Donnerstag, 20. Dezember 2012

Gott widersteht dem Demütigen nicht

Fortsetzung von hier.
Gott widersteht dem Demütigen nicht. Diesem Gebet des Demütigen gibt Er nach, beugt Er sich, ja ich wage zu sagen, durch es wird Er besiegt. Selbstverständlich wird er dabei durch sich selbst besiegt, durch diese Liebe, die danach verlangt, sich zu verschenken. Aber gerade an sie wendet sich die demütige Bitte.
Die Beispiele dieser Macht der Demut sind sehr beeindruckend. Jesus neigt den Kopf auf seinen armen zerschundenen Leib, das Anlitz mit Speichel bedeckt, den ganzen Körper schändlich mißhandelt, so daß er keine menschliche Gestalt mehr hatte. Er wurde nochmals verächtlich gemacht, nachdem er sich bereits durch die Menschwerdung bis zum Äußersten erniedrigt hatte, aber wie der heilige Paulus sagt, wurde er gerade darum wieder über alles und alle erhöht (Phil 2,9). Nach Jesus blicken wir auf die demütige Jungfrau Maria. Sie sagt von Gott, der sie zu seiner Mutter gemacht hat: "Er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut." Es war die Demut, die Er in ihr gesehen, geliebt und erhöhrt hat; denn die Demut ist es, die Er liebt, die Er sucht, die Ihn anzieht und festhält, die Ihn an uns bindet und Ihn drängt, sich unser anzunehmen.
Der Blick Gottes ruht auf dem Beter, der sich ganz klein vor Ihm macht. In diesem Blick teilen sich das Licht und die unendliche Liebe mit. Wie zwart wird dadurch das Gebet! Welche Kraft empfängt der Beter! Deshalb ist die kanaanitische Frau nicht von den Füßen des Heilands gewichen, und der Hauptmann blieb beharrlich bei seiner Bitte um Heilung. Jesus wendet sich ihrem Flehen zu. Es bewegt ihn, die Bitten zu erfüllen, und seine Bewunderung wird geweckt.
Der demütige Beter hält sich an Gott, der in in Besitz nehmen will, hin, iondem er sich ganz leer macht; diese Leere zieht Gott unwiderstehlich an. Gott braucht da keinen Widerstand zu brechen, nichts aus dem Weg räumen, nichts umzuwandeln. Er muß nur eintreten und sich niederlassen, auf eine Sehnsucht antworten und sie erfüllen. Der Demütige ist der Arme, von dem die Heilige Schrift und besonders die Psalmen unaufhörlich sprechen. Der Reichtum Gottes gehört diesen Armen, nicht aufgrund einer abstrakten Gerechtigkeit ohne Liebe, sondern vielmehr, weil Gott selber Liebe ist.
"Gott ist unendlich freigiebig" sagt Wilhelm von Auvergne. "Er liebt es, soviel zu schenken, wie Er ist. Das ist seine Lieblingsbeschäftigung. Wer Ihm seine Nöte anvertraut, die behoben, oder eine Schwäche, die beseitigt, oder eine Krankheit, die geheilt werden soll, der versetzt Ihn in Entzücken."
Quelle: Augustin Guillerand: Im Angesicht Gottes, S. 61f.

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