Mittwoch, 1. August 2012

Wüstenmütter?

Bildquelle wikipedia.
Die Wüstenväter gehören zu den bedeutendsten frühchristlichen Lehrern. Entsprechend haben sie es auch bis in die Ratgeberliteratur geschafft. Dabei trifft man immer wieder auf formulierungen wie: die Wüstermütter- und väter. Doch was ist dran an diesen Wüstenmüttern? Gab es sie wirklich oder sind sie eine Erfindung einer emanzipierten Moderne, die auch die Frauen zu ihrem Recht kommen lassen will?


Wüstenmütter waren Eremitinnen, die in der Wüste lebten. Anders als die Wüstenväter, die eine Massenbewegung waren, gab höchstens einzelne wenige Wüstenmütter. Als feststehenden Begriff, der den Eindruck erweckt, dabei habe es sich um größeres Phänomen gehandelt, gab es sie aber nicht.

Die Wüste war kein Platz für Frauen

Es gab Gründe, warum sich niemals ein Pendant zu den Wüstenväterkollonien entwickelt hat. Denn es war eine Männerwelt außerhalb der Dorfmauern, rau, nicht selten brutal und immer gefährlich. Banditen zogen durch die Wüste und nicht wenige fanden sich auch unter den Vätern. Und da wir von einer gewissen Rückfallquote ausgehen dürfen, da viele dem harten Leben nicht gewachsen waren, so war die Wüste, gleich wie verstädtert sie war, kein Ort für eine Frau. Heute nicht und damals, mit anderen Rollenverständnissen, schon dreimal nicht.

Wer waren die Wüstenväter?

Wer waren eigentlich die Wüstenväter, auf die sich der Begriff der -mütter bezieht? Die Tradition dieser Eremiten hat ihren Ursprung im Hl. Antonius dem Großen. Er war der Erste, der nachweisbar in die Wüste zog, um dort den Kampf mit den Dämonen aufzunehmen. Das heisst, er ging weg aus seinem Dorf in die Wüste, bzw. am Anfang an den Rand der Wüste, und diente Gott dort in Beten und Arbeiten. Und, was ganz wichtig ist, er tat dies allein. Zwar fanden sich schon bald zahlreiche Anhänger, die sich um ihn sammelten, aber grundsätzlich war und blieb Antonius ein Eremit. Nur eben mit jeder Menge Gästen. Er gab keine Regel, er aß und betete nur in Ausnahmefällen mit den anderen und zog sich immer wieder für lange Phasen in die Einsamkeit zurück.

In dieser Tradition standen alle Wüstenväter. Sie waren alle Eremiten und sie lebten alle in der Wüste mehr oder weniger einsam. Zwar entwickelten sich schon bald regelrechte Wüstenväter-Kolonien. Doch der Grundcharakter der Eremitagen blieb erhalten. Klöster waren es nicht, die sich da in den Wüsten Ägyptens gebildet hatten und grundsätzlich hatte jeder Wüstenvater, so oft er auch immer andere Väter besuchte, doch den Anspruch, wie der Hl. Antonius allein zu sein.

Lebten nicht einige Eremitinnen wie die Wüstenväter?

Nun werden mir aber einige kommen und sagen, schon in der Antike habe man von Wüstenmüttern gewusst. Und da sage ich: Zeigt mir doch bitte die Wüstenmutter, die lebte wie ein Wüstenvater. Und da wird die ach so große Zahl an Wüstenmüttern schnell schmelzen. Nehmen wir einmal einen der bekanntesten Texte über die Wüstenväter, die Historia Lausiaca des Palladius von Heliopolis.

Er erzählt von Alexandra, die sich in einem Grabmal einschloss. Das macht sie zwar zu Nachfolgerin des Hl. Antonius in seiner Anfangszeit, aber nicht zur Wüstenmutter. Sowas nennt man Inklusin. Der Vorteil: Die Frauen können von Angehörigen oder Gläubigen versorgt und bewacht werden und führen, wenn man mal von der Einsamkeit absieht, ein wohl behütetes und gesichertes Leben. Das soll ihre Leistung nicht herabwürdigen. Im Gegenteil verdient eine Inklusin unseren höchsten Respekt. Aber Wüstenmutter war sie eben nicht.

Nonnen sind keine Wüstenmütter

Palladius spricht auch häufig von Nonnen, die in Klöstern oder Frauengemeinschaften, oft nach einer bestimmten Regel, lebten. Solche Gemeinschaften hat es früh gegeben, der Hl. Antonius hat z.B. seine Schwester in einer untergebracht. Das zeigt, dass der Stand der Nonne sehr alt ist. Aber Wüstenmütter waren das sowenig wie die heutigen Nonnen.

