Montag, 20. August 2012

Luxuriös, papsttreu, einfach böse eben

Heute las ich in der FIZ (Freie Intelligente Zeitung) über den Fürstbischof von Limburg Tebartz-van Elst: Der wegen seiner größenwahnsinnigen Bauprojekte und seiner Intoleranz schon unbeliebte Hirte hat sich den nächsten Schnitzer geleistet, als er in einem Privatjet nach Indien flog, um dort Kindern in sozialen Projekten huldvoll aus seiner klimatisierten Goldkutsche zuzuwinken. Mit dabei waren neben dem Generalvikar des Bistums der 1. bischöfliche Sekretär, der 2. bischöfliche Sekretär, der Sonderbeauftragte des Bischofs zur Hebung von Reliquien, der Fahrer des Bischofs, der Kutscher des Bischofs, der Wagentüraufhalter, der Haustüraufhalter, der Saaltüraufhalter, der Kammerlakai, der Kammerjunker, die beiden Köche, der Speisevorkoster, der Schleppenträger und der Leibpfauenwedelfechler. Außerdem eine unbekannte Zahl von weiteren Hofschrantzen. Während des Fluges löfelte der Bischof Belugakaviar aus Silberschalen, spielte Poker mit seinem Hofkreis und verpaffte Kubanische Zigarren, deren Kauf er durch die Streichung des Projektes zur Rettung von Abtreibungsbefürwortern vor fanatischen Christen finanziert hatte.

Nachdem ich weitere Blätter konsultiert hatte, die mit großer Zurückhaltung und Liebe zu Details und Neutralität berichteten - z.B. der Spiegel und die NNP - hat sich die Sache doch etwas anders dargestellt:

Zusammen mit seinem Generalvikar flog Bischof Tebartz-van Elst nach Indien, um dort verschiedene soziale Projekte zu besuchen. Mit Indien ist das Bistum und besonders der Bischof eng verbunden, z.B. durch die indischen Schwestern, die den bischöflichen Haushalt führen. Um Geld zu sparen wurde das Programm sehr gestrafft. Daher beschlossen die beiden Kirchenmänner - beide über 50, der Generalvikar bereits jenseits des normalen Renteneintrittsalters - sich während des neunstündige Fluges auszuruhen. Um auch Schlafen zu können und da daruch niemandem Kosten entstanden, nutzten sie die Bonusmeilen des Generalvikars und buchten sich in die First Class hoch, wo die Chancen auf einen ruhigen Flug konfortmäßig deutlich besser sind.

Über diesen Umstand nun gibt es große Aufregung, sieht man darin doch erneut den bischöflichen Hang zum Luxus und dem Verprassen des Kirchenvermögens bestätigt.
Zwar war das Kirchenvermögen vom Upgrade gar nicht betroffen, zwar hat sich der Bischof streng an die Richtlinien der deutschen Bischofskonferenz für solche Flüge gehalten, zwar ist der Job der beiden Herren per se schon stressig, zwar ist Indien im Hochsommer klimatisch belastend, zwar kommt noch ein Jetlag hinzu, zwar hat man schon auf Kosten der beiden versucht Geld zu sparen, aber das muss ja niemanden kümmern.
Der Bischof trägt ne Mitra, während seine Pfarrreferentinnen das nicht dürfen. Er ist romtreu, während der gute Katholik eine deutsche National/Sonderkirche anstrebt. Er lässt weiter an einem Gebäude bauen, das er nicht initiiert hat und bei dem ein Großteil der Kosten für Denkmalschutzauflagen draufgeht, obwohl er doch weiterhin in einem Tagungsgebäude j.w.d. wohnen könnte.

Kurz gesagt: Er ist einfach böse.
Und deswegen soll er gefälligst im Frachtlaum eines Militärjets fliegen, das Gehalt einer Pfarrreferentin kriegen, in einer Kartäuserzelle wohnen und bei der Messe eine Sackalbe und eine Regenbogenstola tragen. Dann und wenn er Homosexuelle traut, wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion reicht und Hans Küng den Fuss küsst, nur dann ist das Kirchenvolk, das die Kirche ist, vielleicht bereit, ihn zu akzeptieren.

Ach ja. Noch ein Annekdote: Neulich stand ich vor dem neuen Bischofssitz. Da kam eine Dame vorbei und erklärte, wegen sowas (sie fand die Kapelle nicht schön) treten Leute aus der Kirche aus. Dazu ich: Wer deswegen aus der Kirche austritt, ist schon vor langer Zeit innerlich ausgetreten.

Kommentare :

  1. vielen vielen Dank. Jetzt kann ich ruhig schlafen. Selten so was erfrischend Übertriebenes gelesen. Eigenartig find ich halt immer wieder, dass selbst Kirchenleute, die sonst die Presse kritisch sehen auf einmal bestimmte Würdenträger, zum Abschuss freigeben, weil spiegel, faz und co uns irgendwelche Anekdoten von vor mindestens einem halben Jahr auftischen.

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  2. Momentan schon sieben mal find ich gut. Danke an alle für das positive Feedback.

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  3. Leider Müll, der absolut nichts zu einer Versachlichung der Debatte beiträgt.

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