S. 361.
11 Vgl. Toussaint S. 99-102 u. Bildanhang Abb. 1.
12 Vgl. Toussaint S. 102.

Montag, 10. September 2012

Ehrlichen Worten eine Zunge geben

"Bischof Tebartz-van Elst nahm in seiner Predigt die Bedeutung der Taufe und die Berufung, die auf dem Sakrament gründet, in den Blick. "In der Taufe hat Gott uns ganz persönlich angesprochen, damit wir bei dem bleiben, worin er sich uns anvertraut hat. Seine Wahrheit ist nicht einfach eine beliebige Meinung", so Tebartz-van Elst. Die Wahrheit, die von Gott kommt, mache Mut, nicht zu klein von Gott zu denken und nicht falsch über Menschen zu sprechen. "Falsches Reden" sei nicht selten ein Grund für ein "stumm werden". Wo Worte nicht mehr der Verständigung dienten, sondern zur Verleumdung zugespitzt werden, verstumme nicht nur die Sprache, sondern auch die Wahrheit. Dies sei der schmerzlichste Verlust, der jeden lebensnotwendigen Dialog in Ehen und Familien, in Gemeinde und Kirche und Politik und Gesellschaft im Keim ersticken lasse. Stummheit im Leben wie im Glauben, verursache ohnmächtige Einsamkeit. "Zerstörendes Reden, das Menschen manchmal bis zum Rufmord treiben, kann nur überwunden werden, wo Christen bei der Wahrheit bleiben und den ehrlichen Worten ihre Zunge geben", sagte der Bischof. Lauteres Reden verbiete keinem seine Meinung, sondern befreie zu einem wirklichen Dialog. Christen seien kraft ihrer Taufe zur Wahrheit befreit und dazu berufen, Zeugnis zu geben und auch Widerspruch einzulegen, wo Medien Menschen mundtot machen wollten.
Wahrheit mache frei und verbinde, wenn sich Menschen von ihr ergreifen lassen. "Wahrheit kommt in unsere Worte, wo unser Herz, und damit unsere Ohren und Zunge von Jesus berührt werden", so Tebartz-van Elst. Wer sich von Jesus ergreifen lasse, spreche anders und wer kraft der Taufe das Leben im Licht des Glaubens wahrnehme, werde mehr hören, sehen und sprechen können, als Schlagzeilen es hergeben könnten. "Die Offenheit kraft unserer Taufe ist nicht Beliebigkeit in den Meinungen, sondern der Mut zu einem Miteinander, das durch Gebet und Gespräch immer wieder errungen werden will", sagte der Theologe.
Bischof Tebartz-van Elst nutzte die Liturgie auch, um den Mitgliedern der synodalen Gremien im Bistum Limburg, die sich vor dem Festgottesdienst zum Tag der Pfarrgemeinderäte getroffen hatten, für ihr Engagement zu danken. "Ich danke Ihnen von Herzen für die innere Bereitschaft zur Bewegung, sich der Wirklichkeit in unseren Gemeinden zu stellen und an der Wahrheit unseres Glaubens auch in den Widersprüchen mancher Kritik festzuhalten", so Tebartz-van Elst. Er sehe wie viel Zeit und Leidenschaft eingebracht werde, weil daran gelegen ist, den katholischen Glauben vor Ort weiterzusagen und weiterzugeben. Kraft der Sakramente Taufe und Firmung wachse die Sprach- und Auskunftsfähigkeit im Glauben, die eine missionarische Kirche so dringend brauche."
Quelle: hier.
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