Montag, 25. Juni 2012

Lesben und Pädophile

Man kennt das ja. Da sitze ich nichts ahnend vor meinem PC, gucke mal so in facebook rein (ja, ich bin in facebook) und scrolle so die Newsseite runter, da sehe ich wieder mal einen Post mit folgender Überschrift: "Lesbische Erzieherin darf ihren Job behalten", der sich auf einen anderen Post "Kirche will lesbischer Erzieherin kündigen" bezieht. Nun ist es ja nicht wirklich neu, das jedesmal, wenn irgendwo eine nachweislich gegen die katholische Lehre handelnde Person von der katholischen Kirche die Kündigung erhält, ein riesen Zeter und Mordio losbricht: Das geht doch nicht ... das dürfen die nicht ... alle Macht den Schwulen und Lesben ... usw. Auch nicht überraschend ist, dass solche Posts immer von den gleichen kommen - wobei ich den postenden Kommilitonen ansonsten sehr schätze. Was mich aber doch überrascht, ist, dass man ständig die gleichen Argumente hört. Ich hoffe ja immer, es fällt mal was Neues ein. Passiert aber leider nie. Daher hier mal die liebsten Klischee-Argumente und meine Antworten darauf:

Die Kirche darf niemanden feuern, der ihrer Lehre nicht entspricht.

Die Kirche ist eine primär Weltanschauungsgemeinschaft und kein Unternehmen. Und das heisst, wer den Regeln der Gemeinschaft nicht entspricht, fliegt. Gerade in Erziehungsberufen können solche Leute, so kompetent sie sicher sind, die kirchliche Lehre nicht mehr authentisch vertreten, für deren Vermittlung sie eingestellt wurden.

Die Kirche hat überhaupt kein Recht, ihre Mitarbeiter in Erziehungsberufen auf ihre Lehre festzulegen, weil die ganzen Einrichtungen vom Staat bezuschusst werden.

Da sich der Staat die Bildungshoheit angemaßt hat, ist es nur folgerichtig, dass er die Hauptlast der Kosten für das Bildungssystem trägt. In dem meisten Bildungseinrichtungen werden ja auch nur zu einem kleinen Teil religiöse Prinzipien vermittelt. Und jener Teil wird denn wesentlich durch die Kirche getragen. Wenn diese Personen die Lehren der Kirche nicht mehr authentisch vertreten können oder wollen, steht es der Kirche zu, die Beschäftigung zu verweigern, weil sie, wenn man so will, nicht mehr das erfüllen, wofür sie auch eingestellt wurden.

Staatsrecht sollte grundsätzlich über Religionsrecht stehen, denn sonst müssten wir auch allen anderen Religionen, Sekten etc. Sonderrechte gewähren. Deswegen sollen die Sonderrechte der Kirchen abgelöst werden, denn diese sind zwar derzeit gängiges Recht, nur sind sie nicht gerecht.

Wer in diesem Fall mit Gerechtigkeit gegen die Kirche argumentiert, bricht sich argumentativ den Hals: Zum einen der Umstand, dass Staatsrecht vor Religionsrecht kommt. Das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, sondern mit Bajonetten (ganz plakativ gesagt). Dann gilt es zu bedenken, dass viele Verpflichtungen des Staates gegenüber der Kirche aus einem großen Raub kommen, den er Anfang des 19. Jh. begangen hat. Und den Gewinn, der er faktisch bis heute daraus zieht hat er gerechterweise teilweise der Kirche zurückzuerstatten. Auch ist es durchaus gerecht, wenn eine Gemeinschaft, die einen substantiellen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten - und das ist bei der Kirche und ihren zahlreichen Organisationen der Fall - nicht wie jede Zeuge-Jehovas-Splittergruppe behandelt wird.

Die Kirchen haben praktisch ein Monopol im Sozial- und Erziehunsbereich, da sie hier fast 90 % der Arbeitsplätze stellen. Daher kommt ein Rausschmiss fast einem Berufsverbot gleich, was verfassungswidrig ist.

