Dienstag, 4. September 2012

Waibel tritt zurück weil Schüller recht hat

Erstmals hat ein Mitglied der Pfarrerinitiative die Chuzpe aufgebracht und ist von seinem Pfarramt zurückgetreten. Allerdings scheint sein Rücktritt weniger ideologische als mehr gesundheitliche Gründe gehabt zu haben. Er scheint die Belastung nicht mehr gewachsen gewesen zu sein. Was durchaus nachvollziehbar ist. Wenn ich ständig mit der Organisation, in der ich arbeite, unzufrieden bin und mir dauernd Gedanken mache, wie ich denen da oben vor's Schienenbein treten kann um die Welt zu retten, belastet mich das natürlich erheblich. Und das bei einem Job, der nicht nur Beruf sondern Berufung ist und damit natürlich ohnehin ein größeres Stresspotential hat. Ob der arme Mann daneben noch weiter gesundheitlich angeschlagen ist geht uns nichts an und wir wünschen ihm, es möge ihn in seiner neuen Tätigkeit besser gehen.

Man sieht also, es gibt zahlreiche Gründe, warum Pfarrer Waibel zurückgetreten ist.

Bezeichnenderweise wird aber besonders einer mit großer Inbrunst diskutiert: Der böse Vatikan hat den armen voralberger Pfarrer überfordert.
So fühlt sich z.B. der voralberger Sprecher der Pfarrerinitiative Baldauf durch den Rücktritt in seiner Kritik an Rom bestätigt. Denn der Vatikan zwinge die Priester mehrere Pfarreien zu übernehmen und einem Amts- und Standesverständnis zu folgen, dass mit der heutigen Lebenswelt nicht mehr zu vereinen sei. Da müsse man ja krank werden (ich übertreibe ein wenig). Man könnte ja fast meinen, Baldauf wirft Rom indirekte Körperverletzung vor und fordert alle Priester zur Notwehr durch Ungehorsam auf.

Auch Schüller, groß, herrlich und weise, gibt natürlich seinen Senf dazu und fabuliert, der Vatikan habe sich offensichtlich von der Entwicklung der Weltkirche abgekoppelt, wie man hier ja sehe. Nun ist natürlich Voralberg ein typisches Beispiel für eine Region der Weltkirche. Sowenig man einem Priester im Voralberg zumuten kann, mehr als ein Dorf zu betreuen, so wenig auch einem Priester in den Anden. Da hat ja auch jedes Dorf sein Kirchlein und seit 500 Jahren ein durchgängig besetztes Pfarrhaus. Ich beantrage daher für Schüller und die seinen ein Priesteraustauschsjahr. Wir schicken die komplette Pfarrerinititative mal nach Zentralafrika oder in die südamerikanische Pampa und die dortigen Priester in die voralbergische Provinz und den Wienerwald. Ich bin sicher die Kollegen finden die dortigen Zustände auch unerträglich.

Natürlich melden sich auf die obligatorischen Pastoraltheologen zu Wort und erklären, der Druck auf die Pfarrer nehme immer mehr zu, weil es halt immer weniger gebe. Das stimmt sicher. Die Kirche ist in einer Umbruchphase, das bestreitet ja niemand. Aber ob die Ideen der Pfarrerinitiative die Lösung bringen (Schielen auf die protestantische Gemeindschaft) weiss ich ja nicht. Vielleicht müssen auch wir Gläubige uns mal ein bisschen von alten Zöpfen trennen und dürfen nicht erwarten, dass alles so bleibt wie früher nur weil es schon immer so war. Mit dem Argument kann ich nämlich auch das Frauenpriestertum fröhlich blockieren (obwohl mir da was besseres einfallen würde).

Es gibt aber auch andere Meinungen. So bedauert der Diözesanadministrator Elbs den Schritt von Waibel zwar, teilt aber dessen Kritik nicht. Aus seiner Sicht werde der Priester heute nicht mehr belastet als vor 50 Jahren, weil es zwar weniger Priester, aber mehr Hilfe von Laien gebe - und nebenbei auch weniger Gläubige. Gleiches denkt auch die zuständige Pastoralassistentin. Ganz so schlimm scheint die Lage daher denn doch nicht zu sein. Wenngleich Schüller das natürlich anders sieht. Warten wir also ab, ob er auch bald zurücktritt.

Infos zum Thema gibt es hier, da und dort.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...