Samstag, 20. Oktober 2012

Katechismus? Nein, Danke - Versuch einer kritischen Würdigung II

Fortsetzung von hier
Der Post bezieht sich auf eine Serie von Ameleo hier, da und dort.

Im Folgenden möchte ich kurz auf jene Argumente eingehen, die Ameleo gegen die Verwendung des Katechismus als Lehrbuch für die Gläubigen eingewendet hat:

I. Der Katechismus ist für die Praxis unbrauchbar, andere Materialien eignen sich besser.

Unbestreitbar ist der Katechismus nicht dazu geeignet, einem im Glauben vollkommen unerfahrenem Menschen in die Hand gedrückt zu werden nach dem Motto: Lies und Glaube! Aufgrund der ziemlichen Verdunstung von Glaubenswissen in der heutigen Zeit in Europa kann man das sicher kritisieren. Nur besteht zum einen die Katholische Kirche nicht nur aus Europäern, zum anderen ist das auch nie die Intention des Katechismus gewesen. Genausowenig wie übrigens die Bibel einfach mal so gelesen werden sollte. Beide Quellen sind eindeutig dazu gedacht, innerhalb des Lebensraumes Kirche gelesen zu werden. Das mag dadurch illustriert werden, dass Katechismen in der Geschichte primär dazu eingesetzt wurden, das Glaubenswissen zu vertiefen, nicht es komplett neu aufzubauen. Und wer sich den Katechismus durchliest, wird auch genau darin seinen Sinn erkennen. Indem er Einzelfragen behandelt, dient er als Stütze für diejenigen, die zwar bereits ein Glaubensgrundwissen haben, das aber noch weiter ausgestalten wollen.
Wer den Katechismus so einsetzt kann durchaus Erfolg für sich und mit anderen haben. Daneben gibt es natürlich noch andere Materialien, die für den Unterricht der Gläubigen geeignet sind und die sehr viel spezifischer auf die Situationen eingehen, in denen diese sich befinden. Es ist aber dem Hl. Vater kaum zuzumuten, alle diese Materialien aufzuzählen. Indem er auf den Katechismus verweist, zeigt er den bereits im Glauben Lebenden ein Hilfsmittel zum Wachsen und für diejenigen, die zum Unterricht berufen sind ein Instrument zur Bewertung der spezifischeren Materialien.

II. Der Katechismus geht nicht ausreichend auf die Lebenswirklichkeit der Leser ein.

Es gibt insgesamt 1,16 Milliarden Lebenswirklichkeiten der Katholiken, nämlich genauso viele wie es Katholiken gibt. Auf sie alle einzugehen wäre dann doch etwas zu viel verlangt. Zwar kann man die Zahl der Lebenswirklichkeiten dadurch eindampfen, indem man bestimmte Typen zugrundelegt, aber damit wird man dann auch nicht jedem Mitglied dieses Betrachtungsraumes gerecht. Es ist also effektiv unmöglich, für jeden Katholiken ein genau auf ihn passendes Verkündigungsinstrument zu generieren. Daher hat es die Kirche für gut befunden, sich auf die Inhalte zu konzentrieren, die, da sie objektiv sind, für jeden Katholiken die gleichen sind und es den Lesern bzw. den Vermittlern zu überlassen, wie sie damit en detaille umgehen. Ich halte dies nicht etwa für eine Schwäche des Katechismus, sondern für seine Stärke. Denn hier geht man nicht davon aus, dass die Katholiken alle Kinder sind, die an die Hand genommen werden müssen, sondern man nimmt sie für voll in der Lage und Willens zu sein, sich mit den Inhalten der Lehre der Kirche auseinanderzusetzen und diese dann selbstständig anzuwenden. Wer dies, und davon geht der Katechismus natürlich aus, zusammen mit einem aktiven kirchlichen Leben und besonders der Teilnahme der Liturgie, die ja auch Lehrerin der Gläubigen ist, tut, wird sicherlich nicht alle Fragen mundfertig serviert bekommen. Er wird aber sicherlich gesunde und belastbare Leitlinien in Leben und Glauben entwickeln können. Wie lange das dann dauert und wie schwierig das dann ist, darüber steht mir ein Urteil nicht zu. Aber Christentum hat ja auch nicht den Anspruch, leicht und bekömmlich zu sein.