Zwar gibt es andere Frauen, die zeitweilig ein geistliches Leben im Sinne einer Konzentration darauf geführt haben, ohne Nonnen zu werden, doch dabei handelt es sich, soweit wir hören, durch die Bank um reiche Römerinnen und Griechinnen, die in ihren campanischen und attischen Landvillen ein zurückgezogenes Leben führten. Davon, dass sie in Armut auf ihre Dienerschaft und Luxus verzichteten, lesen wir nichts. Zumeist gründeten diese Frauen dann Gemeinschaften, vielfach im Heiligen Land, wie z.B. die Hl. Paula, eine steinreiche Römerin, für die der Hl. Hieronymus selbst eine eigene Regel schrieb.

Noch von vielen anderen heiligen Frauen berichtet Palladius, die in Strenge und Zucht in ihren Häusern lebten, ihren Reichtum verschenkten und der Gemeinde dienten. Doch Wüstenmütter waren sie nicht.

Fortsetzungen:
Wüstenmütter? Vol. 2
Wüstenmütter Vol. 3 - Die berühmtesten Wüstenmütter im Wüstentest

Kommentare :

  1. Wiewohl ich den Ausdruck "Wüstenmütter", seit ich ihn das erste mal gelesen habe, etwas affig finde: es gab in frühchristlicher Zeit meines Wissens sowohl Eremitinnen als auch Jungfrauen, die eremitisch lebten, etwa die hl. Märtyrin Thekla. In der Tat sind Eremit und Jungfrau die ältesten Formen geweihten Lebens.
    Eremitentum war für Frauen nicht automatisch gleichbedeutend mit Inklusentum – beides gabs zu den jeweiligen Zeiten für Männer und Frauen.

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  2. In den Apophthegmata Patrum werden Amma Theodora, Amma Sarrha und Amma Synkletika erwähnt.

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  3. @Braut des Lammes:
    Da stimme ich mit dir voll überein. Nur sind das dann keine Wüstenmütter, sondern eben Eremitinnen. Für weiteres verweise ich dich gerne auf den nun folgenden 2. Teil meiner Ausführungen. Sollten meine Darlegung dann immer noch unbefriedigend bzw. historisch falsch sein, so bitte ich dich um einen weiteren Kommentar, damit ich das korrigieren kann.

    @ultramontanismus:
    Zum einen habe ich ja deshalb (fast) keine geschrieben. Zum anderen bitte ich darum, du möchtest du Lebensumstände angeben, in deren Rahmen die drei genannten Frauen lebten. Danke.

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  4. Dann wird mir aus diesem wie auch deinem folgenden Beitrag nicht erkennbar, wo du den Unterschied zwischen "Wüstenvater" und "zog in die Wüste, um dort dauerhaft als Eremit zu leben" siehst, wenn es einen gibt; deinem Beitrag zufolge erscheinen sie deckungsgleich, woran meines Erachtens auch nichts auszusetzen wäre, wenn man den Begriff Wüstenvater verwendet, um damit einen frühchristlichen Einsiedler zu bezeichnen, der zumeist allein in der Einöde lebte. Insofern weiß ich nicht, was gemeint ist, wenn du in Bezug auf das Beispiel Theklas, die in einer Höhle lebte, schreibst, solche Eremitinnen seien eben keine "Wüstenmütter", sondern Eremitinnen gewesen. Im Prinzip, wie man es dreht, sind es jedoch alles Eremiten.

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  5. @Braut des Lammes:
    Ein Wüstenvater ist im allgemeinen eine Person, die als Eremit in eine Einöde/Wüste zieht. Im speziellen ist das Wüstenvätertum eine spezifisch ägyptische Ausprägung des Eremitentums. Und im allgemeinen versteht man ja auch die ägyptischen Wüsteneremiten nur als Wüstenväter, während z.B. die Syrischen Eremiten, die mitunter ein ähnliches Leben führten, keine Wüstenväter in diesem speziellen Sinne sind. Auch der Hl. Benedikt war ja kein Wüstenvater, sondern Eremit, so wie die Hl. Thekla eine Eremitin war, keine Wüstenmutter.
    Konkret ging es mir bei meinen Posts um zweierlei:
    1. Jene Eremitinnen und fromme Frauen, die gerne als Wüstenmütter bezeichnet werden, ins rechte Licht zu rücken. So gibt es Leute, die sagen, die Schwester des Antonius sei eine Wüstenmutter gewesen. War sie nicht, sie war eine Nonne.
    2. Darum einige der verschiedenen Aspekte weiblichen Asketentums, die vom pauschalen Wüstenmutterbegriff verdeckt werden, zu skizzieren und gleichzeitig sie Situation anzudeuten, in der diese Frauen, gleich Eremitinnen oder nicht, standen.

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  6. @MC: Dürfte ein in diesem Zusammenhang interessantes Buch sein: http://www.amazon.de/The-Forgotten-Desert-Mothers-Christian/dp/0809140160/ref=sr_1_8?ie=UTF8&qid=1390493548&sr=8-8&keywords=desert+mothers.

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