Sonntag, 10. Juni 2012

Kurzkommentar Mt 24,45-51

"Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.  Wenn aber der Knecht schlecht ist und denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht!, und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, wenn er mit Trinkern Gelage feiert, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Heuchlern zuweisen. Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen."
Welcher Knecht bin ich? frage ich mich immer, wenn ich diese Stelle lese. Ich würde gerne sagen, ich sei der erste, der kluge Knecht. Doch wenn ich mein Verhalten betrachte, entspricht diese Vorstellung nur bedingt der Realität. Bin ich immer beschäftigt, Gott zu dienen, seinem Wort zu erfüllen? Denn nichts anderes bedeutet ja dieses Wort Gottes. Denn ich weiss ja nicht, wann der Herr wiederkommt. Niemand tut das, wie Jesus selbst sagt. Das bedeutet, Gottes Wiederkunft immer zu erwarten. Aber so dramatisch, so universal muss es ja nicht mal sein. Manchmal denke ich mir, was wäre, wenn du jetzt vor den Richterstuhl Gottes treten musst? Passieren kann schließlich immer was. Man geht über die Straße und bumm, wird man überfahren. Man ist eine Erbse und erstickt dran. Und dann, dann steht man vor Gott. Soll ich sagen, ich hätte damit nicht gerechnet und wolle noch ne zweite Chance? Die Nummer zieht nicht, wie die Schrift lehrt. Nein. Immer muss ich bereit sein, vor das Angesicht meines Schöpfers zu treten, um als kluger Knecht gelten zu können.

Doch finde ich mich mehr im schlechten Knecht wieder. Wie oft denke ich, dass Gott micht jetzt schon nicht vor seinen Richterstuhl ruft. Da kann ich es ja noch ein bisschen, also nur ein bisschen, nicht so genau nehmen. Macht doch nichts. Hab doch noch Zeit. Später, ja später werde ich sicher ein ganz heiligmäßiger Christ. Aber heute noch nicht. Morgen, ganz bestimmt.
Und die Erfahrung bestätigt diese Haltung ja auch. Wir sterben ja nicht und der Herr lässt sich mit seiner Wiederkunft auch Zeit. Also scheint die Position doch gut zu funktionieren.
Und doch ist es eine außerordentlich dumme Haltung. Denn der Herr wird ja nicht nur irgendwann final kommen. Der Herr ist auch schon längst da. Ein Interviewbuch mit Thomas von Aquin trägt den Titel: Ist Dummheit Sünde? Eine weitere Frage ist, ob Sünde Dummheit ist?
Ja! Ganz klar. Ein Beispiel: Wenn ein Mann fremd geht und er sich mit seiner Geliebten im Ehebett tummelt, in dem zur gleichen Zeit seine Frau liegt, wie nennt man das? Dummheit!
Und genau so ist es mit uns. Der Herr ist schon da, er sitzt sozusagen neben uns und wir sündigen fröhlich weiter. Denn noch müssen wir ja nicht vor Gericht. Dummheit ist das, nichts anderes!

Das Ergebnis dieser Überlegungen muss eigentlich gar nicht mehr dargelegt werden. Ja, es wird von Jesus sogar in einem Wort kurz zuvor überdeutlich gesagt: "Darum haltet auch ihr euch bereit!" (Mt 24,44) Jesus fordert uns auf, bereit zu sein, vor Gott zu treten. Jederzeit. Immer sollen wir uns so verhalten, als könnte der Herr gleich wiederkommen, ja, als wäre er schon da. Denn genauso ist es ja auch. Dabei dürfen wir uns auch nicht darauf herausreden, dass Gott doch ein liebender Gott sei und uns schon nicht verurteilen wird. Vergleicht nicht Jesus selbst Gott mit einem strengen Herrn (Mt 25,14-30)? Sicher, wir können auf die Güte Gottes vertrauen, ja wir müssen es sogar, da wir gar nicht dazu in der Lage sind, Gottes Gebote ganz zu erfüllen und immer bereit zu sein. Zumindest nicht aus eigener Kraft. Doch trotzdem sind wir zur Umsicht aufgerufen und dazu, alles zu tun, was wir vermögen; besser, das wenige zu tun, was wir vermögen, um uns auf die Ankunft Gottes vorzubereiten. Sicher, wir werden fallen und wir werden nicht immer bereit sein. Aber wenn wir es nicht mal versuchen, wenn wir nach dem Motto leben: "Wird schon gut gehen" sind wir wie der schlechte Knecht. Und was mit dem passiert, das wissen wir. Mühen wir uns also, das wir dem Kampfplatz als Sieger verlassen (1 Kor 9,24ff). Beten und ringen wir darum, immer bereit zu sein vor Gott zu treten, damit er sagen wird: "du bist ein tüchtiger und treuer Diener ... Komm, nimm Teil an der Freude deines Herrn" (Mt 25,23).

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