Donnerstag, 20. September 2012

Also langsam ...

... wird's mir echt zu viel mit dem Tebartz-Bashing.
Man hat ja fast das Gefühl, das ist innerhalb des deutschen Journalismus so 'ne Art Volksport geworden.

Von dem Dauerbrennerthema "Bischofspalast am Domberg" wollen wir an dieser Stelle mal nicht reden. Gerade über die arme Kapelle wird in Intervallen von einigen Monaten seit Jahren regelmäßig irgendwelche Gülle ausgekippt. Den Vogel dazu hat neulich der Spiegel abgeschossen, der den Zuschauern das Gefühl gegeben hat, hier würde in aller Heimlichkeit eine Art zweiter Apostolischer Palast hochgezogen.

Da es aber irgendwie langweilig ist, ständig über das Gleiche zu berichten, hat man sich in den letzten Monaten ein paar andere Themen rausgesucht: Die First-Class-Affäre, dann die Entlassung eines Mitarbeiters - nicht mal durch den Bischof selber - und jetzt, weil's grade so ruhig wurde, ein Schreiben mehrerer Priester an den Bischof. Auffällig ist bei zweien dieser Ereignisse, dass sie schon eine Weile her sind. Der Flug nach Indien war zu Jahresbeginn, der Brief liegt dem Bischof spätestens seit Mai vor. Man könnte daher fast den Eindruck bekommen, hier versucht irgendjemand so lange schnell hintereinander mit Schmutz zu werfen, bis irgendwann mal was hängen bleibt.

Und das ist der erste Punkt, auf den ich hier aufmerksam machen möchte: Wenn es mal alle paar Jahre eine Kampagne in mehreren Zeitungen gibt, dann dauert die maximal ein bis zwei Wochen und dann is' gut. Das vergisst der Leser schnell. Wenn es zügig hintereinander zwei gibt, dann kommt der Leser ins Grübeln. Und wenn es gleich drei schnell einander folgende gibt, dann keimt folgender Gedanke beim Leser auf: <Irgendwas muss doch wohl dran sein.> Und damit ist das Ziel auch schon erreicht. Denn <Irgendwas muss doch wohl dran sein> kann selbst ein Politiker - von denen man ja nur begrenzt was erwartet - schon kaum überleben. Für einen Bischof, an den man sehr viel höhere Anforderungen stellt - warum eigentlich, wenn die Kirche doch so böse ist wie immer alle tun - ist das aber im öffentlichen Bewusstsein der Todesschuss. Ab da kannst du eigentlich nur noch alles falsch machen. Und diese fast verzweifelte Haltung kommt auch beim bischöflichen Ordinariat rüber:
"Was soll der Bischof denn noch machen ...?"

<Zurücktreten> wäre vermutlich die Antwort, die die meisten der Artikelschreiber - ich könnte auch Nörgler sagen - von sich geben würden. <Machen sie Platz für einen Bischof, der Wiederverheirat-Geschiedenen die Kommunion reicht, homosexuelle Paare traut und Abtreibungen gut findet und dann geben wir Ruhe>

Und damit nähern wir uns dem zweiten Punkt: Tebartz-van Elst gehört zu einer neuen Generation Bischöfe in Deutschland, die das Vatikanum II nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen, weniger von dessen sogenanntem Geist geprägt und damit im allgemeinen eher konservativer als die bisherigen Oberhirten sind. Damit droht, Kraft Biologie und römischen Willens, eine neue, konservativen Welle über Deutschland einherzuschwappen. Denn wenn die Bischöfe konservativer werden, werden auch die Priester, besonders die Neugeweihten, eher in diese Richtung tendieren, die wiederum werden in den Gemeinden diese Tendenz wecken und schließlich kann sich ein zunehmend harter Kern von lehramtstreuen Katholiken herausbilden, die das kirchliche Leben prägen und die laukatholischen Hans-Küng-Freunde verdrängen.

Das ist natürlich ein Wunschkonzert, aber die Befürchtungen kann in den Redaktionsstuben schon aufkommen. Und dann ist es auf einmal vorbei mit der so wunderbar angepassten Kirche, an die man sich in den letzten Jahrzehnten so gewöhnt hat und die so gut in den Mainstream passt. Dabei mag es auch Journalisten, Priester und Laien geben, die die ehrliche Angst umtreibt, die Kirche verliere auf diese Weise noch mehr Gläubige als ohnehin schon und schaufle sich ihr eigenes Grab. Doch die vorliegenden Therapie der Weltverähnlichung hat ja bisher auch nicht so super funktioniert. Beide Ängste machen aber deutlich, warum man in den Gremien und in den Schreibstuben so aggressiv gegen Tebartz-van Elst vorgeht. Man will an ihm ein Exempel statuieren, damit ja kein anderer junger, konservativer Bischof auf die Idee kommt, sein Bistum zu verändern und die administrative und geistliche Prägung schön den geronten Gremienkatholiken und weltverbessernden Journalisten überlässt.

Dabei ist es ja nun nicht so, dass jeder Katholik in Deutschland Tebartz-van Elst böse, luxuriös und schlecht finden würden. Ganz im Gegenteil! Ich kenne viele Stimmen, die ihm außerordentlich wohl gesonnen sind. Kirche ist eben doch bunter als so mancher es sich träumen lässt. So kann z.B. das Schreiben der Priester an den Bischof von der Zahl her auch umdrehen. 21 sollen es sein, nach anderen Quellen 20, die da an ihren Bischof geschrieben haben. Da kann man sagen: <Was, so viele!> oder aber <Ach, nur!>. Immerhin sind das nicht mal 7 % der im Bistum Limburg tätigen Diözesanpriester. Was meinen denn die 93 % anderen? Darüber wissen wir nichts, aber es scheint stillschweigender Usus der Berichterstattung zu sein, dass die auch schon irgendwie so denken werden, aber nicht den Mund aufmachen. Das ein erheblicher Anteil davon pro-Tebartz sind, da scheint keiner drauf zu kommen. Da wünsche ich mir doch glatt mal einen Brief mit Unterschriftenaktion von Priestern, die zu ihrem Bischof stehen und seinen Kurs unterstützen. Oder gibt's den schon und ich weiss nichts davon?

Doch allein schon die Entwicklung der Seminaristen, um mal bei den Priestern zu bleiben, ist schon ein deutliches Zeichen. Seit Tebartz-van Elst Bischof ist hat deren Zahl nämlich erheblich zugenommen, während man sie unter den seligen Zeiten von Kamphaus bald mit der Lupe suchen musste. Daneben gibt es die, wenngleich nicht öffentlichen, Zeugnisse zahlreicher Katholiken, die dem Bischof persönlich begegnet sind und die einen sehr positiven Eindruck von ihm gehabt haben. Da hört man nichts von autokratischer Kultur und Dialogverweigerung.

Um aber mal ein solches Zeugnis öffentlich zu machen, lasst mich an dieser Stelle ganz klar sagen:
Ich finde unseren Bischof Tebartz-van Elst gut!

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