Dienstag, 28. August 2012

Die Messe ist zu lang

Der Pfarrer hält die Messe viel zu lang. Der soll das schneller machen. Weniger Lesungen, kürzere Predigt. Und muss das Hochgebet echt so lang sein?

Sowas hört man ja öfters. Da gehen die Leute einmal pro Woche (wenn überhaupt)  in die Kirche um diese ein bis zwei Stunden Gott zu widmen, und dann mosern sie noch rum, weil sie den Gottesdienst lieber 10 Minuten kürzer hätten. Man hat ja nicht den ganzen Tag Zeit. Der Predigtgärtner hat hierzu einen sehr erbaulichen Post geschrieben.

Aber dieses Problem ist nicht neu.

So wird z.B. über die Messe Pater Pios in seinen ersten Priesterjahren, noch außerhalb des Klosters, gesagt, sie habe kaum jemand besucht. Grund: Sie dauerte zu lange. Der große Heilige schaffte es oder besser gesagt er konnte gar nicht anders, als eine stille Messe, die man so in 30 Minuten gelesen haben kann, über eine oder mehrere Stunden hinzuziehen. Erst viele Jahre später bemerkten die Gläubigen den besonderen Schatz dieser Messen. Doch am Anfang waren die Kirchenbänke leer. Wer hatte schon die Zeit dafür.

Eine weitere Annekdote wird uns in der Aufrichtigen Erzählung eines russischen Pilgers berichtet. Der Pilger kommt bei seiner Reise an eine kleine Kirche und will die Messe besuchen. Zusammen mit ihm streben auch andere Gläubige eher lustlos ins Gotteshaus und rufen ihm zu:
"Nicht so eilig! Du wirst in der Kirche noch lange genug stehen können, bevor das Hochamt beginnt; hier dauert der Gottesdienst sehr lange; unser Priester ist krank, er liebt einen sachten Trott."
Der Priester erklärt sich später folgendermaßen:
"Ja, das gefällt der Gemeinde allerdings nicht, und man murrt darüber, aber ich kann nichts ändern; ich habe es gern, jedes Gebetswort zuvor zu überlegen, mich daran zu ergötzen und es dann erst laut auszusprechen; ohne inneres Fühlen und ohne Teilnahme wäre ja jedes gesprochene Wort für mich selber und für die andern nutzlos; alles liegt am inneren Leben und am aufmerksamen Gebet!"
Und er klagt über die Gläubigen von damals und heute:
"Und wie wenig beschäftigt man sich doch mit dem inneren Tun! Das kommt daher, daß die Menschen sich um ihre geistige, um innere Erleuchtung nicht kümmern und nichts davon wissen wollen-"

Quelle: Jungclaussen, Emmanuel (Hrsg.): Aufrichtige Erzählung eines russischen Pilgers, S. 120.

Kommentare :

  1. Als ich noch nicht gefirmt war, aber schon zur Kommunion ging - ich weiß es hundertprozentig, dauerte die Vorabendmesse von 18.00 Uhr bis 18.45 Uhr. Und ich fand das laaaaang.
    ;-)

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  2. Bei Sonntagsmessen kann ich ja verstehen, wenn man Kritik an der Länge unangebracht findet. Was mich wurmt sind lange Werktagsmessen, mit vielen Liedern und umfassender Predigt. Nicht, dass nicht jede Minute der Heiligen Messe ein besonderes Geschenk ist, aber der Besuch einer Messe am Werktagmorgen wird so doch sehr erschwert oder gar unmöglich gemacht.

    Ein Pfarrer hat die Messen Werktags immer recht knapp gehalten, kein Gesang, kurze Statio. In einer halben Stunde war Schluss. Die Alternative wäre, ich wäre nicht gegangen, weil ich früh auf Arbeit sein muss.

    Ich würde mir mehr Verständnis der Pfarrer für die Werktätigen wünschen, die dennoch auch in der Woche dem Herrn begegnen wollen. Leider gibt es stattdessen immer mehr einstündige Messen um 9 Uhr morgens. Only for Rentner und Studenten?

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  3. @Huppicke:
    Die Vorabendmesse mit ihren ca. 45 Minuten habe ich immer als vergleichsweise kurz empfunden. Allerdings war ich auch seit Beginn an Messen von einer Stunde und mehr gewöhnt. Mittlerweile ist für mich Standartlänge ca. 1 1/2 Stunden. Ist also alles eine Frage der Gewohnheit, wobei in jungen Jahren eine Messe natürlich oft länger empfunden wird. Dafür gibt es in einigen Gemeinden Familiengottesdienste, die, optimalerweise, auch kindgerechter sind, sodass die Kurzen etwas mehr kurzweil haben.

    @Stefan:
    Meine Ausführungen bezogen sich konkret auf die Sonntagsmesse. Bei den Werktagsmessen kann man durchaus etwas mehr auf die Uhr schauen, da stimme ich dir zu. Heutzutage ist ja kaum jemand nicht mehr unter Termindruck und die meisten haben nicht den Luxus von flexiblen Arbeitszeiten. Da denke ich durchaus, dass man eine feierliche Messe in 30 - 45 Minuten lesen kann. War ja früher auch so.

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