Mittwoch, 13. Juni 2012

Verhalten bei Verwundung durch die Sünde

"Sündige nicht mehr" weist Jesus die Ehebrecherin und uns alle an. Doch befolgen wir, oder zumindest ich, diesen Befehl nicht sehr konsequent. Nicht selten, oft, ja täglich sündigen wir auf verschiedene Weisen und in unterschiedlichen Schweregraden. Manche sind so nebensächlich, ja gering, das ich Normalo sie gar nicht bemerke und man schon das ausgeprägte Empfinden eines großen geistlichen Menschen braucht, um sie wahrzunehmen. Andere Sünden wiederum sind offensichtlich.

Doch wie damit umgehen?
Gerade wenn ich gerade gesündigt habe und es bemerke, bin ich besonders anfällig für die Einflüsterungen des Teufels, der mich in der Sünde halten will. Gerade in dieser Zeit der Schwäche ist es umso dringlicher, richtig zu handeln, um sich nicht immer weiter in die Sünde zu verstricken.

Lorenzo Scupoli hat daher dieser Zeit ein eigenes Kapitel in seinem Buch "Der geistliche Kampf" gewidmet. Ich habe es als sehr hilf- und segensreich emfpunden und möchte es daher an dieser Stelle vollständig wiedergeben:

"Fühlst du dich verwundet, weil du aus Schwachheit oder sogar mit Wissen und Willen fehltest, dann werde nicht kleinmütig und unruhig, sondern kehre auf der Stelle zu Gott zurück und sage zu ihm: "Siehe, Herr, da habe ich wieder gezeigt, was ich bin; von mir aus war ja nichts anderes als ein Fehltritt zu erwarten."
Denke etwas darüber nach und verdemütige dich vor dir selbst. Bereue die Beleidigung Gottes und verabscheue, ohne die Fassung zu verlieren, deine sündhaften Leidenschaften, namentlich jene, die dich zur Sünde führten. Und fahre dann fort: "Herr, auch hier wäre ich weiter gegangen, wenn deine Güte mich nicht zurückgehalten hätte."
Sage ihm jetzt Dank. Umfasse ihn mit noch innigerer Liebe und bewundere seine Güte, daß er dir trotz deiner Sünden seine Rechte bot, um dich vor weiterem Falle zu bewahren. Und voll Vertrauen auf seine unendliche Barmherzigkeit sprich: "Herr, zeige dich wie du bist: Verzeihe mir und laß nie zu, daß ich mich je im Leben von dir trenne; daß ich von dir weggehe und dich noch einmal beleidige." Dann aber grüble nicht mehr darüber nach, ob Gott dir auch wirklich verziehen hat oder nicht; denn es wäre nur Hochmut, Beunruhigung des Geistes, Zeitvergeudung und Hinterlist des bösen Feindes, der dich durch scheinbar gute Vorstellungen täuschen will.
Überlass dich also rückhaltlos Gottes liebevoller Vatersorge und fahre in deinen Übungen gerade so fort, als ob die gar nicht gestrauchelt wärest. Und solltest du tagsüber wiederholt fallen und verwundet werden, dann tu, was ich dir gesagt habe, mit nicht geringerem Vertrauen ein zweites, drittes und auch letztes Mal genau so wie das erste Mal. Und mit noch größerer Selbstverachtung und wachsendem Abscheu vor der Sünde gib dir Mühe, behutsamer zu wandeln. Diese Übung missfällt dem bösen Feind ungemein, weil er weiß, wie wohlgefällig sie Gott ist, und weil er sich von dem beschämt und überwunden sieht, den er vorher besiegt hatte. Darum bemüht er sich, uns durch mannigfache heimtückische Kunstgriffe davon abzuhalten, was uns leider wegen unserer Fahrlässigkeit und geringer Wachsamkeit über uns selbst vielfach gelingt. Stößt du daher auf Schwierigkeiten, dann mußt du dir noch mehr Gewalt antun, indem du diese Übungen auch bei einem einzigen Fehltritt öfters wiederholst.
Bist du nach deinem Fehler unruhig, verwirrt und verzagt, dann mußt du zuallererst den Frieden und die Ruhe des Herzens zugleich mit dem Vertrauen wieder zu erlangen trachten. Die Unruhe, die du nämlich der Sünde wegen empfindest, hat ihren Grund nämlich nicht in der Beleidigung, die du Gott, sondern in dem Schaden, den du dir selbst zugefügt hast.
Das Mittel, um diesen Frieden wiederzugewinnen, besteht darin, daß du dir für den Augenblick den Fehltritt ganz aus dem Sinn schlägst und einzig die unaussprechliche Güte Gottes betrachtest, wie er mit unsagbarem verlangen bereit ist, dir jede, auch die schwerste Sünde zu vergeben, und wie er den Sünder auf die verschiedenste Weise und auf vielerlei Wegen ruft, damit er komme und sich in diesem Leben durch die heiligmachende Gnade und im Jenseits durch die ewig beseligende Glorie mit ihm vereine.
Hast du durch solche oder ähnliche Erwägungen dein Herz beruhigt, dann führe dir deinen Fehltritt wieder vor die Seele und verfahre, wie ich es dir oben sagte. Kommt die Stunde zum Empfang des Bußsakramentes - dessen häufigen Empfang ich dir nicht genug an Herz legen kann -, dann überdenke wieder alle deine Fehltritte und bekenne sie aufrichtig deinem Beichtvater mit erneutem Reueschmerz und Mißfallen über die Gott angetane Beleidigung und mit dem Vorsatz, ihn nicht mehr zu beleidigen."  
Quelle: Lorenzo Scupoli: Der geistliche Kampf, S. 120-123.

Kommentare :

  1. Das ist sehr wertvoll, vergelt´s Gott. Das Buch war bis jetzt nicht mein Favorit, aber es lag wohl daran, dass ich es nicht richtig gelesen habe, denn die Stelle kommt mir ganz unbekannt vor.
    Ich werde es mir auf die Anregung hin wieder zur Hand nehmen.
    Sollte man meiner Erfahrung nach mit schon einmal gelesenen katholischen Büchern ohnehin immer wieder tun, man wundert sich jedes Mal, was man alles scheinbar nicht gelesen hatte.

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  2. "Sollte man meiner Erfahrung nach mit schon einmal gelesenen katholischen Büchern ohnehin immer wieder tun ..."

    Da sagst du was Wahres. Geht mir auch oft so, dass ich mich immer wieder wundere, was ich alles überlesen und nicht verstanden habe. Ich denke, das liegt daran, dass viele dieser Bücher von geistlich sehr reifen Personen geschrieben wurden, die oft in eine Tiefe des Glaubens geschrieben haben, die gerade der eher säkular erzogene Mensch oft nicht mehr wirklich wahrnimmt, sodass er erst geistlich wachsen muss, um einen besseren Geschmack zu bekommen.

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