Sonntag, 17. Juni 2012

Das Zölibat in der Lehre der alten Kirche

Wie du bereits festgestellt hast, deutet die Hl. Schrift das Zölibat zwar an und empfiehlt die eheliche Enthaltsamkeit an verschiedenen Stellen, schreibt es aber nicht explizit vor. Doch bedeutet das nicht, dass man es halten kann wie man es gerade will. Vielmehr gilt es der Frage nachzuspüren, welche Position die Väterkirche in diesem Punkt eingenommen hat. Denn aus der Praxis der frühen Kirche lassen sich Schlussfolgerungen auf die Lehren der Apostel ziehen, von denen uns die Bibel ja nur eine Auswahl der Wichtigsten bietet, da die Kirche die autentische Interpretin der Hl. Schrift und die Bewahrerin der apostolischen Überlieferungen ist.

Eine erste Bestimmung über das Zölibat der Priester lässt sich für das Konzil von Elvira (310) nachweisen. Dessen Kanon 33 lehrt: "Über die Bischöfe und Altardiener, dass sie sich nämlich ihrer Ehefrauen enthalten: Man stimmt in dem vollkommenen Verbot überein, das für Bischöfe, Priester, Diakone, d.h. für alle Kleriker, die im Altardienst stehen, gilt, dass sie sich ihrer Ehefrauen enthalten und keine Kinder zeugen; wer aber solches getan hat, soll aus dem Klerikerstand ausgeschlossen werden." Aufgrund des Charakters der Synode als Erneuerungskonzil kann man begründetermaßen davon ausgehen, dass Elvira hier auf eine bereits bestehende Bestimmung rekurriert. Das wir bis dahin keine entsprechenden Bestimmungen kennen, hat mehrere Gründe: Zum ersten wurden Bestimmungen in der frühen Kirche sowohl mündlich als auch schriftlich weitergegeben (2 Thess 2,15). Zum zweiten eine dürftige Quellenlage für die ersten drei Jahrhunderte der frühen Kirche gerade im disziplinären Bereich, dem das Zölibat zuzurechnen ist. Zum dritten und damit zusammenhängend unterlag das Christentum im 4. Jh. einem großen Wandel. Hatte es sich zuvor um eine Religion einer kleinen Minderheit gehandelt, die entsprechend streng ihr Christentum gelebt hat, so wuchs das Christentum unter der Herrschaft Konstantins schnell zu einer Religion für eine größeren Bevölkerungsteil. Das hatte zur Folge, das disziplinarische Probleme, die vorher durch die kleinen Gemeinden und eine hohe Sozialdisziplin aufgefangen wurden, nunmehr kirchenrechtlich festgeschrieben werden mussten, um den Standard zu halten.

Auch das 2. Afrikanische Konzil von Karthago (390) hält im 2. Kanon fest: "Dass die Keuschheit von den Leviten und Priestern behütet werde: (Es ist) angebracht, dass die heiligen Vorsteher und Priester Gottes sowie die Leviten oder alle, die den göttlichen Sakramenten dienen, in allem enthaltsam sind (...) damit so, was die Apostel gelehrt haben und was ein alter Brauch bewahrt hat, auch wir behüten. Einstimmig sagten darauf die Bischöfe: Wir alle sind uns darüber einig, dass Bischof, Priester und Diakon, die Schützer der Keuschheit, sich auch selbst ihrer Ehefrauen enthalten, damit in allem und von allen, die dem Altare dienen, Keuschheit beobachtet werde."

Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass die sexuelle Enthaltsamkeit des Priesters damals bereits die Regeln war. Zwar gab es Priester, die vor ihrer Weihe verheiratet waren – auch der Apostel Petrus muss ja verheiratet gewesen sein – aber sich nach ihrer Weihe des sexuellen Verkehrs enthalten mussten.

Gleiches bestätigte eine weitere afrikanische Synode (419), die erklärte: „Als über die Nichtenthaltsamkeit ihren eigenen Ehefrauen gegenüber von Seiten einiger Kleriker, obwohl sie nur Lektoren waren, berichtet wurde, hat man beschlossen, was auch in verschiedenen Konzilien beschlossen wurde: Die Subdiakone, die die heiligen Mysterien berühren, und die Diakone, die Priester und auch die Bischöfe müssen sich, auf Grund der für sie geltenden Bestimmungen, auch der eigenen Ehefrau enthalten, so dass sie als solche gelten, die keine besitzen. Wenn sie sich nicht daran halten, müssen sie aus dem kirchlichen Dienst entfernt werden. Die übrigen Kleriker werden aber nicht dazu angehalten außer in reiferem Alter.“ Hieraus kann man ersehen, dass die Synode auf ältere Dokumente rekurrierte, die uns heute verloren gegangen sind.

Das es sich nicht um eine Sonderregelung der afrikanischen Kirchen handelte, bezeugt Papst Siricius (386), der betont, dass es sich bei den Enthaltsamkeitsbestimmungen nicht um Neuerungen handelte, sondern um Bestimmungen der Apostolischen Väter.

Weitere Beispiele könnten angeführt werden. Aber ich denke, es ist klar geworden, dass die frühe Kirche die priesterliche Enthaltsamkeit zum apostolischen Gut zählte. Das Zölibat im klassischen Sinne entstand dann aus der sinnvollen Überlegung, bevorzugt unverheiratete Männer zu Priestern zu weihen, da diese weniger gefährdet waren, gegen die Enthaltsamkeitsbestimmungen zu verstoßen. Zudem nahm seit dem 5. Jh. die Zahl der Konvertiten im Verhältnis zu den im christlichen Milieu Aufgewachsenen erheblich ab, wodurch die Zahl jener Männer, die schon in jungen Jahren zu Priestern geweiht wurden, erheblich zunahm und diese waren in der Regel unverheiratet. Allerdings haben beide Formen des Zölibats – also der Unverheirateten und der Verheirateten – in der Westkirche lange Zeit nebeneinander bestanden. Erst im 11. und 12. Jh. fand die kirchenrechtliche Entwicklung ihren weitgehenden Abschluss mit der grundsätzlichen Vorschrift, dass ein Priester ehelos leben müsste und auch nicht verheiratet sein dürfte.

Kommentare :

  1. Danke für die ausführliche Darstellung. Möcht ich doch gleich "Siehste!" rufen! Da meint man, es wäre jemand gebildetes, wenn man gesagt kriegt, das hmpf der Zölibat wurde im 11. Jahrhundert 'erfunden', dabei ist ein großer Teil Kirchengeschichte dann unbeachtet geblieben.

    Nun können wir nicht alle Studierte der Theologie sein. Aber es ist doch schade, wieviel katholische Bildung nicht präsent ist.
    Ich bilde mich auf jeden Fall weiter.

    Dankeschön auch fürs Verlinken!
    Viele Grüße von der Pilgerin Huppicke

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