Die 90 % beziehen sich auf beide Kirchen. Meines Wissens sind die protestantischen Gemeinschaften wesentlich laxer. Halbieren wir das mal, kommen wir auf 45 % Anteil. Da kann man ja nicht von einem Monopol im eigentlichen Sinne sprechen.

Die Moral der Kirche ist fragwürdig: Eine Kindergärtnerin, die lesbisch oder wiederverheiratet oder geschieden ist, wird entlassen, weil das nicht mit der katholischen Moral zusammenpasst. Wenn dagegen ein Priester Kinder missbraucht, und das bereut, dann ist die Sache erledigt, denn dann ist es ja Vergangenheit und keine dauerhafte Sünde. Wie viele pädophile Priester wurden entlassen? Niemand. Oft wurden und werden sie sogar gedeckt. Manche Bischöfe haben diese Praxis damit verteidigt, dass sie ja aufgrund Nächstenliebe diese Priester weiterbeschäftigen würden. Kurz: Eine lebische Kindergärtnerin ist für die Kirche viel schlimmer als pädophile Priester.

Hierzu sind zwei Dinge zu sagen: 1. sagt die Argumentation im Grunde: Weil die Kirche das eine nicht (genug) ahndet, darf sie das andere auch nicht ahnden. Das wäre etwa so, als würde ein Mann, der einen Diebstal begangen hat zum Richter sagen, er dürfe ihn nicht verurteilen, dem Mörder habe er ja auch laufen lassen. 2. es geht ja nicht darum, dass die Frau lesbisch ist. Sondern es geht darum, dass sie offenbar in keinster Weise einsieht, dass sie sich damit gegen die Lehre der Kirche stellt und offen erklärt, sie finde es gut lesbisch zu sein, sie werde weiterhin in einer solchen Partnerschaft leben und überhaupt könnten die Moralvorstellungen der Kirche sie in diesem Punkt mal kreuzweise. Wenn sich ein Priester hinstellt und erklärt, er finde es gut pädophil zu sein (es soll mal Leute im Bundestag gegeben haben die fanden es diskriminierend sowas unter Strafe zu stellen), er werde das auch weiterhin praktizieren und die Moralvorstellungen der katholischen Kirche könnten ihn in diesem Punkt mal kreuzweise wär der auch schneller weg als er "Rausschmiss" sagen könnte. Wenn sich die Frau aber hinstellen und erklären würde, sie sähe ein, dass Homosexualtität gegen die Lehre der Kirche (und für alle Protestanten auch gegen die der Bibel) verstößt, sie werde nicht mehr so leben und sich fortan an die kirchlichen Gebote halten, hätten wir das Problem nicht. Dann würde ihr verziehen und fertig. Das man mit einem pädophilen Priester, der bereut und Besserung gelobt strenger verfahren sollte, da kann man drüber reden. Das hier aber Äpfel mit Birnen verglichen werden weil der eine bereut und die andere nicht, das muss schon gesagt sein. Und es ist ja nicht Aufgabe der Kirche, die Leute gnadenlos niederzuknüppeln oder ihnen alles abzusegnen, sondern ihnen eine Chance zu geben und umzukehren. Jesus hat ja auch nicht zur Ehebrecherin gesagt: Steinigung abgewendet, sündige mal schön weiter; sondern: neue Chance, sündige nicht mehr. Zusammenfassend kann man den kirchlichen Stellen natürlich Inkosequenz attestieren was die Detailsbehandlung angeht. Wenn man den moralischen Kodex an sich aber betrachtet, ist er nicht etwa fragwürdig, sondern jedem sehr zu empfehlen.

1 Kommentar :

  1. Es war nicht irgendwann, dass Politiker im Deutschen Bundestag die Pädophilie freigeben lassen wollen, oder das Schutzalter senken - das war vor wenigen Monaten wieder Thema.

    Und ja, es waren wieder die Grünen die das wollten und ja, gleichzeitig haben sie auf Priester geschimpft die Kindesmissbrauch betrieben haben.

    Templarii - recognoscere.wordpress.com

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