Donnerstag, 6. Dezember 2012

Abt Serapion vom Beginn des Kampfes wider die Sünde

Aller Anfang ist schwer, sagt der Volksmund. Was beim Kochen, Skifahren oder beim Schreiben von Hausarbeiten gilt, das gilt auch hier. Es ist nicht einfach damit zu beginnen, den Kampf gegen die Sünden aufzunehmen. Es ist sogar noch wesentlich schwerer als bei den oben genannten Dingen, denn unsere sündhafte Menschennatur drängt uns zur Sünde. Die erste Frage, die sich der Christ dabei stellt, ist, wo er denn anfangen soll. Denn nach reiflicher Überlegung und einer ehrlichen Schau in sein Inneres muss er feststellen, dass die Baustellen zahlreich sind. So zahlreich, dass man es doch am besten lassen sollte? Nein! Der Abt Serapion schont uns nicht, doch mit klarem Blick zeigt er uns, wie wir den großen Haufen angehen können:
Deßhalb müssen wir gegen sie den Kampf so aufnehmen, daß Jeder nach Erforschung des Lasters, das ihn am meisten angreift, gegen dieses den Hauptstreit richte, indem er alle Sorge und Sorgfalt des Geistes auf die Beobachtung und Bekämpfung desselben heftet, auf dieses mit den täglichen Pfeilen der Fasten zielt, gegen dieses jeden Augenblick das Stöhnen des Herzens und zahlreiche Geschoße der Seufzer schleudert, die Mühen des Wachens und die inneren Betrachtungen darauf verwendet, unaufhörlich sein Gebet in Thränen vor Gott ausgießt und die Überwindung der Versuchung von ihm besonders und beständig erbittet.
Denn es ist unmöglich, über irgend eine Leidenschaft einen Triumph davon zu tragen, ehe man eingesehen hat, daß man durch eigenes Ringen und Mühen den Sieg im Kampfe nicht erlangen könne, obwohl es zur Erlangung der Reinigung nothwendig ist, Tag und Nacht in aller Sorge und allem Eifer zu verharren. Wenn sich nun Einer von dieser Leidenschaft befreit fühlt, so durchforsche er aufs Neue die Schlupfwinkel seines Herzens in gleicher Absicht und suche, welche von den Übrigen Leidenschaften sich ihm als die unheilvollere zu erkennen gebe, und erhebe gegen sie besonders alle Waffen des Geistes. So wird er immer, wenn die stärkeren überwunden sind, einen schnellen und leichten Sieg über die andern gewinnen, weil sowohl der Geist durch die fortschreitenden Triumphe stärker wird als auch der nachfolgende Streit mit den schwächern ihm ohnehin den Erfolg im Kampfe leichter macht. Diese, sage ich, nehmen gegen jene Thiere, welche sie als kampffähiger durch ihre Kraft oder als gefährlicher durch die Wuth ihrer Wildheit erkennen, zuerst den Zusammenstoß und Kampf auf, und wenn diese getödtet sind, werfen sie die weniger furchtbaren und wüthenden in leichterer Vernichtung nieder. So werden wir auch uns, wenn die mächtigern Laster überwunden sind und die schwächeren nachfolgen, ohne jede Gefahr einen vollkommenen Sieg verschaffen.
Denn daß wir diese Kampfesordnung einhalten müssen, ohne jedoch auf unsere eigene Kraft zu vertrauen, das lehrt auch der Gesetzgeber mit diesen Worten (Deut 7,21ff): „Fürchte sie nicht, weil der Herr dein Gott in deiner Mitte ist; der große und furchtbare Gott selbst wird diese Nationen vor deinen Augen vertilgen allgemach und Theil um Theil. Du wirst sie nicht zugleich vernichten können, damit nicht etwa zu viel werde wider dich das Gethier der Erde. Aber es wird sie dir preisgeben der Herr dein Gott vor deinem Angesichte und wird sie tödten, bis sie ganz vernichtet sind.“
Quelle: hier.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...