Donnerstag, 7. Juni 2012

Kurzkommentar zu Mt 11,29

"Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig"
Diese Stelle berührt mich ganz besonders. Hier ist Jesus Fordernder und Fördernder. Er fordert von uns, sein Joch auf uns zu nehmen und er fördert uns, indem er uns dafür wichtige Aspekte seines Beispieles zeigt. Er befielt uns nicht vorwärts, in unbekannte Regionen. Nein, er geht den Weg selber, er bereitet den Weg, den er uns zu gehen auffordert.
Und weil er die Wirklichkeit, die Begrenztheit des Menschen kennt, weil er nicht von usn verlangt, Supermänner zu sein, die alles können und alles schaffen, nennt er uns zwei wichtige Aspekte der Nachfolge: Güte und ein demütiges Herz.

Zur Güte: Gerade mit der Güte wird ja heute viel Schindluder getrieben, wie man am Ungehorsamsaufruf in Freiburg sehen kann. Güte aber bedeutet nicht, alles durchgehen zu lassen. Güte bedeutet dem Nächsten Raum für Heilung und Heiligung zu geben. Denn wie sehr leiden viele Menschen an ihren Sünden und werden sie nicht los, weil sie weder von sich noch von anderen Vergebung erfahren. Der Christ hingegen soll hier Leuchtfeuer sein. So wie ihm vergeben wurde, so soll auch er vergeben, um darin die Güte Gottes fortzusetzen und auf Christus zu verweisen. Nur durch die Güte kann echte Verzeihung, echte Vergebung und damit auch echte Befreiung wirklich werden, für uns und andere.

Das demütige Herz: Leider hat die Demut einen schlechten Klang in unserer Zeit, in der Prophilneurose ein Erfolgskriterium ist. Ein Kriterium jedoch für den weltlichen Erfolg, für die irdische Last. Die himmliche Last aber kann nur mit Demut getragen werden, nur die Demut schenkt himmlischen Erfolg. Denn in der Demut kann man sein Kreuz tragen als Auftrag Gottes, kann erdulden und kann sich selbst klein machen, ohne daran zu zerbrechen. Der wahrhaft Demütige ist nicht feige oder hündisch, nicht ängstlich und nicht selbstvergessen. Vielmehr ist er selbstbewusst, weil er sich selber einzuschätzen weiss und mutig, weil er im Bewusstsein seiner Schwäche auf Gott vertraut.

Und ein letztes: Beide Punkte beeinflussen sich, ja sie bedingen sich sogar. Nur wer wahrhaft demütig ist, kann auch wirklich gütig sein und nur wer wirklich gütig ist, ist auch demütig. Denn wer seine eigenen Schwächen kennt, wer sich seiner Abhängigkeit, seiner Angewiesenheit auf die Güte Gottes und der Menschen bewusst ist, wird auch mit anderen gütig sein, weil er weiterschenkt, was er selbst erfahren hat. Und so ist die Güte ein Kriterium der Demut. Denn wer nicht gütig ist, dem fehlt es an Demut, dessen Demut ist tot und wirkungslos. Wie kann ich streng sein zu einem anderen, wie kann ich mich ihm gegenüber gnadenlos erweisen, wenn ich selbst die Gnade brauche? Dann habe ich weder das Wesen der Gnade verstanden noch die Wahrheit über meine eigene Bedürftigkeit akzeptiert und bin damit nicht demütig.

Aus einem demütigen Herzen aber fließt ein gütiges Handeln. Diese beiden, Demut und Güte, zu leben, mit ihnen zu leben, sie zu erfüllen, ist Nachfolge Jesu, ist das leichte Joch des Himmels tragen.

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