Freitag, 24. August 2012

Warum ich in der Kirche bleibe

Gestern las ich diesen Artikel.
Darin beschäftigt sich der Autor mit der Frage der Kirchenaustritte und lässt, zu meinem Erstaunen, zwei Meinungen zu: Einer, der raus geht und einer, der drin bleibt.

Allerdings wurden meine bösen Ahnungen, die ich dann doch hatte - so ganz konnte ich mein Glück nicht fassen - leider bestätigt. Meine Hoffnung war, dass man dem jungen aufstrebenden Humanisten einen kernigen jungen Katholiken gegenüberstellt, wie man sie in der Blogoezese zu Hauf finden kann. Hat man aber nicht. Einem Mann in den 20ern, der erklärt, in der Kirche sei das meiste schlecht und er gehe raus wird ein Mann in den 60ern gegenübergestellt, der erklärt, in der Kirche sei vieles schlecht und er bleibe drin.

Ich darf mal den Katholiken zitieren, der sich für die Kirche "einsetzt":
"In Nieder-Olm gibt es verschiedene Gottesdienst-Formen, wo Laien, ich auch, in der Advents- oder Osterzeit Andachten gestalten. Das ist eine ökumenische Veranstaltung, bei der die evangelische Kirche und wir zusammenarbeiten. Es ist aber kein Priester dabei, natürlich findet dann auch keine Eucharistie (heiliges Abendmahl, d. Red.) statt."
Kirche ist also positiv, wenn sich Laien paraliturgisch engagieren dürfen? Das gilt als Zeichen eines mutigen Katholizismus von heute, der unserer Gesellschaft etwas zu sagen hat?

Oder wie wäre es damit:
"Da gibt es einerseits die dogmatisch-reine Lehre des Vatikans, in den Gemeinden vor Ort aber handelt man bereits wesentlich pragmatischer und ökumenischer, als man sich dies in der hohen Kurie vorstellen will."
Mit anderen Worten wir lassen das Dogma sausen, machen was wir wollen und kleben fröhlich das Etikett katholisch oder noch besser ökumenisch drauf. Inwieweit setzt das jetzt einen Kontrapunkt zum ausgetretenen Kollegen?

Aber dann, dann habe ich Hoffnung geschöpft, als der (vermutlich noch) Mitkatholik begann von Gegenstrategien zum Kirchenaustritt zu sprechen. Und was kam:
"Wir wollen diejenigen anschreiben, die ausgetreten sind, um zu erfahren, warum, welche Gründe dahinter stecken. Wir haben da einen kleinen Fragebogen zu entwickelt. Einfach damit man mal weiß, was dahinter steckt."
Na ich vermute mal, die Gründe kann man sich denken. Sie stehen im Artikel gleich oben drüber. Ich erinnere mich, wie ich hörte, wie ein mir bekannter Prior eine Jugendgebetsgruppe im echt katholischen Sinne gründete mit der Bemerkung, er wolle ja auch noch in 20 Jahren hier Prior sein. Und die Idee wird auch angenommen. Ich habe ja nicht so viel Ahnung von Kirchenaustritten, aber ich glaube nicht, dass man viele Leute für einen Glauben gewinnt, bei dem sie alles machen dürfen was sie wollen. Das können sie nämlich auch ohne die Kirche.

Ach ja, warum bleibt der ältere Kollege eigentlich in der Kirche. Hier in indirekter Rede:
"Seit seine Kinder aus dem Haus sind, engagiert sich Adalbert Duhr besonders stark in seiner Kirche. Über 40 Gemeindegruppen, von der Katholischen Landjugendbewegung über Seniorenkreise bis hin zur Tafel für bedürftige Mitbürger, zeugen von einem lebendigen Gemeindeleben. Er fühle sich nicht als das katholische Schäfchen, das nur zu gehorchen habe, sagt er. Und so sehen es viele in seiner Gemeinde. So gibt es dort eine starke Laienbewegung, nicht nur im sozialen, sondern auch im liturgischen Bereich."
Mit anderen Worten er bleibt in der Kirche weil er sich in der Gemeinde wohl fühlt, weil er sich hier engagieren und mitgestalten kann. Das sind alles gute Gründe. Aber das eigentliche lese ich da nicht: Sakramente, Liturgie, Wahrheit, Jesus Christus.

Ein flottes Gemeindeleben mit Gestaltungsmöglichkeit kann ich überall haben. Das sind keine Gegenargumente für die Worthülsen des atheistischen Ausgetretenen. Wenn ich an die vielen vielen tollen Glaubenszeugnisse denke, die ich oft hier in der Blogoezese lese, packe ich mir an den Kopf. Mit so einem netten Gemurmel kann man doch keine Leute in die Kirche bringen! Zeige mir den Heiligen, der so was erzählt hat!

Wenn mich jemand sucht, ich knie vor dem Allerheiligsten.

Kommentare :

  1. Eigentlich kenne ich das von der DW so nicht: wenn man sich mal anschaut, der Artikel ist vom 21.08.12, das Schema über Kirchenein- und austritte reicht bis einschließlich 2010. Danach sind meines Wissens wieder mehr in die Kirche eingetreten bzw. weniger ausgetreten. Wollte man das nicht darstellen, weil es zum Tenor nicht paßt?

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  2. Ich denke es gibt zwei Möglichkeiten:
    Entweder ihnen lagen keine andere Zahlen vor (schlechte Rechereche) oder sie haben, wie du gesagt hast, sich die Statistik nach der Tendenz des Textes ausgesucht.
    Da ich nicht so oft auf der Seite bin, kann ich über die journalistischen Grundqualitäten nichts aussagen, da kennst du dich offenbar besser aus.

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  3. Ich kenne diverse Sendeformate (DW Deutschland wird ja hier in der Voltastraße produziert) und einen der Redakteure. Im Zweifelsfall eher nicht ausreichende Recherche.

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  4. Gut zu wissen. Dann muss man ihnen wenigstens nicht Böswilligkeit unterstellen. Danke für die Info.

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