Samstag, 25. August 2012

Die Tugenden sind nach und nach zu erwerben

Neulich las ich einen Post bei Huppicke, indem sie sich auf ein engagiertes Vorgehen gegen ihre Lauheit einschwört. Dabei fiel mir ein Kapitel aus dem geistlichen Kampf ein, dass ich nunmehr (endlich) poste:
"Obschon der wahre Streiter Christi den Gipfel der Vollkommenheit zu ersteigen trachtet und seinem geistlichen Fortschritt keine Grenzen setzen darf, muß er doch mit kluger Besonnenheit den Feuereifer seines Geistes in Schranken halten, der zu Anfang gewöhnlich in heller Glut auflodert, dann aber abnimmt und mittem auf dem Wege erlischt.
Abgesehen von dem, was vorhin bereits über die Mäßigung bei den äußeren Tugendübungen gesagt wurde, mußt du dir merken, daß auch die inneren Tugenden nur nach und nach und stufenweise zu erwerben sind. Auf diese Weise wird dann auch das Kleine rasch groß und dauerhaft. Für gewöhnlich soll man sich beispielweise nicht gleich in Widerwärtigkeiten üben und erfreuen wollen, noch sie herbeiwünschen, bevor man nicht die niederen Grade der Tugend der Geduld durchlaufen hat. Ebenso rate ich dir, nicht allen oder mehreren Tugenden auf einmal, sondern zunächst nur einer und darauf einer anderen deine Hauptaufmerksamkeit zu schenken. So wird die Seele die Fertigkeit darin viel leichter und tiefer eingepflanzt, da das Gedächtnis sich ihrer bei allen Gelegenheiten infolge der beständigen Übung in einer Tugend besser erinnert; der Verstand wird geschärft und findet dadurch immer neue Anlässe und Beweggründe zu ihrer Erwerbung und der Wille gibt sich ihr mit mehr Neigung und Wärme hin, als wenn man sich mehreren Tugenden zugleich widmen wollte.
Durch diese Übereinstimmung, mit der die inneren Akte nur auf eine Tugend hinzielen, sind diese auch bei ihrer gleichförmigen Übung mit weniger Anstrengung verbunden, da der eine Tugendakt den anderen ihm ähnlichen anlockt und unterstützt. Auch machen sie durch ihr gemeinsames Vorgehen einen stärkeren Eindruck auf unser Herz, weil sie dessen Grund zur Aufnahme schon bereitet und zu neuen Übungen, die den früheren ähnlich sind, geneigt finden. Diese Beweise werden durch die anerkannte Tatsache gestärkt, daß jeder, der sich in einer einzigen Tugend gründlich übt, hierdurch sich auch in anderen zu üben lernt. Auf diese Weise wachsen mit der einen Tugend zugleich alle anderen und zwar infolge ihrer engen Verwandtschaft als gemeinsame Strahlen aus einem und demselben göttlichen Lichte."
Quelle: Lorenzo Scupoli: Der geistliche Kampf, S. 153f.

Kommentare :

  1. Tjo. Wenn ich den ersten Absatz lese, dann weiß ich, dass er seine Pappenheimer kennt. :-)

    Das ist eine gute Erinnerung. Danke, MC.
    Lieben Gruß von der Huppicke

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  2. Scupoli kann ich sehr empfehlen. Ist auch käuflich erwerbbar.
    Viel Glück beim geistlichen Training.

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