Samstag, 22. Dezember 2012

Die Siebte Stufe der Demut

Die siebte Stufe der Demut: Der Mönch erklärt nicht nur mit dem Mund, er sei niedriger und geringer als alle, sondern glaubt dies auch aus tiefstem Herzen. Er erniedrigt sich und spricht mit dem Propheten: "Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet. Ich habe mich erhöht und wurde erniedrigt und zunichte." "Gut war es für mich, dass du mich erniedrigt hast; so lerne ich deine Gebote."
Hierzu fällt mir eine Geschichte ein, die Palladius in seiner Historia Lausiaca überliefert: In einem ägyptischen Frauenkloster in Tabennesi lebte eine Nonne, die vorgab, verrückt zu sein und sich besonders dumm stellte. Entsprechend durfte sie nur die niedrigsten Arbeiten verrichten, Drecksarbeit würden wir heute sagen, und ihre Mitschwestern machten sich gerne einen Spass daraus, sie zu verspotten. Dann jedoch kam der Eremit Piterum zu Besuch und erkannte, dass gerade diese Nonne die einzige wirklich Heilige in der ganzen Gemeinschaft war. Gemäß der Art der Wüstenväter warf er sich ihr zu fügen und bat sie, ihn zu segnen. Die Reaktion der Nonne: Sie türmte aus dem Kloster, in dem man ihre Heiligkeit entdeckt hatte und ward seitdem nicht mehr gesehen.

Kann es einen größeren Demütigen geben als den, der wirklich niemand anderem als Gott gefallen will und der sich verstellt, nur damit man ihn nicht ehrt? Sicher ein extremes Verhalten. Aber es zeigt den enorm hohen Anspruch, den der Herr und der Hl. Benedikt hier an uns stellt. Denn Demut ist nichts für halbherzige. Man führt sie gerne im Munde und in manchen Kreisen kann man keine Stunde mit den Leuten sprechen, ohne dass sie nachdrücklich versichern wie sündhaft sie und alle anderen doch sind. Interessanterweise sind oft solche Menschen besonders eifrig dabei, den anderen zu erklären wie man zu glauben und leben hat und wissen immer recht genau, wer in der Gnade ist und wer nicht. Die Frage, wie sie das so genau können, wenn sie doch so sündhaft sind, verkneife ich mir dann. Denn dann mach ich ja das gleiche.

Gerade für einen durchaus gerne mal streitenden Geist ist es besonders schwer, nicht zu urteilen. Denn mit dem Urteil in uns selbst über andere beginnt unser Hochmut. Denn ich kann ja nur dann über jemanden richten, wenn ich ihm darin überlegen bin. Daher lehrt uns auch der Herr "Du sollst nicht richten, damit du nicht gerichtet wirst." Ich sag (zu selten): M., als ob du so vollkommen wärst. Was ja noch die Lauform vom Hl. Benedikt ist: Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch.

Aber was hat denn das jetzt mit der Geschichte von oben zu tun. Es zeigt den radikalen Anspruch, den Demut an uns stellt. Eine Demut, die nicht nur gegenüber Gott geübt werden muss. Sondern gegenüber all unseren Mitmenschen. Denn jedesmal, wenn wir uns gegen einen anderen überheben maßen wir uns ein Stück der göttlichen Majestät an und bauen einen babylonischen Turm ein Stückchen weiter in den Himmel. So beginnt Demut im Kleinsten und Unsichtbarsten, in uns selbst. Wenn wir hier Demut üben und immer und immer wieder sagen "Ich habe mich erhöht und wurde erniedrigt und zunichte" beginnt in uns die Demut immer mehr zu wachsen.

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