Donnerstag, 30. August 2012

Völlerei und wogegen man sonst noch so kämpfen muss

In ihrem neuen Post Adieu Völlerei schwört sich Huppicke auf den Kampf gegen die Pfunde ein. Bei dem Programm zieh ich den Hut. Ich halte es schon für eine Meisterleistung meinerseits, wenn ich mal ein paar Tage an der Uni-Mensa zur Vegetarier-Theke gehe und mal nicht jeden Tag ein Stück Kuchen in mich reinschaufle. Aber genug von mir.
 
Während des Lesens ist mir ein Text aus den Erzählungen des russischen Pilgers eingefallen. Darin unterhält sich der Pilger mit einem Hauptmann, der ihm erzählt, wie er von seinem Alkoholproblem weggekommen ist. Sein Alkoholismus hatte ihm als jungen Soldaten so manche Probleme bereitet. Obwohl bereits Offiziersanwärter wurde er in den Mannschaftsstand zurückversetzt und landete ein ums andere in der Arrestzelle. Als er einmal vor sich hin brütend in der Kaserne saß trat ein Mönch ein, der ihm nach der Schilderung der Situation folgendes riet:
"Ganz genauso ist es meinem Bruder ergangen. Geholfen hat ihm folgendes: sein Beichtvater gab ihm ein Evangelium und befahl ihm mit Bestimmtheit, er solle jedesmals, wenn ihn das Verlangen ankäme, zu trinken, unverzüglich ein Kapitel des Evangeliums lesen; solle er dann immer noch trinken wollen, so müsse er das nächste Kapitel lesen. Mein Bruder verfuhr so und in kürzester Zeit war die Trunksucht verschwunden. ..."
Doch der junge Soldat wehrte sich, denn wie könne ihm ein Evangelium helfen, wenn doch seine eigenen Bemühungen und die Artzneien ihm nicht haben helfen können. Zumal war das gereichte Evangelium auf Kirchenslawisch war, was das Verständnis erschwerte.
Der Mönch aber sagte
"in den Worten des Evangeliums wäre eine heiligmachende Kraft verborgen, denn es stünde darin geschrieben, was Gott selber gesagt habe. 'Es macht nichts, daß du es nicht verstehst. Lies nur eifrig. Ein Heiliger hat gesagt: Wenn du das Wort Gottes nicht verstehst, so verstehen doch die Teufel das, was du liestest und zittern; die Trunksucht rührt aber doch bestimmt von den Teufeln her ..."
Doch so richtig glaubte es der junge Soldat nicht, nahm das Evangelium aber und legte es in seinen Geldkasten. Als er einmal wieder Lust zum Trinken verspürte, ging er zu seinem Kasten, um sich Geld hinauszunehmen und fand darin auch das Evangelium. Und er berichtet:
"ich mußte lebhaft daran denken, was mir der Mönch gesagt hatte; ich schlug es auf uns begann das erste Kapitel im Matthäus zu lesen. Nachdem ich es zu Ende gelesen hatte, war es genauso - ich hatte nichts verstanden; auch erinnerte ich mich daran, was der Mönch gesagt hatte: 'Das macht nichts. Wenn du es auch nicht verstehst, lies nur eifrig.' Halt, dachte ich, ich will das zweite Kapitel lesen. Ich las es und schon war es mir begreiflicher. Dann also auch das dritte; kaum hatte ich es begonnen, als das Glockenzeichen in der Kaserne ertönte: alle mußten sich für die Nacht zu ihren Pritschen begegeben; somit war es nicht mehr möglich, die Kaserne zu verlassen und auf die Straße hinauszugehen, so blieb ich denn da.
Als ich am Morgen aufstand und mich anschickte, hinauszugehen, um mir Schnaps zu kaufen, dachte ich bei mir: ich will mal ein Kapitel im Evangelium lesen; was kann da sein? Ich las es und ging nicht. Wieder überkam mich die Lust zu trinken; ich las dann noch ein Kapitel, und schon war mir viel leichter geworden; dies ermutigte mich, und bei jeder Versuchung zum Trunk las ich nun immer je ein Kapitel im Evangelium. Je länger ich so verfuhr, desto leichter wurde es mir, und als ich schließlich alle vier Evangelisten zu Ende hatte, war meine Trunksucht vollkommen geschwunden ..."
Seitdem liest dieser Mann jeden Tag einen ganzen Evangelisten, wodurch er, gleich ob er sich dessen bewusst ist oder nicht, beständig der Kraft der Worte Gottes wieder versicherte.
 
Der Pilger weiss von einem ähnlichen Fall zu berichten. In seinem Dorf gab es einen kunstfertigen Handwerksmeister. Doch auch er hatte ein Problem mit dem Trinken, dass ihn oft überfiel:
"Ein gottesfürchtiger Mann gab ihm den Rat, er möge, wenn ihn nach Schnaps verlangte, dreiundreißig Jesusgebete sprechen der Heiligen Dreifaltigkeit zu Ehren und weil das Erleben Jesu Christi dreiundreißig Jahre gedauert habe. Der Meister hörte auf ihn, tat so, wie jener sagte, und ließ dann bald galt das Trinken ganz sein."
 Quelle: Jungclaussen, Emmanuel (Hrsg.): Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers, S. S. 45-48.

Kommentare :

  1. ...vielleicht ist das eine gute Idee...
    Könnte man mal ausprobieren.

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  2. Ah. Du zitierst öfter aus dem Pilger. Ich hab ihn ja im Regal greifbar liegen, aber es ist schon lange her, dass ich da gelesen habe.

    Mal abgesehen davon, dass er sowieso lesenswert ist - das ist doch wohl ein klassisches Beispiel für Erbauungsliteratur, ich fühl mich jedenfalls immer erbaut/aufgerichtet - ist der Rat dort (und wohl dein Rat an mich) zu lesen genau das passende. Was ich mein Leben lang gemacht habe: drückt der Schuh, lies erst mal dazu. Aber Diätratgeber sind keine Nahrung für die hungrige Seele.

    Ob ich dann wirklich die Kraft hab das Evangelium aufzuschlagen - weiß nicht. Aber ich leg mir mal das Pilgerleben und das Heiligenbuch dahin. Etwas leichtere Kost vielleicht und auch viele Vitamine!

    Danke MC, dass du sogar Tussizeugs bei mir liest.

    *winkt* Huppicke

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  3. @Huppicke:
    Ich denke wir können deinen Blog auch zur Erbauungsliteratur dazu rechnen.

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