Montag, 18. Juni 2012

Das Zölibat als Merkmal des spezifischen Priestertums

Im katholischen Verständnis unterscheidet man das allgemeine Priestertum der Gläubigen und das spezifische Weihepriestertum. Grundsätzlich ist nicht jeder Mann und jede Frau berufen, zölibatär zu leben. Auch diejenigen, die in einer Ehe leben und sexuell aktiv sind können ja selbstverständlich Christus nachfolgen, in dem sie das ihre zur Verwirklichung des Reiches Gottes tun und gemäß ihrem Stand ein christliches Leben führen. Auch zur Zeit Jesu und der Apostel haben sich ja nicht alle Anhänger Jesu bzw. alle Christen zu 100 % in den Dienst der Gemeinde gestellt. Die große Mehrheit dürfte ihr altes Leben im Wesentlichen weitergeführt und nur soweit geändert haben, wie es den Maßgaben ihrer neuen Religion entsprach. Zugleich erfahren wir aber bereits in der Schrift die Herausbildung eines eigenen Standes, der besonders zum Dienst an der Gemeinde berufen war. Hier sind natürlich zuerst die Apostel zu nennen, dann die von ihnen berufenen Diakone (Apg 6,1-7), später die Presbyter (Tit 1,5-9) der neuen Gemeinden im Reich und deren Vorsteher, die Episkopi (1 Tim 3,1-7) – die Bischöfe – die von den Aposteln ihre Weihe empfingen. Für diese Gruppe galt im besonderen, was der Apostel Paulus schreibt: „Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes.“ (1 Kor 4,1) und „An Christi Statt walten wir des Amtes. Gott selbst ist es, der durch uns mahnt. An Christi Statt bitten wir: Lasst euch mit Gott versöhnen.“ (2 Kor 5,20). Für diese Gruppe gilt also eine spezielle Berufung. Hierüber lehrt der Apostel: „Ich wünschte, alle Menschen wären (unverheiratet) wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.“ (1 Kor 7,7).

Das verweist uns auf einen weiteren Aspekt: Das Priester-Sein als spezifisches Charisma: An verschiedenen Stellen der Heiligen Schrift weist der Herr seinen Aposteln und über sie ihren Nachfolgern bestimmte Funktionen innerhalb seiner Kirche zu. Deren Wichtigste sind die Lehre, die Mission, die Taufe und die Hl. Eucharistie. Mit diesen Funktionen übernehmen die Apostel quasi die funktionale Position Christi. Um dies zu veranschaulichen spricht die Heilige Kirche vom Priestertum, das sich vom einzig wahren Hohepriester Jesus Christus ableitet. Nicht so, dass das Priestertum der Kirche das Priestertum Jesu ersetzen würde. Sondern in dem Sinne, dass sich das Priestertum Christi als dem Haupt der Kirche im konkreten Priestertum inkarniert. Dabei verhält sich das Priestertum des konkreten Priesters zum Hohepriestertum Christi wie das Spiegelbild zum gespiegelten Objekt. Es ist nur insoweit wirklich, als es die Wirklichkeit des Objektes wiedergibt, besitzt aber kein Wesen aus sich selbst. So ist auch das kirchenamtliche Priestertum nur Widerspiegelung des Hohepriestertums Christi. Und so wie es von einem Objekt unendlich viele Spiegelungen geben kann, so kann auch das Hohepriestertum sich in unendlich vielen Priestern widerspiegeln.

Kommentare :

  1. Und nicht zu vergessen: Auch Eheleute leben die meiste Zeit zölibatär!

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  2. "Es ist nur insoweit wirklich, als es die Wirklichkeit des Objektes wiedergibt, besitzt aber kein Wesen aus sich selbst."

    Ah.
    Weißt du. Ich denke gerade: Gut, dass ich hier lesen kann.

    Danke.

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