Mittwoch, 18. Juli 2012

Die jüdischen Steuern

Fortsetzung von hier

III. Jüdische Steuern

Was nun die Belastung angeht, die den in Palästina lebenden Juden durch die eigene Oberschicht auferlegt wurde, so kann man ca. 20-23% veranschlagen. Diese Recht hohe Summe kam zustande, da neben der eigentlichen Tempelsteuer noch weitere Erhebungen aufgebracht werden mussten, die größtenteils in der Zeit der Hierokratie während der Perserherrschaft entstanden sind: Das waren die Abgabe der Erstlingsfrüchte, die in der Menge nicht näher definiert war, und der erstgeborenen männlichen Tiere, die an die Priester abzutreten war, die Teighebe, die Priesterhebe, die 2% der Ernte darstellte, sowie den beiden Zehnten. Dazu kamen noch gewisse Abgaben, wir würden heute sagen Sozialabgaben, die im wesentlichen die Landwirtschaft betrafen und einen Teil des Feldes, Baumes etc. den Armen zur Ernte überließen.

Diese Belastungen aber ertrugen die Juden mehr oder weniger ohne zu klagen, zumindest aber ohne einen ausgeprägten Hass auf die dadurch Begünstigten zu entwickeln. Wie ist dies zu erklären? Hierfür müsste man die entsprechenden Abgaben mit ihrer Geschichte und ihrer Bedeutung umfassend darlegen. Da dies aber weder die Intention dieser Arbeit ist und auch ihren Umfang sprengen würde, soll hier nur die wichtigste und älteste Abgabe erläutert werden: Die Tempelsteuer.

Bei dieser Steuer handelte es sich um eine Kopfsteuer, die jeder männliche Jude über 20 Jahre zu jedes Jahr zu erbringen hatte. Ausgenommen von dieser Regelung waren die israelischen Priester im Tempeldienst. Nach jüdischen Maßeinheiten handelte es sich um einen halben Schekel, nach griechischem Maß, das damals in Palästina allgemeinen Gebrauch fand, um eine Doppel-Drachme. Dabei handelte sich um eine Summe, die ein Tagelöhner ca. in zwei Tagen verdienen konnte. Doch wie legitimierte sich diese Summe. Man muss dazu bedenken, dass sie nicht nur von den Juden in Judäa bezahlt wurde, also auf solche, gegen welche die Tempelpriester tatsächlich Sanktionen hätten erheben können. Vielmehr floss sie dem Tempel aus dem ganzen Mittelmeerraum zu. Auch Jesus und seine Jünger bezahlten sie, wie uns in Mt 17,24 berichtet wird, obwohl er als Galiläer die Tempelsteuer de jure nicht zu entrichten hatte. Seine Legitimation zog diese Steuer aus dem 2. Buch Mose 30, 11-16, nachdem es sich bei ihr um ein Lösegeld handele, dass man an Gott für sein Leben zu zahlen habe. Damit war es Teil jener Pflichten, welche der gesetzestreue Jude zu erbringen hatte, um als gerecht zu gelten. Was indes nicht hieß, dass sie als eine Art moralische Abgabe begriffen wurde. Dort, wo es der Tempeladministration möglich war, sprich in Judäa und Samaria, wurde die Tempelsteuer regelrecht eingetrieben und wer nicht zahlen konnte, der musste die Pfändung seines Besitzes hinnehmen. Daran fand auch niemand, außer vielleicht der Betroffene, etwas
Schlimmes oder Anrüchiges, wie es mit den römischen Steuern der Fall war. Denn die Tempelsteuer war nicht nur eine religiöse Verpflichtung, sie verband das jüdische Volk auch ganz real mit seinem Zentrum, dem Tempel in Jerusalem. Sie wurde als ein Opfer verstanden, dass alle Juden für das Heil des ganzen Volkes gemeinsam zu erbringen hatten und zwar unabhängig davon, wo sie sich befanden und ob die Tempelsteuer als offizielle Steuer anerkannt war. Dieses Gemeinschaftgefühl, das insbesondere die Juden in Palästina empfanden, musste den Juden ihre Rolle als auserwähltes Volk bestätigen, wenn man sich die Zahlen um das Jahr 30 herum betrachtet. Bei einer Bevölkerung von ca. 60 Millionen Menschen im römischen Reich war ca. jeder Zehnte Jude, sodass es zwischen 5-6 Millionen Juden gab, wenn davon auch nur ca. 1,25 Millionen in Palästina selbst lebten. Diese Personen erbrachten gemeinsam an Tempelsteuer und Spenden ca. 4 Millionen Drachmen jährlich auf, die an den Tempel in Jerusalem flossen. Damit hatte dieser eine der höchsten Einkommen im römischen Reich nach dem Zentralfiskus in Rom, aber erheblich weniger Ausgaben. Daneben gab es in dieser Zeit ca. 6 Millionen römische Bürger, sodass die Zahl der Juden und der Römer sich etwa die Waage hielten

Die jüdischen Steuern oder, wie wir jetzt besser sagen sollten, die jüdischen Abgaben konstituierten also ein Gemeinschaftsgefühl der Juden, vergewisserte sie als auserwähltes Volk Gottes und führte ihnen im Tempel von Jerusalem mit seinem Schatz ihre Bedeutung vor Augen. So lässt sich erklären, warum die Juden die römischen Steuern als demütigend erachteten, da sie die jüdische Unterlegenheit versinnbildlichten, während ihre eigenen Abgaben ihre Überlegenheit zum Ausdruck brachten.

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