Donnerstag, 8. November 2012

Was ist Caritas?

Heute las ich hier, dass es in der evangelischen Kirche Stimmen gibt, die für die dauerhafte Anstellung von Nicht-Christen plädieren.
Grund hierfür ist nach Ansicht der Befürworter die Veränderung der Gesellschaft:
"Wenn wir als Kirche in der Gesellschaft wirken wollen, müssen wir uns neuen Gegebenheiten stellen.“ Die Anstellung Andersgläubiger biete sich bei der Schuldnerberatung an, auch bei der Krankenpflege: „Es haben nicht nur Christen Schulden, es werden nicht nur Christen krank."
Und die Caritas Oberhausen bläst ins gleiche Horn:
"Die Kirchliche Grundordnung schließt Anstellungen von Nicht-Christen nicht aus. Im Sinne einer interreligiösen Öffnung der Caritas intensivieren nun die Diskussion darum. Wir brauchen Handlungssicherheit.“ Fachkräftemangel spiele dabei keine Rolle. Die Möglichkeit zur Einstellung von Nicht-Christen begrüßt er: „Zumal auch in Oberhausen viele Menschen mit Migrationshintergrund leben."
Nun ist gar ja nichts dagegen zusagen, wenn Organisationen, die im sozialen Bereich tätig sind, auch personell breit gefächert aufgestellt sind, damit sich die Mitarbeiter optimal in die verschiedenen Lebenssituationen hineinversetzen und so gut wie möglich helfen können. Von daher für die Überlegungen der Beteiligten ein dickes Lob.

Allerdings darf man Caritas und Diakonie nicht mehr reinen Sozialhilfeeinrichtung verwechseln. Beide üben, zumindest ihrem Anspruch nach, einen Dienst im kirchlichen-christlichen Rahmen aus und erfüllen damit den Auftrag des Herrn, seinen Nächsten zu lieben und dies ganz praktisch in Hilfe für jeden auszudrücken. Es ist also nicht nur eine sozial-praktische, sondern auch eine religiös-spirituelle Aufgabe, die hier ausgefüllt wird. Zudem haben die kirchlichen Sozialdienste durch gelebte Nächstenliebe und damit das gute Vorbild potentiell Anteil am kirchlichen Verkündigungs- und (Achtung, böses Wort) Missionsdienst.

Von daher wird es problematisch, wenn Nicht-Christen sich dauerhaft in diesen Einrichtungen engagieren. Soweit es sich um Ausnahmesituationen handelt, die durch die lokale Situation bedingt sind, ist dagegen natürlich nichts zu sagen. Die Caritas soll ihren Dienst ja nicht einstellen, weil sie nicht genügend Christen für den Job findet. Sowas fordern nur weltfremde Dogamtiker, und hiervon möchte ich mich klar distanzieren. Das Ideal bleibt aber, dass Christen im Rahmen ihres religiösen Pflichten diese Aufgaben wahrnehmen. War doch Caritas früher kein Job, sondern eine Aufgabe und ein Ehrenamt, dass aus einer zutiefst christlichem Impuls erwuchs.

In diesem Zusammenhang finde ich die Aussage des Caritas-Präsidenten R. Messing von der interreligiösen Öffnung der Caritas doch ziemlich schräg. Vom Argument, dass es in Oberhausen Bürger mit Migrationshintergrund gibt, ganz zu schweigen. Bösartig könnte ich fragen, ob es denen nicht zuzumuten ist, sich von Christen helfen zu lassen. Besser wäre es natürlich zu fragen, ob eine Person, die sich von der Caritas helfen lässt, nicht das Christentum als Teil der Einrichtung nicht nur annehmen, sondern auch als Anreiz verstehen sollte, sich mit den anderen auseinanderzusetzen? Bedeutet also die oben beschriebene Planung nicht eine Verarmung der christlich-kirchlichen Sozialeinrichtungen in ihrem Gesamtauftrag?
Nun will ich ja niemandem etwas unterstellen. Aber nach der Lektüre ist mein Eindruck, dass es hier nicht darum geht, den Auftrag Jesu zu erfüllen und auch nicht, die christliche Nächstenliebe zu propagieren. Sondern vor allem darum, die eigenen Machtbereiche in der Sozialfürsorge zu sichern, indem man die Angebotspalette möglichst optimal auf vermutete Wünsche der Kunden zuschneidet. Nur so ein Eindruck.

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