Samstag, 1. Dezember 2012

Abt Serapion über die acht Hauptlaster

Der Advent ist ja nicht nur die Zeit hektischer Weihnachtseinkäufe, Benzinhaltiger Adventskalender und ach-so-besinnlicher Weihnachtsmärkte, sondern auch eine Zeit der Einübung auf das Weihnachtsfest. Einübung, das heisst Askese, das heisst, sich für das Fest der Menschwerdung des Herrn zu bereiten. Für diese Bereitung möchte ich hier - aufgrund mangelnder eigener Kompetenz - die großen Meister der Askese zu Wort kommen lassen, die Wüstenväter. Diese sind uns besonders von Johannes Cassian ünberliefert, aus dessen Hauptwerk, den Collationes, in nächster Zeit öfters zitiert werden soll.
Fangen wir damit an, dass wir erstmal die Hauptsünden beim Namen nennen:
Acht Hauptlaster gibt es, welche das menschliche Geschlecht beunruhigen, nemlich das erste die Gastrimargie, welches bedeutet die Völlerei des Bauches; das zweite die Unzucht; das dritte die Philargyrie, d. i. der Geiz oder die Geldliebe; das vierte der Zorn; das fünfte die Traurigkeit; das sechste die Acedia, d. i. die Engherzigkeit oder der Überdruß des Herzens; das siebente die Cenodoxie, d. i. die Prahlerei, das eitle Rühmen; das achte der Hochmuth.
Und weil der Blog hier ja immer noch Demut Jetzt heisst, wollen wir uns mit den beiden Sünden beschäftigen, die ihr entgegenstehen: Der Ruhmsucht und dem Hochmuth:
Damit wir nun in der vorgenommenen Ordnung auch über die Bethätigung der übrigen Leidenschaften sprechen, — deren Aufzählung zu unterbrechen uns die Darstellung der Gastrimargie und der Versuchung des Herrn genöthigt hat, — so pflegen die Ruhmsucht und der Hochmuth auch ohne jede Beihilfe des Körpers verwirklicht zu werden. Denn worin bedürfen die einer fleischlichen That, welche je nach ihrer Beherrschung oder freien Begierde allein durch das Verlangen nach dem zu erwerbenden Lobe oder dem zu erreichenden Menschenruhm genug Schaden für die gefangene Seele erzeugen? Oder welche körperliche Bethätigung fand statt bei dem alten Hochmuthe jenes vorgenannten Lucifer, und wie hätte er ihn nicht allein im Innern und im Gedanken gefaßt, da doch der Prophet so spricht: „Der du gesprochen in deinem Herzen: Zum Himmel will ich aufsteigen, über Gottes Sterne erhöhen meinen Thron; … will aufsteigen über die Höhe der Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten.“ Wie dieser Niemanden zum Anstifter seines Hochmuthes hatte, so hat ihm auch der Gedanke allein die Vollendung des Verbrechens und des ewigen Sturzes zu Stande gebracht, obwohl keine Werke seiner angemaßten Herrschsucht nachfolgten.
Wie stehen nun diese beiden Sünden im Verhältnis zu den übrigen Sünden und zueinander?
Die zwei übrigen, nemlich die Prahlsucht und der Hochmuth, sind zwar gleichfalls unter sich auf eine solche Weise verbunden, wie wir von den obigen Lastern sagten, so daß die Zunahme des einen zum Anfang des andern wird, — so erzeugt die überwuchernde Ruhmsucht den Zündstoff des Hochmuths; — aber sie weichen doch von jenen sechs vorigen Sünden ganz ab und sind durch keine ähnliche Gemeinschaft mit ihnen verbunden. Sie erhalten nemlich nicht nur von jenen keine Veranlassung zu ihrer Entstehung, sondern werden auch in gerade entgegengesetzter Weise und Ordnung erregt; denn wenn jene ausgerissen sind, setzen diese reichere Früchte an, und durch den Tod jener keimen und wachsen diese lebendiger. Deßhalb werden wir auch in anderer Weise von diesen beiden Lastern angefochten; denn in jedes jener sechs Laster fallen wir dann, wenn wir von dem ihm vorhergehenden überwunden sind; aber in die Gefahr dieser beiden gerathen wir als Sieger und am meisten nach Triumphen. Wie nun alle Sünden durch das Wachsthum der frühern erzeugt werden, so werden sie auch durch deren Verminderung entfernt. Aus diesem Grunde muß die Ruhmsucht erstickt werden, damit der Hochmuth ausgemerzt werden könne. So werden immer, wenn die vorhergehenden überwunden sind, die nachfolgenden ruhen und nach Erlöschung der ersten Leidenschaften die übrigen ohne Mühe schwinden.
Quelle: hier, da, dort.

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