III. Der Katechismus geht nicht auf theologische Entwicklungen ein.

Ein ehemaliger Kommilitone erzählte mir neulich, er habe im Religionsunterricht das Sähmanngleichnis durchgenommen. Dabei hat er zuerst das Gleichnis lesen, die Schüler dann das Gleichnis interpretieren und sie dann Jesu Auslegung nachschauen lassen. Dafür bekam er von seinem Ausbilder einen Einlauf, weil es gar nicht sicher sei, dass die Auslegung wirklich ein authentisches Jesuswort sei. Damit soll (völlig überspitzt) das Problem mit der so genannten theologischen Entwicklung dargestellt werden. Die ist nämlich vollkommen unbrauchbar für die Praxis. Denn wenn du 50 Theologen fragst, was denn ein authentisches Jesuswort sei, dann kriegst du 10 Antworten. Das es nur zehn sind liegt daran, dass Theologiestudenten die mit weitem Abstand unselbstständigsten Denker innerhalb der Universiätslandschaft sind, sich aber witzigerweise für superkritisch und aufgeklärt halten. Kurz: Komplexe theologische Fragen kannst du den Normalbürger gar nicht vorlegen, weil der sich gar keine ausführlich begründete Meinung bilden kann, schon aus Zeitgründen. Also beruht seine Meinung entweder wie bisher auf Halbwissen oder er hat gar keine Meinung mehr. Beides kann nicht als Verbesserung angesehen werden. Der Katechismus dient also nicht nur dazu, hauptamtlichen Theologen als Quelle zu dienen, sondern auch ganz normalen Katholiken, die von ihrer Kirche zu recht erwarten, ihnen Antworten zu geben, nach denen sie sich in etwa richten können. Wer sich darüber hinaus noch en detaille mit Fragen auseinandersetzen will, der wird daran nicht gehindert.

IV. Der Kontakt mit anderen Menschen ist wichtiger als der Katechismus.

Ohne Zweifel muss der Glaube nicht nur im Katechismus nachgelesen, sondern auch konkret gelebt werden und zum christlichen Leben gehören auch immer andere Menschen. Somit versteht es sich von selbst, dass der eigene Glaube sich auch an anderen Menschen reibt, prüft und durch den Umgang mit ihnen vertieft wird. Ohne Zweifel kommen dadurch wieder Fragen auf, die dann nachgelesen werden müssen, denn kein Mensch hat ja den kompletten Katechismus oder die komplette Glaubenslehre im Kopf - zumindest kenne ich keinen. Dieser Satz zeigt schon, dass es wichtig ist, die Auseinandersetzung mit den anderen auch mit der Lehre der Kirche abzugleichen, wofür der Katechismus hilfreich ist. Denn wenn man sich z.B. wie ich häufig mit Evangelikalen unterhält, dann kommt man schon ziemlich ins Grübeln, denn die haben in aller Regel mehr Feuer als die meisten Katholiken. Da denkt man dann schon, man könne ja auch dieses und jenes glauben, die tun es ja auch und sind tolle Christen. Dann greift man zum Katechismus und guckt und denkt: Ah ja, aber die Kirche lehrt das so. Gut zu wissen.

V. Bilder und Symbole sind wichtig bei der Entfaltung des eigenen Glaubens. Sie aber fehlen im Katechismus.

Zutreffen wird festgestellt, dass im Katechismus jene machtvollen Bilder fehlen, an denen andere Quellen der christlichen Tradition so reich sind. Besonders die Bibel wird hier angeführt. Und damit ist das Problem auch eigentlich schon gelöst. Denn der Katechismus steht ja nicht solitär, als wäre die einzige Quelle der christlichen Lehre, sondern er ist eine der Quellen, aus denen der Christ in seiner Glaubensbildung schöpfen kann. Nun empfiehlt uns der Hl. Vater Bibel und Katechismus besonders zur Lektüre während des Jahres des Glaubens. Während die Bibel nun jene großen Bilder, Symbole und Erzählungen aufweist, die von der Autorin eingefordert werden, dient der Katechismus dazu, diese Bilder richtig zu interpretieren. Dafür ist eine abstrakte, formelhafte Sprache aufgrund der damit einhergehenden Klarheit des Ausdruckes gut geeignet.

Zuletzt sei auf den ausführlichen zweiten Teil der Antwort von Frischer Wind hingewiesen, der sehr zu empfehlen ist und der hier gelesen werden kann.

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