Dienstag, 4. Dezember 2012

Abt Serapion über die Ruhmsucht

Die Wüstenväter waren die großen Meister des geistlichen Lebens. Keine Schwäche der Menschen war diesen Männern unvertraut. Daher wussten sie auch, dass manche Sünden nicht nur Nachteile hatten, sondern sich partiell auczh als Vorteil herausstellen konnten. So weiss der Abt Serapion, wo die Ruhmsucht auch nützlich für den geistlichen Kampf sein konnte:
In einem Falle kann jedoch die Ruhmsucht mit Nutzen von den Anfängern angenommen werden, aber nur von denen, die noch von fleischlichen Lastern gereizt werden. Möge also ein Solcher zur Zeit der Bedrängniß durch den Unzuchtsgeist sich entweder die Würde des priesterlichen Amtes vorstellen oder dieß öffentliche Meinung, in der er für heilig und unbefleckt gilt, und möge so die Stachel der unreinen Begierde als schändlich und sowohl seines Rufes als dieses Standes unwürdig wenigstens durch diese Betrachtung vermeiden, indem er ein größeres Übel durch ein kleineres zurückdrängt. Denn es ist für Jeden besser, durch den Fehler der Ruhmsucht verwundet zu werden, als in die Gluth der Unzucht zu fallen, aus der es nach dem Falle keine oder doch kaum eine Herstellung gibt. Diesen Gedanken hat an Gottes Statt einer der Propheten trefflich ausgedrückt, indem er sagt: „Um meinetwillen werde ich entfernen meinen Zorn, und durch mein Lob werde ich dich zügeln, daß du nicht untergehest,“ d. h. damit du durch das deiner Ehrsucht gebotene Lob ergriffen werdest und ja nicht in die Tiefe der Hölle stürzest und unwiderruflich in vollendeten Todsünden untergehest. Es ist auch nicht zu wundern, wenn dieser Leidenschaft eine solche Kraft innewohnt, daß sie Jeden, der in den Schmutz der Unzucht fallen will, im Zaume zu halten vermag, da durch die Erfahrungen Vieler gar oft erprobt worden ist, wie sie den, welchen sie einmal durch den Pesthauch ihres Giftes verdorben hat, unermüdlich macht, so daß sie ihn nicht einmal ein zwei- oder dreitägiges Fasten fühlen läßt.
Doch der Abbas warnt uns auch:
denn obwohl es erträglicher ist, dem Laster der Ehrsucht als dem der Unzucht zu dienen, so kommt man doch härter aus der Herrschaft der Ehrsucht heraus; denn der gleichsam in weitere Ferne geführte Gefangene wird nur mit größerer Mühe in sein Vaterland und die heimathliche Freiheit zurückkehren, und mit Recht wird an ihn jener Tadel des Propheten gerichtet: „Warum bist du alt geworden im fremden Land?“ Mit Recht nemlich heißt Der „alt geworden im fremden Land“, welcher sich nicht erneuert durch die Lossagung von irdischen Lastern.
Quelle: hier

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