Sonntag, 22. Juli 2012

Die Mutter, die Tochter und die Heilige Geist

Wir freuen uns, heute am Feststag der Hl. Maria Magdalena eine Expertin für diese besondere Jüngerin Jesu zu Gast zu haben, Frau Dr. Cornelia-Hippolyte Erdfrau-Witzelstein.

Frau Dr. Erdfrau-Witzelstein, sie haben vor vier Monaten ihre Dissertation in frauengerechter Gendertheologie veröffentlicht. Darin lesen sie die bekannten Quellen über den Beginn des Christentums neu. Können sie uns etwas darüber verraten?

Zunächst möchte ich die Gelegenheit nutzen, meiner Doktorinnenmutter Wilhelmine Küsselbecker zu danken, die mich in meinem Bemühen, die wahre Entstehung der Jesus-Gemeinschaft aufzudecken, kompetent und engagiert unterstützt hat.
Dann muss ich ihnen sagen, dass ich mit meinen Forschungen einem gewaltigen Skandal auf die Schliche gekommen bin, der alle frauenverachtender Verschleierungstatik der frühen Kirche in den Schatten stellt, die wir bisher vermutet haben.

Inwiefern?

Nun, die heutige Forschung geht davon aus, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war und diese eine große Bedeutung in der frühen Jesusbewegung innehatte, die dann später durch die paulinischen Autoren verfälscht wurde. Das stimmt aber so nicht. Denn die Bezeichnung Jesus-Bewegung ist falsch. Man muss vielmehr von Maria-Bewegung sprechen.

Wie dürfen wir das verstehen?

Nicht Jesus war der Lehrer dieser Wanderbewegung, es war Maria Magdalena. Jesus war lediglich ihr Mann.

Kaum zu glauben.

Und doch ist es wahr. Es gibt zahlreiche vermeindliche Jesus-Sprüche im Neuen Testament, die eindeutig von einer Frau stammen, da sie nicht sinnvoll vermännlicht werden konnten. Zudem ist das ganze Vater-Sohn-Verhältnis von der emotional-psychologischen Anlage für die damalige Zeit gar nicht denkbar. Ganz anders hingegen wenn man es mit der Mutter-Tochter-Beziehung vergleicht. Dann und nur dann ergibt das ganze einen Sinn, der auch in die Zeit passt. Daher können wir nicht mehr von Vater, Sohn und Heiliger Geist sprechen, sondern von Mutter, Tochter und Heiligen Geist. Denn Geist ist hebräisch weiblich und Maria Magdalena dachte den Geist weiblich.

Und die Jünger_innen?

Waren aller Wahrscheinlichkeit überwiegend weiblich. Das geht aus einigen Stellen in der Bibel hervor, wenngleich wir die genauen Verhältnisse nicht mehr beziffern können. Aber ein 80% zu 20% Anteil für die Frauen dürfte es schon gewesen sein. Ähnlich verhält es sich übrigens mit den Aposteln. Vermutlich waren lediglich drei Männer: Simon Barjona, später Petrus genannt, Johannes und Judas Iskariot. Alle übrigen dürften Frauen gewesen sein, deren Namen dann später vermännlicht wurden.

Wie kam es dazu?

Ich darf an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir sowohl in den Evangelien als auch in der Apostelgeschichte von den meisten Apostel_innen nichts konkretes hören. Selbst Andrea(s), der in den Evangelien noch eine gewisse Bedeutung hatte, kommt in der Apostelgeschichte praktisch nicht mehr vor. Lediglich Petrus und Johannes treten wirksam in Erscheinung. Das hat Gründe. Die beiden Männer in der Apostel_innenemeinschaft haben zusammen mit ihrem Kompagnon Paulus, der später hinzugestoßen ist, die Frauen systematisch weggemobbt und dafür gesorgt, das ihr Einfluss in der Urgemeinde durch die Schriften nicht mehr erwähnt wird.
Das ganze hat aber auch, so muss gesagt werden, eine soziale Komponente. Die Maria-Bewegung war eine Gruppe der Arbeiterschicht. Jesus war Zimmermann, ein kleiner Handwerker und die meisten Anhänger Jesu waren Arme. Das bestreitet heute niemand. Die führenden Köpfe der Urmeinde gehörten jedoch allesamt zum Großbürgertum. Petrus und Johannes waren Fischereiunternehmer, Paulus gehörte zur pharisäischen Bildungselite. Die Übernahme der Macht dieser Dreiergruppe in der Gemeinschaft bedeutet damit die bougeoise Okkupation einer Arbeitergemeinschaft.

