Donnerstag, 18. Oktober 2012

Diskussion? Ja, bitte

Einigen ist die Blogoezese zu katholisch, zu einheitlich. Stimmt irgendwo, denn in ihr sind die konservativen, papsttreuen Katholiken eindeutig im Verhältnis zum normalen Kirchenvolk überrepräsentiert. Ob das daran liegt, dass sie engagierter sind oder das sie in die Blogwelt ausweichen müssen, weil sie von den etablierten Medien nicht veröffentlicht werden bzw. sich ihre Meinung dort nicht wiederfindet, sei dahingestell.

Aber es gibt natürlich auch in dieser Szene eine gewisse Spanne und prominente Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist unsere geschätzte Mittbloggerin Ameleo, die mit ihrem Blog Frisch, Fromm, Frau eher einem liberalen, progressiven Katholizismus anhängt (die Aussage ist doch neutral, oder?). Und während die Blogoezese sich in ihrem überwiegenden Teil für das Jahr des Glaubens rüstet und den Katechismus aus dem Regal holt, erklärt Ameleo frank und frei, sie könne mit dem Katechismus nichts anfangen (hier, da und dort).

Diese Haltung stößt natürlich nicht überall auf Gegenliebe. Zu einer umfassenden Antwort hat nun Frischer Wind ausgeholt.

Nun sei es mir fern, mich hier in die Diskussion von Leuten einzumischen, die vom Glauben und von Erfahrung mit dem Glauben sicherlich viel mehr verstehen als unsereins mit seiner säkularen Erziehung bei 25 Lenzen.

Ich denke aber das Problem, welchem wir hier begegnen, hängt mit etwas verschiedenen Ansätzen von Kirchlichkeit und kirchlicher Bindung zusammen. Wie gesagt besteht die katholische Blogoezese überwiegend aus Katholiken, die ein ähnliches Deutungsmuster auf kirchliches und weltliches Handeln besitzen. Wir können hierbei durchaus von einer ultramontanen Einstellung sprechen. Man richtet sich nach Rom aus, lauscht auf den Papst und beurteilt das Handeln der deutschen Kirche und der Umwelt danach, wieweit es diesen Aussagen ent- oder widerspricht. Zugleich werden die Worte des Papstes in einem (soweit sichtbar) starken Maße als Leitimpulse für das eigene Leben wahrgenommen. Diese Mehrheit der Szene stellt damit eine Kernformation eines katholischen-kirchlichen Milieus dar.

Das führt naturgemäß zu reibungsfläche mit Personen, die nicht dieser Formation angehören. Das wird dadurch verstärkt, das man wenig voneinander weiss und damit die Hintergründe, aus denen der andere spricht nur schwer verstehen kann. Entsprechend führt dies, gerade bei einer intensiven Auseinandersetzung, zu Missverständnissen. Man kann auch sagen man wird einander nicht wirklich gerecht. Schon öfter's ist mir aufgefallen, dass es zwischen dem Kern der Szene und der Peripherie mitunter einen recht scharfen Ton gerade in den Komboxen gibt und man sich wechselseitig Glaubensabfall und Versteinerung vorwirft.

Da wir nun das seltene Vergnügen haben, aufeinander aufbauende Posts lesen zu dürfen, die von verschiedenen Seiten argumentieren, können wir nicht nur eine hervorragende, sondern auch eine emotionale Debatte erwarten. Daher gilt es von Anfang an Ruhe zu bewahren, höflich zu bleiben und zu versuchen, die Argumentation des anderen nicht nur inhaltlich, sondern auch von seinem Hintergrund zu verstehen. Wenn man erstmal anfängt sich, pardon, anzukeifen, ist der Ofen aus.

In diesem Zusammenhang denke ich feststellen zu können, das die meisten meiner Leser in dieser Diskussion mit Frischer Wind sympathisieren dürften. Umso mehr ist es eine gute Idee, sich für die Diskussion mit Ameleo auseinanderzusetzen. Hilfreich fand ich die Lektüre der Darlegung ihrer Beziehung zur Kirche (hier und da).

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