Montag, 21. Mai 2012

Küsselbeckers Katholikentag

Im Gespräch heute mit Frau Prof. Dr. Dr. Wilhelime Küsselbecker, die uns ihre Eindrücke vom Katholikentag schildert.

Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, wir danken ihnen sehr, dass sie die Zeit für uns gefunden haben. Sie waren ja am Wochenende auf dem Katholikentag in Mannheim. Wie fanden sie es denn?

Nun, wissen sie, grundsätzlich war ich nicht so begeistert.

Warum nicht?

Fangen wir mal bei dem Namen an: Mannheim. Ich finde es schon ziemlich dreist, einen Katholikentag in einer Stadt mit einem solchen Namen abzuhalten. Als Frau fühlte ich mich schon bei der Ankunft unheimisch und zurückgewiesen. Des weiteren handelt es sich bei einem Katholikentag ja eigentlich um eine Veranstaltung von Laien für Laien. Ich finde da haben Priester und vor allem Bischöfe gar nichts verloren. Zudem hat mir das Motto nicht gefallen: Einen neuen Aufbruch wagen. Das finde ich so negativ. Das verschreckt doch viele Katholiken, die wie ängstliche Lämmer nichts wagen wollen und können. Denen muss man etwas deutlicher klar machen, wo der Weg lang geht. Deswegen hätte ich als Thema bevorzugt: Einen neuen Aufbruch machen. Aber mich fragt ja leider keiner.

Was uns allen vollständig unverständlich ist. Denn sie haben natürlich vollkommen recht. Wie fanden sie denn das Veranstaltungspogramm?

Na ja, ich war um ehrlich zu sein doch sehr entäuscht. Zum einen waren mir viel zu viele Messen mit Priestern dabei. Denken sie sich sowas: Zollitsch, diese ultrakonservative Giftspritze, durfte eine Messe im Schlosshof halten. Schrecklich! Ich habe sogar gehört, es habe auf dem Katholikentag eine vorkonziliare Messe geben. Können sie sich das vorstellen? Das wäre so, als würde man auf einem Kommunistischen Parteitag Werbung für die Deutsche Bank machen. Des weiteren muss gesagt werden, dass das Programm sich entschieden zu wenig mit den drängenden Problemen der Jesus-Gemeinschaft beschäftigt hat. So gab es kaum Veranstaltungen über Frauenpriestertum, die Gleichberechtigung der Laien, eine demokratische Reform der Kirche und die Ökumene.

Aber es gab doch solche Veranstaltungen?

Ja schon. Aber nicht mit mir! Haben sie mal die Flachpfeifen gesehen, die da die Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen schmeißen. Da muss man ja papsttreu werden bei dem Personal. Zudem wurde den Besuchern mitunter tatsächlich eine Wahl geboten! Eine Wahl! Laien, die keine Ahnung haben was Jesus gewollt hätte, solchen Menschen wird z.B. auf Podiumsdiskussionen über die hierarchische Entwicklung der Kirche tatsächlich erzählt, dass es noch eine andere Meinung gibt als die, dass die demokratische Grundlegung Jesu von einer Kammarilla aus machtgeilen Fischern und stupiden pharisäischen Apparatschniks in einer großangelegten Verschwörung zerstört und auf das heutige autoritäre System umgedreht wurde. Wie sollen die denn damit umgehen? Sowas kann man doch nicht machen! Man muss ihnen ganz einfach und ganz klar sagen, was wahr ist und was nicht. Meinungsaustausch hilft da nicht.

Und was vor ihnen Gnade gefunden?

Nun, wie gesagt, das meiste war nicht so wirklich gut. Aber ich fand, es gab doch durchaus ein Paar gute Ansätze. Zum Beispiel gab es am Donnerstag einen Ledergürtelherstellungskurs. Das fand ich sehr interessant und habe mir auch gleich einen gemacht. Auch den Henna-Tattoo-Kurs fand ich gut.
Leider muss ich jedoch bemängeln, dass viele im Grunde anständige Veranstaltungen durch die fachliche Inkompetenz der Referentin verhunzt wurden. So war ich z.B. auf der Veranstaltung: Mächtige Frauen in der Kirche, gestern, heute und morgen. Und die Referentin hatte ganz offensichtlich keine Ahnung vom Thema.

Wieso?

Sie hat mich vergessen.

Schrecklich! Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, gibt es abschließende Tipps, die sie den Veranstaltern geben können?

Natürlich. Zum ersten sollte man auf einem Katholikentag nicht derart viele Menschen finden, die an die Vorschriften des Lehramts glauben. Das tut dem ganzen nicht gut, weshalb Gesinnungskontrollen durchgeführt werden müssen. Des weiteren muss klarer für das Frauenpriestertum Stellung bezogen werden. Ich denke hier daran, dass verschiedene geeignete Frauen zu Beginn per Akklamation zu Priesterinnen ernannt werden und dann für Dauer des Katholikentages die Gottesdienste leiten. Auch die Ökumene muss mehr vorangetrieben werden, z.B. an durch gemeinsame Massenmeditationen auf dem Schlossplatz mit Atheisten. Wir müssen außerdem ein Zeichen an die Moderne setzen. Hierfür sollte z.B. in Anwesenheit der Katholikentagsleitung Homosexuelle Ehen feierlich geschlossen werden. Ich denke auch an die Verteilung von Kondomen und dem Einrichten eines Platzes, wo sich Personen, die sich gerade kennengelernt haben, gemeinsam kopulieren können. Außerdem muss dringend ein Diskussionsforum über die Frage her, wie man die Jesus-Gemeinschaft geeignet in das 3. Jahrtausend führen kann. Ich biete an, mit mir selbst über diese Frage zu diskutieren. Das ist zwar nicht optimal, aber es gibt ja niemandem, der auf meinem Niveau argumentieren könnte, weshalb es besser ist, wenn alle anderen mir einfach glauben, wenn ich zu einem Ergebnis gekommen bin. Nicht zuletzt wäre das auch ein gutes Konzept für eine Kirche nach demokratisch-freiheitlichen Grundsätzen. Wobei man natürlich, wie oben gesagt, einige nach meinem demokratischen Entschluss ausschließen muss, aber das ist nunmal der Preis der Freiheit auf mich hören zu können. 

Vielen Dank, Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker.

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