Samstag, 21. Juli 2012

Auch der Atheismus kann fundamentalistische Züge annehmen

Volker Beck, seines Zeichens erster Betroffenheitsbeauftragter des Bundestages, hat vor kurzem etwas für ihn vollkommen Überraschendes herausgefunden:
"Auch die Weltanschauung des Atheismus kann fundamentalistische Züge annehmen."
Wirklich?
Sach bloß!

Und es geht sogar noch weiter:
"Es zeigt sich ein tiefes Unverständnis von Religion als Phänomen. Da spürt man oft eine tiefe Verletzung durch Religion. Da wird die Ausübung von Religion immer schon als übergriffig erlebt, als politischer Anspruch, wieder das ganze Leben aller bestimmen zu wollen."
Und ganz am Ende wuchtet sich Beck sogar noch zu einem fast religionsfreundlichen Grundsatz auf:
"Der religiös neutrale Staat muss aber eben beides achten: die Rechte derjenigen, die nicht an Gott glauben, und die der anderen, die an eine transzendente Größe glauben."
Da frage ich mich als geneigter Leser und Fan von Volker "die Krawallnudel" Beck natürlich, wie er das auf einmal herausgefunden hat. Die Antwort: Beck verteidigte das Recht auf Beschneidung von Jungen bei Juden und Muslimen und bekam dafür wütende Hassmails von Atheisten. Seine überraschende Zuneigung zu den Rechten von Religiösen Menschen kommt aber nicht von ungefähr, sondern ist tief in seiner eigenen Vita verwurzelt, wie er selbsr zugibt:
"Als Angehöriger einer Minderheit weiß ich, wie man sich fühlt, wenn die Gesellschaft die Rechte einer Gruppe negiert. Deshalb setze ich mich auch für Roma, Behinderte, Prostituierte und religiöse Minderheiten ein."
Die orthodoxen Rabbiner finden es sich super, mit Prostituierten auf eine Stufe gestellt zu werden. Doch erklärt sich aus dieser Aussage der wahre Grundsatz Becks: Religionen dürfen verteidigt werden, wenn sie eine Minderheit darstellen und müssen angegriffen werden, wenn sie eine Mehrheit darstellen.

Hier meine Frage an Volker Beck: Sind nicht Katholiken in der Minderheit, schließlich stellen die praktizierenden Katholiken eine kleine Minderheit dar, während praktische Atheisten und Agnostiker eine Mehrheit bilden. Folgerichtig müssten sie Atheisten angreifen und Katholiken mit Zähnen und Klauen verteidigen. Ihre Bühne, Herr Abgeordneter!

Das ganze Interview gibt es hier.

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