Donnerstag, 22. November 2012

Pius XII. und der Schmutzkübel

Als er Papst wurde, wechselte Eugenio Pacelli vom schwarz-rote Gewand zu einem weißen. Nachdem er aber tot war, ließ man ihm das weiße nicht. Vielmehr gab man sich Mühe, ihn solange mit Schmutz zu übergießen, bis es wieder schwarz-rot war. Schwarz wie die Seele von Hitlers Papst und rot wie das Blut der Juden, das an seinen Händen klebte.

So oder so ähnlich könnte man patethisch den Vorgang beschreiben, der sich in den 60er Jahren mit dem Bild Pius XII. vollzog. Die Hauptakteure in diesem Drama waren ein Dramatiker und der KGB. Rolf Hochhuth, der sich noch heute etwas auf seinen einzigen Erfolg einbildet und seine heimlichen Helfer, die Agenten der Sowjetunion. Denn es war wohl die kommunistische Führung in Moskau, die den Papst endlich los werden wollte. Mochte auch Stalin noch so spotten, der Papst habe keine Divisionen, so war doch die katholische Kirche mit den USA der einzige Global Player, der sich dem Kommunismus und damit der Herrschaft des roten Zaren entgegenstemmte. Gerade Pius XII., dessen Antikommunismus sehr ausgeprägt war, stellte für Stalin das personalisierte Böse dar. Doch gelang es zu Lebzeiten Pius XII. nicht, ihn im Westen unmöglich zu machen. Zu präsent war der Erlebengeneration noch das Handeln und Reden des Papstes. Doch in den 60er Jahren, als das katholische Milieu ohnehin erodierte, als Kirche out und Mao in war und eine junge Generation Liebe mit Flower Power und nicht mit Opfer und Anbetung verband, waren die Chancen besser. Und wurden prompt genutzt. Mit dem Stellvertreter Hochhuths wurde eines der wirkmächtigsten Stücke der Populärkultur geschrieben, das den Nerv der Zeit traf und dem durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten sekundiert wurde. Was immer schon alle gewusste haben - alle sind diejenigen, die es selber nicht erlebt haben - nämlich das die katholische Kirche die Handlangerin der Nazis war - wurde nun eindrucksvoll bestätigt. Auch jenseits der deutschen Grenzen, besonders in Israel, sickerte das Märchen vom bösen Papst in die Köpfe der Menschen und wurde in Yad Vashem auf eine Tafel gebannt - die jetzt stückleweise revidiert wird.

Über die Rolle des kommunistischen Geheimdienstes postet Martina Katholik hier.
Sie wiederum bezieht sich auf ein Buch dort
und einen Artikel hier.

Erklärung: Als Historiker bin ich mir der Einseitigkeit des obrigen Textes bewusst und stelle keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit.

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