Donnerstag, 28. Juni 2012

Der Hl. Antonius über den Glauben

"Dies ist schon, wenn man nur zusieht, Beweises genug! Ihr stützt euch aber doch auf eure Fertigkeit im Beweisreden; ihr habt diese Kunst, und deshalb wollt ihr, daß auch wir Gott nicht ohne den Wortbeweis verehren. Sagt ihr nun zuerst: Wie lassen sich die Dinge und besonders die Gotteserkenntnis genau erfassen, durch Beweisreden oder durch tätigen Glauben? Was ist zuerst vorhanden, der wirksame Glaube oder der Wortbeweis? ...
Ihr habr wohlgesprochen, denn der Glaube kommt aus einer bestimmten Verfassung der Seele, die Dialektik (hier: die Überzeugungskunst) aber geht aus der Kunst ihrer Urheber hervor. Die also, welche den wirksamen Glauben haben, brauchen den Wortbeweis nicht, er ist vielmehr gar überflüssig. Was wir durch den Glauben wissen, das versucht ihr durch Worte aufzubauen; oft könnt ihr aber gar nicht sagen, was wir meinen. Die Tat durch den Glauben ist besser und kräftiger als eure sophistischen Syllogismen (hier: herbeigeredete Vernunftschlüsse). ...
Das Geheimnis von uns Christen liegt also nicht beschlossen in der Weisheit heidnischer Vernünfteleien, sondern in der Kraft des Glaubens, der uns von Gott durch Jesus Christus gewährt worden ist. Und das die Verkündigung wahr ist, sehet jetzt, wir glauben an Gott, obwohl wir keine Bildung haben, indem wir aus seinen Werken seine Fürsorge für alles erkennen. Und das unser Glaube wahr ist, sehet jetztm wir stützen uns auf den Glauben an Christus, ihr aber auf sophistische Wortstreitigkeiten. Eure Scheinbilder der Götter werden vernichtet, unser Glaube aber breitet sich überall aus. Ihr könnt trotz eurer Syllogismen und Sophismen nicht vom Christentum zum Heidentum bekehren; wir aber, die wir den Glauben an Christus lehren, wir nehmen euch die Götterfurcht, da alle erkennen, daß Christus Gott und der Sohn Gottes ist. Ihr hindert durch eure Schönrederei die Lehre Christi nicht; wir aber verfolgen im Namen des gekreuzigten Christus alle Dämonen, die ihr wie Götter fürchtet. Wo das zeichen des Kreuzes aufgerichtet wird, da schwindet der Zauber, und die Geheimmittel haben keine Kraft mehr."
Quelle: Görg: Die Wüstenväter, S. 94ff.

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