Montag, 2. Juli 2012

Na, es wird doch langsam

Yad Vashem ist einer der bewegendsten Orte der Welt.
So zumindest wurde mir gesagt; ich selber war noch nicht da, weil noch nie im Heiligen Land. Als Deutscher ist es zudem einer der unangenehmsten Orte, da man hier auf Schritt und Tritt auf die Verbrechen eines Regimes erinnert wird, das Anno 1933 von den Deutschen gewählt wurde. Was auch der Auftrag des Ortes ist. Deswegen gehört er meiner Meinung nach gerade für uns Deutsche zum Pflichtprogramm.

Wenn man sich aber nicht ganz so schrecklich fühlen will, kann man auch die katholische Gesinnung herauskehren. Das macht es aber leider auch nur eingeschränkt besser. Denn wenn man Pech hat begegnet einem, während man für die ermordeten Juden betet und sich von ihrem Schicksal berühren lässt, eine Tafel mit dem Bild Pius XII. Auf dieser Tafel wurde der große Papst mehr oder weniger offen angeklagt, zu den Verbrechen der Nazis geschwiegen zu haben. Und das in einem Land, dessen Außenministerin beim Tod Pius XII. den heimgegangenen Papst als großen Freund der Juden und Retter tausender Mitbürger bezeichnet hat. Aber das Gedächtnis ist kurz, leider auch an einem Ort wie Yad Vashem.

Nun aber hat man sich offenbar doch entschlossen, ein wenig neutraler zu formulieren - oder auch näher an der Wahrheit dran. So richtet man sich nun nicht mehr gegen Pius XII. selber, sondern an den "Vatikan unter Pius XII." Auch wird nunmehr die Weihnachtsansprache von 1942 erwähnt, in der der Papst die Ermordung tausender Unschuldiger scharf verurteilt hatte; aber ohne Erwähnung der Juden. Des Weiteren wird die Kontroverse zwischen Gegner und Anhängern des Papstes nach seinem Tod angesprochen.

Kurz: Die Leitung hat sich zwar nicht gerade mit Neutralität überschlagen, aber einen Schritt in eine gute, will sagen wissenschaftlich fundiertere Richtung gemacht. Dafür möchte ich als Katholik der Leitung von Yad Vashem danken.

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