Dienstag, 16. Oktober 2012

Pius XII. an die katholische Blogoezese

Die ganze Kirche begeht seit kurzem das Jahr des Glaubens aus Anlass der Eröffnung des II. Vatikanums. Gerade als katholische Blogger überlegen wir uns (so nehme ich mal an), wie wir an der Neuevangelisation mitwirken können. Um ein wenig nach Antworten zu suchen befragen wir daher einen der bedeutendsten Väter des Konzils, der wie nur wenige, wenngleich bereits verstorben, auf es Einfluss nahm, seine Heiligkeit Papst Pius XII.

Heiliger Vater, die Lage, in der sich der deutsche Katholizismus befindet, kann als dramatisch bezeichnet werden. Ist es in dieser Situation denn überhaupt lohnend, sich bloggend für die Kirche einzusetzen?

In einer solchen Lage wären Verzagtheit und Mutlosigkeit für den katholischen Blogger die schlimmsten Übel. Schaut auf die Kirche: seit fast zwei Jahrtausenden hat sie sich durch die Schwierigkeiten oder Gegenreden, das Unverständnis, die offenen und versteckten Verfolgungen niemals entmutigen, niemals niederdrücken lassen. Nehmen sie sich an ihr ein Beispiel.

Wir sollte die katholische Blogoezese beschaffen sein?

In der ganzen Art ihres Seins und Wirkens muß sie dem zunehmenden Verfall und dem Schwinden der Grundbedingungen für eine gesunde öffentliche Meinung ein unüberwindliches Hindernis entgegensetzen und das, was von ihr noch übrig geblieben ist, sichern und stärken.

Und welche Anforderungen sollte ein Blogger erfüllen?

Diese heikle Aufgabe setzt bei den katholischen Bloggern Sachwissen, eine gute allgemeine, vor allem philosophische und theologische Bildung, stilistische Begabung und psychologischen Takt voraus. Was ihnen an erster Stelle nicht abgehen darf, ist der Charakter. Der Charakter besagt ganz einfach die tiefe Liebe und unwandelbare Achtung gegenüber der göttlichen Ordnung, die alle Bereiche des Lebens umschließt und beseelt, eine Liebe und Achtung, die der katholische Blogger nicht nur im innersten seines eigenen Herzens fühlen und nähren, sondern darüber hinaus auch in den Herzen der Leser pflegen soll.

Wenn der katholische Blogger einen solchen Charakter besitzt, dann wird er sich ebenso vor stummer knechtischer Gesinnung hüten wie vor hemmungsloser Kritik. Er wird mit sicherer Klarheit zur Bildung einer katholischen Meinung innerhalb der Kirche beitragen, gerade wenn diese Meinung wie heute hin- und herschwankt zwischen den beiden gleich gefährlichen Polen eines trügerischen und unwirklichen Spiritualismus und eines defaitistischen und mit dem Materialismus liebäugelnden Realismus.

Könnt Ihr das noch etwas näher ausführen?

Wir geben zu, daß der Erfolg in diesem Apostolat drei Forderungen an die Blogger stellt:

Erstens müssen sie ihre Beschlagenheit beweisen, die durch ernsthaftes Studium und eine sichere Kenntnis der Hauptgrundsätze der christlichen Philosophie und Theologie erworben und durch den klaren und geübten Ausdruck gesunder Urteile über die wichtigsten Tagesprobleme sichtbar gemacht wird.

Zweitens müssen sie in dem, was sie schreiben, die Einheit der Kirche in ihrem Glauben und in ihrer Sittenlehre aufstrahlen lassen. Christus der Herr hat seinen Aposteln und durch sie ihren Nachfolgern die Wahrheit anvertraut, die den Menschen mitzuteilen er auf die Erde kam. Deshalb gehört das Lehramt in seiner Kirche, wie alle wissen, dem Bischof von Rom, seinem Stellvertreter auf Erden, für die Gesamtheit der Gläubigen und den einzelnen Bischöfen für die von diesem Stellvertreter ihrer Hirtensorge anvertrauten Schar der Kirchenmitglieder. Den Bischöfen werden die Blogger wie alle Gläubigen treuen Gehorsam leisten.

Dieses hochersehnte, von der Gerechtigkeit und Liebe gesicherte und besiegelte Band der Einigkeit wird unzerreißbar sein, wenn - und dies ist die dritte Aufforderung an die Blogger - wenn alle sich des einen erhabenen Zieles, das ein jeder von ihnen zu erreichen strebt, stets bewußt sind. Es ist die Ausbreitung des Reiches Christi, des Reiches der Wahrheit und der Erlösung unter den Menschen. Dieses Ziel ist in der göttlichen Schöpfungsordnung enthalten.
Sie, die Sie nach ihm streben, haben eine Wesensart, die Sie aus der Reihe der gewöhnlichen Schreiber herausstellt. Die konkreten Probleme nicht einer idealen, sondern dieser Welt, in der sie hier und jetzt Leben und sich abmühen, rufen nach Lösungen. Und sie müssen mit ihnen ringen.

Aber wie können wir diese Lösungen finden?

Keine Lösung, die nicht in den von der unendlichen Wahrheit und Güte klar gezogenen Grenzen liegt, wird - Sie wissen es - hundertpozentig oder unangreifbar sein. Man muss also den inneren Blick von den dunklen, verwirrenden Verwicklungen einer vergänglichen Welt emporheben, um beständig das helle, strahlende Licht der Ewigkeit vor Augen zu behalten. Die katholische Blogoezese ist Gott geopfert und geweiht mit der Bitte, er möge sich herablassen, sie als ein brauchbares und wirksames Werkzeug zu benützen, um allen Menschen den Weg zum ewigen Leben zu bahnen und zu erleichtern, von dem die göttliche Weisheit erklärt hat, daß es darin besteht, ihn, den einen, wahren Gott zu erkennen und den er gesandt hat, Jesus Christus.

Ein Wort zum Jahr des Glaubens?

Dieses Jahr wird, wie Wir innig hoffen und beten, eine große Rückkehr der Welt zu Gott durch Christus bedeuten, und diese Rückkehr muß, wenn sie wirklich erreicht werden soll, auf dem Wege der Wahrheit erfolgen.

Aber kenn denn die katholische Blogoezese dabei etwas tun?

Ja, gewiß! Denn die Wahrheit braucht eine Stimme, und eine dieser Stimmen, die das Publikum erreicht, ist heute die Stimme der Blogger.

Danke, Heiliger Vater.

Die Texte sind mit geringen Veränderungen entnommen aus: Soziale Summe Pius XII., Band I-III.

Kommentare :

  1. Das ist sehr schön!
    Ich hätte nur die Frage, wie "gering" sind die vorgenommenen Veränderungen, was z.B. stand da, wo jetzt Blogger usw. steht?

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  2. Es sind Vorträge, die vor Journalisten gehalten wurden. Im Wesentlichen habe ich daher Journalisten durch Blogger ersetzt. Sonst habe ich bis auf eine Stelle, wo der Bedeutungszusammenhang aufgrund der doch nicht so großen Bedeutung der Blogger nicht gepasst hätte, alles zitiert.

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