Freitag, 30. November 2012

Die Fünfte Stufe der Demut

Die fünfte Stufe der Demut: Der Mönch bekennt demütig seinem Abt alle bösen Gedanken, die sich in sein Herz schleichen, und das Böse, das er im Geheimen begangen hat, und er verbirgt nichts. Dazu ermahnt uns die Schrift mit den Worten: "Eröffne dem Herrn deinen Weg und vertrau auf ihn!" Sie sagt auch: "Legt vor dem Herrn ein Bekenntnis ab; denn er ist gut, "denn seine Huld währt ewig." Ebenso sagt der Prophet: "Mein Vergehen tat ich dir kund, und meine Ungerechtigkeit habe ich dir nicht verborgen. Ich sagte: Vor dem Herrn will ich gegen mich meine Schuld bekennen, und du hast mir die Bosheit meines Herzens vergeben."
Diese Stufe hat zwei Aspekte:
Der Abt als Stellvertreter Gottes und die Notwendigkeit, seine Schuld offen zu bekennen.

Da die meisten meiner Leser nicht im Kloster sind und damit keinem Abt unterstehen und auch weil ich selber keine Ahnung habe, wie es ist, einem Abt zu unterstehen, will ich den ersten Punkt ausklammern. Zumal der zweite Aspekt sehr viel besser zur anbrechenden Adventszeit passt.

Bei der ersten Lektüre kann einem der spontane Gedanke kommen: Warum soll ich einem Gott, der alles weiss, erzählen, was ich gemacht habe? Das kennt er doch eh schon alles. Das erinnert mich an Szenen aus meiner Kindheit, in denen ich meinen Eltern Dinge gebeichtet habe, die sie schon wussten, von denen sie aber wollten, das ich es ihnen erzähle. Gerade meine Mutter war eine Meisterin darin, meine kleinen und größen Sünden aufzuspüren und mir dann freundlich mitzuteilen, ich solle es ihr erzählen, wenn ich was zu verbergen hätte.

Man könnte in diesem Zusammenhang von einem pädagogischen Aspekt sprechen. Nur wenn ich meine Schuld ausspreche, sie bekenne wird sie im eigentlichen Sinne Wirklichkeit. Wenn ich sie vorher in meinen Gedanken wälze, dann bleibt sie imaginär, zwar vorhanden, aber ich kann sie mit einer gewissen Distanz betrachten. Denn was ich verberge, das verberge ich nicht nur vor anderen, sondern auch vor mir. Aus den Augen, aus dem Sinn lautet das dazu passende Sprichwort. Dennoch belastet es einen weiter. Denn es bleibt unterschwellig vorhanden. Ich erinnere mich, wie ich in meiner Jugendzeit um die magischen Stellen regelrecht herumgeschlichen bin, in denen ich das eine oder das anderen versteckt habe. Ich wusste sie waren da und waren eine stetige Gefahr, entdeckt zu werden. Aber entsorgen wollte ich es auch nicht, da ich, wenn man so will, fürchtete, durch den Versuch der Vernichtung käme die Sache zur Auflösung. Es war dies vielleicht der Rest eines Kinderglaubens, das alles irgendwie zusammenhängt und man das Schicksal nicht betrügen kann und wenn man es versucht, kommt es nur noch dicker. Noch Jahre nach den eigentlichen Ereignissen fand ich in manchen Büchern negative Hausaufgabenzettel, die ich längst vergessen hatte aber die weiterhin da waren. Um also die Schuld auflösen zu können, muss sie erstmal in meine Wirklichkeit ganz eintreten. Dafür muss ich die Konsequenz der Schuld tragen, deren erste es ist, sie zu bekennen.

Auf ein Vergehen, folgt Strafe. So zumindest läuft es zumeist in der Welt und unserem Gerechtigkeitsempfinden nach sollte es auch so sein. Wer Mist gebaut hat, soll dafür grade stehen und nicht, wie mancher Banker, mit Millionenzahlungen in den Vorruhestand verabschiedet werden. Etwas anderes ist es natürlich bei uns selbst. Wenn wir einen Fehler machen, dann hoffen wir, wie oben gezeigt, das er möglichst unter dem Teppich und ungesündt bleibt. Das ist aber eine Illusion, denn spätestens im Gericht Gottes bekommen wir alles gezeigt. Gott kannst du nicht betrügen, meinte mein alter Fahrlehrer dazu. Der merkt alles.

Aber Gott ist ja nicht nur der strafende Richter (Drohbotschaft), sondern auch der gütige Vater (Frohbotschaft). Deswegen passiert nach der Offenlegung unserer Sünden nun das Tolle und ganz Große. Uns wird Vergebung zugesagt: "du hast mir die Bosheit meines Herzens vergeben" heisst es in der Schrift. Und erst durch diesen Vergebungsakt, der uns auch seinsmäßig von unserer Schuld befreit, wird uns ein Neuanfang ermöglicht. Gott könnte ja sagen: "Macht nix, weiter so". Aber damit nähme er uns zum einen nicht ernst und wäre auch nicht der allliebende Gott. Denn mit der Einstellung gingen wir ja grandios an unserem Lebensziel vorbei: Der Heiligung. Denn Heiligung bedeutet Christus ähnlicher zu werden. Und wie wird man Christus ähnlicher: Geh und sündige nicht mehr, spricht der Herr zur Ehebrecherin und so sollen auch wir handeln.

Demut heisst hier also demütig sein aufgrund der erwiesenen und bekannten Schwäche. Weil ich gefehlt habe, habe ich allen Grund demütig zu sein. Und indem ich dies offen bekenne, mir meine Schuld bewusst mache, fördere ich die Demut. Hierdurch wird mir meine Abhängigkeit von Gott bewusst, denn ich brauche ihn, damitt er mir vergibt. Zugleich blicke ich hierdurch auf Christus, der der Maßstab meines Handelns ist, was meine Demut weiter fördert. Aber damit nicht genug, wird mir von Gott Vergebung zugesagt und meine Sünde wirklich getilgt, sodass ich in die Lage versetzt, mit der Hilfe Gottes auf Christus hin zu streben.

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