Samstag, 19. Mai 2012

Schweigend tätig sein

"Der Altvater Isaak erzählte: Als ich noch jünger war, lebte ich beim Altvater Kronios. Niemals trug er mir eine Arbeit auf, obwohl er ein zittriger Greis war. Er wachte von selber auf und Bot mir und ebenso anderen den Becher. Auch beim Altvater Theodor von Pherme ließ ich mich nieder, und auch er gab mir keinen Auftrag. Seinen Tisch bestellte er selber und sagte: "Bruder, wenn du willst, komm her und iß!" Ich sagte zu ihm: "Vater, ich bin zu dir gekommen, um einen Gewinn zu haben. Warum sagst du mir nicht, ich solle etwas tun?" Der Greis schwieg sich gänzlich aus. Ich ging weg und teilte es den Alten mit. Da gingen die Greise zu ihm und sprachen zu ihm: "Vater, der Bruder kam zu seiner Heiligkeit, um einen Nutzen zu haben, und warum sagst du ihm nicht einmal, was er tun soll?" Der Greis sagte darauf zu ihnen: "Bin ich denn ein Klostervorsteher, dass ich ihm eine Ordnung vorschreibe? Gegenwärtig habe ich ihm nichts zu sagen, aber wenn er will, kann er tun, was er mich tun sieht." Von da an kam ich ihm zuvor, wenn der Greis etwas wollte, und tat es. Wenn er aber etwas tat, tat er es mit Schweigen. Und das hat er mich gelehrt: schweigend tätig zu sein!" 

Quelle: Weisungen der Väter, Spruch 373.

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