Und Maria Magdalena?

War vermutlich Buddhistin oder zumindest buddhistisch angehaucht. Die Quellen legen nahe, dass Mariam von Magdala in ihren frühen Jahren als wandernde Jungfrau nach Indien getrampt ist, dort den Buddhismus studierte und später wieder nach Galiläa zurückkehrte, wo sie den abgewrackten Handwerker Jeschua kennenlernte und ihn heiratete. Anders macht es keinen Sinn, das Jesus und Maria verheiratet waren, immerhin waren sie beide homosexuell.

Moment, Jesus war homosexuell?

Stockschwul, ja. Der Jünger Johannes war sein Liebhaber. Vermutlich ist in diesem Zusammenhang der Verrat des Judas zu sehen, der gleichfalls eine Beziehung mit Jesus wollte oder sie hatte, sich aber zurückgesetzt fühlte. Das ganze war ein Eifersuchtsdrama.


Und Jesu Ende am Kreuz?

In diesem Punkt müssen wir die Autoren des Neuen Testamentes leider bestätigen. Es ist ja unvorstellbar, eine Frau zu kreuzigen. Ich gehe davon aus, dass Jesus für Maria sozusagen eingesprungen ist und den Anführer der Gruppe gespielt hat, um sie zu schützen. Allerdings können wir ausschließen, das er wirklich am Kreuz gestorben ist. Er war wohl nur scheintot und wurde von Maria wieder aus dem Grab geholt, als sich der Sturm gelegt hatte. Immerhin sind es selbst in den falschen Texten die Frauen, Maria zuerst, die das Grab Jesu besuchten.

Und was dann?

Aufgrund des Endes der Evangelien und der weiteren Entwicklungen gehe ich davon aus, dass Maria und Jesus nach der vemeindlichen Auferstehung gemeinsam nach Tibet gezogen sind, um dort den tibetischen Buddhismus zu begründen. Die Aussage, er sei zum Himmel aufgefahren, kann nur so gedeutet werden, dass sie gen Osten, also Richtung Paradies und in die Höhe, also auf eine Hochebene, gezogen sind. Eine wirkliche Himmelfahrt ist ja Unsinn.

Das klingt alles sehr fantastisch.

Ich weiss. Und ich bin mir auch bewusst, dass viele Leute mir nicht glauben werden. Aber die Quellen lassen, wenn man sie ehrlich liest, keine andere Erklärung zu. Und nicht nur die Quellen. Auch die weitere theologische Entwicklung ist nur vom skizzierten Ausgangspunkt sinnvoll verstehbar.

Ein Beispiel?

Die Verehrung der Jungfrau Maria. Der Kult um Maria als Mutter Jesu ist wirklich sehr alt. Noch so ein Punkt, wo die kirchentreue/wahrheitsverachtende Forschung bedauerlicherweise recht hat. Allerdings übersieht diese Forschung natürlich, dass es sich hierbei lediglich um einen Ersatzkult handelt. Ob Maria von Nazareth wirklich die Mutter Jesu war oder die Mutter Marias von Magdala lässt sich heute nicht mehr bestimmen. Sie kann auch eine bloße Erfindung sein oder eine Kompliation aus verschiedenen Frauen der Maria-Bewegung. Fakt ist aber: Die Jungfrau Maria wurde von der Männerhierarchie in dem Maße in den Vordergrund gestellt, indem es ihr gelang, die letzten Reste des ursprünglich weiblichen Gedankens der Bewegung zurückzudrängen. Um Maria von Magdala vergessen zu machen, ersetzten sie sie durch die Mutter Maria und konnten auf diese Weise auch weibliche Elemente im Gottesbild der Bewegung auf sie übertragen.

Das klingt sehr schlüssig. Frau Dr. Erdfrau-Witzelstein, wir danken ihnen für das Gespräch und hoffen, ihre Forschungen werden die bisherige Communis Opinio, Maria sei nur die Frau Jesu gewesen, konstruktiv herausfordern.

Die Disseration ist im Verlag Küsselbecker&Epigonen unter dem Titel "Die Mutter, die Tochter und die Heilige Geist" erschienen und kostet 6,66 Euro.

Kommentare :

  1. Hut ab. Das ist wirklich eine der besten Satiren, die ich je gelesen habe.
    Beinahe habe ich das schon für ein echtes Interview gehalten beim dem was, da schon in der letzten Zeit in den Medien veröffentlicht worden ist (Hinüberschiel zu Dan Brown).

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...