Dienstag, 30. Oktober 2012

Bischof Tebartz-van Elst im Interview

Nachdem Bischof Tebartz-van Elst aus Rom zurückgekehrt ist, hat er kath.net ein umfangreiches Interview über seine Eindrücke und die Theman der Bischofskonferenz gegeben. Im Folgenden einige meiner liebsten Auszüge, das ganze Interview hier.
"Heute haben wir es eher mit der Besorgnis darüber zu tun, wie der Glaube im inhaltlichen Bewusstsein verdunstet ist. Es ist erkennbar, wie notwendig es für die Glaubensidentität in einer bisweilen nachchristlichen Gesellschaft ist, dass einzelne Christen in der Lage sind zu sagen, wo ihnen das inhaltliche Bekenntnis unseres Glaubens zur persönlichen Erfahrung geworden ist. Vorrangig ist heute, die Auskunftsfähigkeit im Glauben zu erlernen und bezeugen zu können, wo der Glaube einen selbst getragen hat. In diesem Sinne werden dann auch diejenigen, die auskunftsfähig sind, zu Orientierung für Suchende. Hinsichtlich des großen Themas der vergangenen Synode – Neuevangelisierung – ist deutlich geworden: Neuevangelisierung hat dann eine Chance, wenn diejenigen, die den Glauben weitergeben wollen, selbst evangelisiert worden sind, wenn sie die Erfahrung persönlicher Umkehr und des persönlichen neuen Aufbruchs bezeugen und weitergeben können.
Die intensive persönliche Beschäftigung mit dem Wort Gottes ermöglicht es, auch anderen Orientierung zu geben. Deswegen ist für jede katechetische Predigt die Betrachtung eine Grundvoraussetzung. Wo ich selbst immer aus dem Gebet komme, kann ich von Gott her weitergeben, was durch den Dienst – in diesem Fall den bischöflichen Dienst – von Gott auch weitergegeben werden soll.
Papst Benedikt XVI. hat in diesem Zusammenhang von der „Ökologie des Menschen“ gesprochen: zu sehen, was ihm gut tut an Seele und Leib. In diesem Sinne braucht es eine Vernunft, die um den Menschen weiß, wie er als von Gott Geschaffener ist. Neben der vielfältigen wissenschaftlichen Reflektion über den Menschen braucht es auch die Wachsamkeit und Offenheit für das, was seine Seele ausmacht.
Es ist in allen Veränderungen unserer Zeit notwendig, den Blick mehr auf das richten, was aufbricht, wo etwas – auch wenn es noch kleine Pflänzchen sind – zu wachsen beginnt. Das hat mit Morgenröte, mit Zukunft zu tun. Der frühere Kardinal von Paris, Jean-Marie Lustiger, hat gesagt: „Das Christentum hat seine große Zeit noch vor sich.“ Der Blick auf die frühe Kirche der ersten Jahrhunderte zeigt deutlich, wie sehr die Entschiedenheit im Glauben die Christen in einer gänzlich anders gearteten Gesellschaft zu Orientierungspunkten und „Leuchttürmen“ gemacht hat.
In diesem Sinne gibt es in einer säkularisierten Welt eine große Orientierungssuche. In dieser Situation stehen Christen als Verweis auf den Weg mit Gott. Wo Gott vorkommt, steigt auch die Würde und der Wert des Menschen. Gott im Blick zu behalten ist so ein elementarer Dienst am Leben der Menschen.
Die Kirche in unserer Zeit braucht unbedingt die eucharistische Anbetung, bei der sie ganz beim Herrn ist. Je mehr sie dort ist, desto näher ist sie auch bei den Menschen: Das ist die Hinwendung in Nächstenliebe an den Menschen aus dem Geist des Evangeliums. Beides lässt sich nicht voneinander trennen. Es bedarf dieses Bewusstseins, damit es nicht zu gefährlichen Entwicklungen kommt, bei denen das eine gegen das andere ausgespielt wird. Es ist katholisch, dies gemeinsam zu sehen. Dass die Liebe zu Gott sich in der Liebe unter den Menschen widerspiegelt, macht das Zeugnis der katholischen Kirche an vielen Orten der Welt so kraftvoll.
Es müsste noch viel mehr Anstrengung geben, den großen Reichtum des Konzils weiterzugeben. Dazu gehört auch, die Beschlüsse und Konstitutionen in der Gänze zu lesen und dann umzusetzen. Es kommt zu Problemen, wenn man „steinbruchartig“ an das Konzil herangeht und herausbricht, was passt und das andere nicht liest. Benedikt XVI. hat nachdrücklich darauf verwiesen, dass das Konzil eine Erneuerung in der Kontinuität wollte. Es wird noch einige Zeit beanspruchen, diese Kontinuität der Erneuerung immer mehr zu rezipieren und zu verstehen, um im Sinne des Konzils weiterzukommen.
Mir ist die Liturgie sehr wichtig. ... Die Liturgie hat von Anfang an in der Kirche eine enorme katechetische Kraft. In diesem Sinne bin ich immer dafür eingetreten, ihre mystagogische Kraft stärker zu beleben."

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...