Dienstag, 8. Mai 2012

Pius XII. über die Pfarrerinitiative

Heiliger Vater, in Österreich hat sich vor geraumer Zeit eine Pfarrerinitiative gegründet, die einen Aufruf zum Ungehorsam erlassen hat. Was sagen sie dazu?

Klerus und Laien mögen wissen, daß die Kirche berufen und befähigt ist und daß innerhalb der allgemeinen geltenden Grenzen des Rechtes auch die Orts-Ordinarien, jeder für die ihm anvertrauten Gläubigen, berufen und befähigt sind, die kirchliche Lebensordnung festzusetzen und auf ihre Einhaltung zu dringen. Es ist dem Klerus und den Laien nicht erlaubt, sich dieser Ordnung zu entziehen; alle müssen sich vielmehr befleißigen, daß durch treue Einhaltung der kirchlichen Lebensordnung die Tätigkeit des Hirten sich leichter und wirksamer gestalte, die Verbindung zwischen der Herde und dem Hirten sich festige, in derselben Herde ein friedliches Zusammenleben herrsche, daß der eine dem andern Beispiel und Stütze sei.

Die Pfarrerinitiative behauptet unter anderem, die Kirche sei auch deshalb reformbedürftig, weil sie die Laien unterdrücken würde. Wir sind da anderer Meinung. Können sie uns hier einen Rat geben?

Euer Auftreten muss eine schlagende Antwort auf die Verleumdungen der Gegner sein, welche die Kirche anklagen, sie halte eifersüchtig die Kirche am Gängelband, ohne ihnen irgendeine persönliche Tätigkeit zu erlauben, ohne ihnen in ihrem Bereich eine eigene Aufgabe zuzuweisen. Das ist keineswegs, das war niemals ihr Verhalten.

Und doch behauptet diese Initiative im deutschen Sprachraum genau das. Gibt es, sei es aus der Gegenwart oder der Geschichte Deutschlands, Beispiele, die zeigen, dass sie sich irrt?

Wenn Ihr so schöne Erfolge erringen, die katholische Stellung verbessern, festigen und vervollkommnen konntet zum Nutzen Eures lieben Vaterlandes, - ist das nicht zum guten Teil die Leistung der aktiven Rolle, welche die katholischen Laien spielten? Ist es daher nicht ebenso lächerlich wie gehässig, den Klerus zu beschuldigen, er halte die Laien in einem demütigen Zustand der Untätigkeit nieder? Gehe es um Familien- Schul- und soziale Fragen, gehe es um Wissenschaft oder Kunst, um Literatur und Presse, um Rundfunk oder Kino; gehe es um politische Kämpfe zur Wahl der gesetzgebenden Körperschaften oder zur Abgrenzung ihrer Machtvollkommenheiten und ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse, - überall öffnet sich den katholischen Laien ein weites und fruchtbares Tätigikeitsfeld.

Heiliger Vater, welches Modell des Zusammenspiels von Hierarchie, Pfarrern und Laien würdet ihr entwerfen, gerade im Blick der steigenden Notwendigkeit eines Apostolats in Europa und Deutschland?

Ganz allgemein ist bezüglich der Apostolatsarbeit zu wünschen, daß das herzlichste Einvernehmen zwischen Priestern und Laien herrsche. Das Apostolat der einen ist keine Konkurrenz für das der andern. Offen gestanden, gefällt Uns da der Ausdruck "Emanzipation der Laien", den man hie und da hört, nicht sehr. Er hat einen unerfreulichen Klang; er ist zudem geschichtlich ungenau. Waren denn jene großen Führer, auf die Wir angespielt haben, als Wir von der katholischen Bewegung der letzten fünfhundert Jahre sprachen, etwa Kinder, Minderjährige, die warten mußten bis zu ihrer Großjährigkeit? Im übrigen werden im Reiche der Gnade alle als Erwachsene betrachtet. Und darauf kommt es an. Der Aufruf zur Hilfe der Laien ist nicht die Folge eines Versagens des Klerus gegenüber der gegenwärtigen Aufgabe. Daß es Fälle des Versagens gibt, liegt in der unvermeidlichen Schwäche der menschlichen Natur, und man trifft es auf der einen wie auf der andern Seite. Allgemein gesprochen aber hat der Priester ebensogute Augen wie der Laie, um die Zeichen der Zeit zu erkennen, und sein Ohr ist nicht weniger empfindlich, um das menschliche Herz abzuhorchen. Der Laie ist zum Apostolat berufen als Mitarbeiter des Priesters, häufig als sehr wertvoller und selbst notwendiger Mitarbeiter aufgrund des Mangels an Priestern, die, wie wir schon sagten, zu wenig zahlreich sind, um allein ihre Aufgaben erfüllen zu können.

Und doch lehnt es die Kirche ab, wenn die Pfarrerinitiative priesterlose Eucharistiefeiern fordert, um dem Priestermangel zu begegnen.

Kann man behaupten, daß alle gleicherweise berufen sind? Gott hat weder allen die Möglichkeit noch die Eignung dafür gegeben.

Wie anders kann aber der momentane Priestermangel auch und gerade mit Hilfe der Laien überwunden werden?

Wir denken an all die hervorragenden Laien, die in den Gebieten, in denen die Kirche wie in den Jahrhunderten des ersten Christentums verfolgt wird, nach besten Kräften die eingekerkerten Priester ersetzen und selbst unter Lebensgefahr in ihrem Umkreis die christliche Lehre verkünden, im religiösen Leben und in der rechten, katholischen Denkart unterweisen, zum Besuch der Sakramente und zur Praxis der Andachtsübungen, besonders der Verehrung der allerheiligsten Eucharistie anleiten.

Ein abschließendes Wort?

Alle Gläubigen ohne Ausnahme sind Glieder des mystischen Leibes Christi. Daraus folgt, daß das Naturgesetz und noch dringlicher das Gesetz Christi es ihnen zur Pflicht macht, das gute Beispiel eines wahrhaft christlichen Lebens zu geben: "Wir sind vor Gott Christi Wohlgeruch unter denen, die gerettet sind, und unter denen, die verloren gehen". Auch sind alle, und heute mehr denn je, dazu verpflichtet, beim Gebet und Opfer nicht nur an ihre privaten Nöte zu denken, sondern auch an die großen Ziele des Reiches Gottes in der Welt gemäß dem Geist Gottes des Vaterunsers, das Jesus Christus selbst uns gelehrt hat.

Quelle: Soziale Summe Pius XII.

Kommentare :

  1. Sehr gut, vergelt´s Gott, MC!

    Ich würde der Pfarrerinitiative eine Soziale Summe Pius XII. spendieren, wenn ich wüsste, dass dann darin gelesen wird.

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  2. Wir können ja zusammenlegen.

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