Donnerstag, 10. Mai 2012

Heilige Hildegard, bitte für uns

Für die Gläubigen des Bistums Limburg ist heute wieder mal ein besonders schöner Tag. Denn wir haben unter uns eine neue Heilige:

Hildegard von Bingen, schon lange verehrt, wurde nun (endlich) auch offiziell von Rom heiliggesprochen. Genauer gesagt wurde sie zur Heiligen der Universalkirche erhoben und damit ihr Status als Heilige - im Missale Romanum wird sie schon lange genannt - für alle Christen bestätigt und ihr Kult für die ganze Kirche freigegeben.

Hildegard gehörte zu den großen Frauengestalten des christlichen Mittelalters, die noch heute fasziniert, mit der aber leider auch viel Schindluder getrieben wird. Hildegard, die große Mystikerin, die zutiefst Christin, Katholikin und Klosterfrau war, wird heute gerne zu einer emanzipierten Naturwissenschaftlerin umgedeutet, die gegen die männerbeherrschte Kirche revoltiert und ihre Visionen nur erfunden habe, um sich durchzusetzen. Das finde ich nicht nur der Heiligen gegenüber unfair, sondern auch gegenüber allen Christen, Katholiken und Ordensfrauen. Deswegen sage ich: Wir lassen uns Hildegard nicht wegnehmen! Sie ist ohne Gott, Christus und Kirche nicht denkbar und das möchten wir auch schön festgehalten wissen.

Aber es kommt nicht mir zu, an so einem bedeutenden Tag das Wort zu führen. Das überlasse ich lieber dem Heiligen Vater selbst, der sich zur neuen Heiligen ja schon geäußert hat:
 "Auch in jenen Jahrhunderten der Geschichte, die wir gewöhnlich als Mittelalter bezeichnen, gibt es einige weibliche Gestalten, die sich durch die Heiligkeit ihres Lebens und den Reichtum ihrer Lehre besonders auszeichnen. Heute möchte ich beginnen, euch eine von ihnen vorzustellen: die hl. Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert in Deutschland lebte. Sie wurde 1098 in Bermersheim bei Alzey in der Pfalz geboren und starb 1179 im hohen Alter von 81 Jahren, obwohl ihr Gesundheitszustand stets schwach war. Hildegard kam aus einer vielköpfigen adligen Familie und wurde von Geburt an von ihren Eltern zum Dienst an Gott geweiht. Damit sie eine angemessene menschliche und christliche Bildung erhielt, wurde sie mit acht Jahren der Obhut der im Witwenstand lebenden Uda von Göllheim und dann der Lehrerin Jutta von Sponheim anvertraut, die sich in eine Klause beim Benediktinerkloster des hl. Disibod zurückgezogen hatte. Es entstand ein kleines Klausurkloster für Frauen, die der Regel des hl. Benedikt folgten. Hildegard empfing den Schleier durch Bischof Otto von Bamberg, und als Mutter Jutta, die Priorin der Gemeinschaft geworden war, im Jahre 1136 starb, beriefen die Mitschwestern sie als ihre Nachfolgerin. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe brachte sie ihre Begabungen ein, als gebildete und geistlich hochstehende Frau, die auch in der Lage war, den organisatorischen Aspekten des Lebens in der Klausur mit Sachverstand gegenüberzutreten. Einige Jahre später gründete Hildegard, auch weil immer mehr junge Frauen an die Tore des Klosters klopften, eine weitere Gemeinschaft in Bingen, die nach dem hl. Rupert benannt wurde, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte. Der Stil, mit dem sie den Dienst der Autorität ausübte, ist vorbildlich für jede Ordensgemeinschaft: Er weckte heiliges Nacheifern im Tun des Guten, so daß, wie aus zeitgenössischen Zeugnissen hervorgeht, Mutter und Töchter einander in gegenseitiger Achtung übertrafen und darin wetteiferten, einander zu dienen."
"Bereits in den Jahren, in denen sie Oberin im Kloster des hl. Disibod war, hatte Hildegard begonnen, ihrem geistlichen Berater, dem Mönch Volmar, sowie ihrer Sekretärin, einer Mitschwester, der sie sehr zugetan war, Richardis von Stade, mystische Visionen zu diktieren, die sie seit einiger Zeit empfing. Wie es im Leben wahrer Mystiker immer der Fall ist, wollte auch Hildegard sich der Autorität weiser Personen unterwerfen, um den Ursprung ihrer Visionen zu erkennen, in der Furcht, daß sie Frucht von Täuschungen seien und nicht von Gott kämen. Sie wandte sich daher an die Person, die seinerzeit in der Kirche höchste Wertschätzung besaß: an den hl. Bernhard von Clairvaux, über den ich bereits in einigen Katechesen gesprochen habe. Dieser beruhigte und ermutigte Hildegard. Aber 1147 erhielt sie noch eine andere sehr wichtige Anerkennung. Papst Eugen III., der den Vorsitz auf einer Synode in Trier hatte, las einen von Hildegard diktierten Text, der ihm von Erzbischof Heinrich von Mainz vorgelegt wurde. Der Papst gestattete der Mystikerin, ihre Visionen niederzuschreiben und öffentlich zu sprechen. Von diesem Augenblick an stieg das geistliche Ansehen Hildegards immer mehr, so daß ihre Zeitgenossen sie als »deutsche Prophetin« bezeichneten. Dies, liebe Freunde, ist das Siegel einer echten Erfahrung des Heiligen Geistes, des Quells jeder Geistesgabe: Die Person, die übernatürliche Gaben empfängt, prahlt niemals damit. Sie stellt sie nicht zur Schau und zeigt vor allem vollkommenen Gehorsam gegenüber der kirchlichen Autorität. Jede vom Heiligen Geist geschenkte Gabe ist nämlich zur Erbauung der Kirche bestimmt, und die Kirche erkennt durch ihre Hirten ihre Echtheit an."

Auch S.E. Bischof Zollitsch hat sich sehr über die Heiligsprechung gefreut und sagte dazu:
"Das ist ein wichtiger Schritt für die Weltkirche. Ich freue mich, dass die bedeutende Persönlichkeit der heiligen Hildegard von Bingen damit nochmals besondere Würdigung erfährt. Hildegard von Bingen wird in unserem Land große Wertschätzung entgegen gebracht. Gerade die Abtei Eibingen ist zu einem wichtigen Wallfahrtsort und Hildegard-Zentrum in Deutschland geworden“, so Zollitsch in einer Aussendung der DBK (Deutschen Bischofskonferenz). Die neue Heilige spiele für das Glaubensleben in Deutschland eine bedeutende Rolle. „Ich bin dankbar, dass die Verehrung des Benediktinerinnenordens und der Abtei Eibingen sowie der Bistümer Mainz, Trier und Limburg so reiche Frucht trägt."

Abschließend sei auf die Internetseite der Abtei Sankt Hildegard hingewiesen, deren Nonnen heute sicherlich eine (ganz klösterliche) Party feiern. Die Gebeine Hildegards finden sich jedoch - säkularisationsbedingt - nicht im Kloster selber, sondern in der nahen Pfarrkirche in Eibingen. Weiter Informationen zur neuen Heiligen gibt es hier.

So verbleibte ich mit dem Ruf: Heilige Hildegard, bitte für uns!

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...