Mittwoch, 27. Juni 2012

Der Hl. Antonius an die Weisen

"Was ist schöner, sich zum Kreuze zu bekennen oder Ehebruch und Knabenschändung euren sogenannten Götter anzudichten? Denn was wir verkünden, ist ein Zeichen von Mut und ein Beweis unserer Todesverachtung; das eure aber sind Leidenschaften der Ausschweifung. Ferner, was ist besser, zu sagen, daß das Wort Gottes sich nicht wandelte, sondern als der in sich gleiche zur Errettung und zum Wohle der Menschen einen menschlichen Leib annahm, damit er durch seine Teilnahme an der menschlichen Geburt den Sterblichen zum Anteil an der göttlichen und geistigen Natur verhelfe, oder in unvernünftigen Wesen das Göttliche nachzuahmen und deshalb vierfüßige Tiere zu verehren, Schlangen und Abbilder von Menschen? Denn dies sind die Gegenstände eurer Verehrung, eurer, der Weisen. ...
Was aber das Kreuz angeht, was heißt ihr wohl vorzüglicher, das Kreuz zu tragen, wenn die Schlechten eine Verfolgung erregen, und keine Art des drohenden Todes zu fürchten, oder zu fabeln von den Irrfahrten des Osiris und der Isis, von den Nachstellungen des Typhon, der Flrucht des Krokjos und dem Auffressenb der Kinder und der Ermordung des Vaters? Denn dies sind eure weisen Lehren. Wie kommt es aber, daß ihr zwar über das Kreuz spottet, aber auch nicht verwundert über die Auferstehung? Denn die, welche dieses lehrten, haben auch jenes geschrieben. Oder weshalb schweigt ihr, wenn ihr euch an das Kreuz erinnert, von der Auferstehung der Toten, von den Blinden, die sehend geworden, von den Lahmen, die geheilt wurden, von den Aussätzigen, diee Reinigung erlangten, von dem Wandel über das Meer, von den übrigen Zeichen und Wundern, welche Christus nicht mehr als Menschen, sondern als Gott zeige? Es will mir scheinen, als ob ihr euch selbst großes Unrecht tut und daß ihr euch mit unseren Schriften nicht sorgfältig beschäftigt habt. Leset sie also und sehet, daß das, was Christus vollbracht hat, ihn als einen Gott kennzeichnet, der gekommen ist zum Heil der Welt. ... 
Wenn ihr auch, weil die Schöpfung schön ist, euch diese Ansicht zurechtgemacht habt, so hätte es doch genügt, bei der bloßen Bewunderung zu bleiben, nicht aber die Geschöpfe zu vergöttlichen, damit ihr nicht die Ehre, welche dem Demiurgen (hier: Weltschöpfer) gebührt, geschaffenen Dingen erweiset. Denn sonst ist es soweit, daß ihr die Wertschätzung des Baumeisters auf das von ihm errichtete Haus übertaget oder die des Feldherrn auf den Soldaten."
Quelle: Görg: Die Wüstenväter, S. 91-94.

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