Dienstag, 1. Mai 2012

Pius XII. Der letzte Stellvertreter

In seinem Buch versucht Oschwald weniger den Papst zu bewerten, sondern vielmehr sein Handlungen aus der Zeit und deren Denken zu erklären. Damit unterscheidet sich das Buch wohltuend von dem Gut-Böse-Schema, an dem viele Darstellungen dieses großen Papstes so leiden. Besonderen Wert legt Oschwald dabei auf die Kindheit Eugenio Pacellis im Rom des ausgehenden 19. Jahrhunderts sowie seiner Erfahrungen während seiner frühen Jahre in Deutschland. Daher sieht er den Papst wesentlich von einem ausgeprägten pianischen Zeitgeist eines klerikalen Milieus und einem ausgeprägten Antikommunismus geleitet. Einen Antisemitismus spricht er ihm aber ebenso frei wie eine Sympathie zum Nationalsozialismus. Von daher bemüht sich der Autor sichtbar um wissenschaftliche Distanz zu seinem Thema, was ihm auf weite Strecken auch gelingt. Lediglich an einigen wenigen Stellen, wenn er ins allzu Spekulative kommt, muss das Buch vom historischen Standpunkt kritisiert werden. Das Leitwort vom letzten Stellvertreter ist dabei Aufhänger und Schlusspunkt der Darstellung. Für Oschwald ist Pius der letzte und in seiner Autoritätsfülle nie erreichte Papst des konstantinischen Zeitalters, der sich aufgrund seiner Einzigartigkeit jeden wissenschaftlichen Urteils entzieht.

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