Mittwoch, 2. Mai 2012

Die Synode von Antiochia

Fortsetzung von hier

Nachdem die Bemühungen Konstantins um eine Einigung zwischen Alexander und Arius gescheitert waren, kam es bald zum ersten Showdown zwischen den Anhängern der beiden Kontrahenten. In Antiochia, eine der wichtigsten Diözesen des Ostens, stand die Wahl eines neuen Bischofs an und so versammelte sich eine große Zahl von Bischöfen in der Stadt, um hierüber und über andere Fragen zu befinden. Dabei stand auf dieser sogenannten Synode von Antiochia der arianische Streit von Anbeginn im Fordergrund.

Schon die erste Entscheidung der Synode war ein Schlag gegen Arius. Denn zum neuen Metropoliten wurde der Bischof von Beröa, Eustathius, gewählt, der ein bekennender Anhänger Alexanders war.
Anschließend arbeiteten die Väter ein Synodalschreiben aus, dass sich mit der Theologie des Arius befasste. In diesem Bekenntnis bekennen sich die versammelten Bischöfe zur kirchlichen Einheit, stellen sich auf die Seite Alexanders und verurteilen die Position des Arius. Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Thesen des Arius mitunter wörtlich zitiert, um sie dann zu verurteilen. So schrieb die Synode z.B. "Wir glauben, daß er nicht durch Willen oder Annahme an Kindes statt gezeugt wurde und ins Sein kam und daß es den Anschein hätte, als entstamme er dem, was nicht ist." Allerdings unterlässt es die Synode bei aller antiarianischer Prägung, eine eigene positive Theologie vorzulegen, sondern belässt es bei der Verurteilung. Soweit es notwendig war, umschreibt sie das Verhältnis von Vater und Sohn mit unverdächtigen, vagen, und das konkrete Problem wenig treffenden biblischen Begriffen.

Anschließend wurde das Synodalschreiben den versammelten Vätern zur Unterschrift vorgelegt. Die meisten Teilnehmer gaben denn auch ihr Placet. Lediglich einige wenige, darunter die beiden Eusebii, verweigerten die Annahme. Aus diesem Grund wurden sie aus der Communio mit den übrigen Bischöfen verbannt, heute würden wir von Exkommunikation sprechen, und abgesetzt. Allerdings wollte die Synode, wohl auch eingedenk der kaiserlichen Position, einen totalen Bruch vermeiden. Daher räumte man den abgesetzten Bischöfen die Möglichkeit ein, sich auf einer neuen Synode zu rechtfertigen, die in Bälde einberufen werden sollte. Diese anschließende Synode, die die anstehenden Fragen und Konflikte endgültig klären sollte, war das Konzil von Nizäa.

Doch bevor wir dem Gang der Ereignisse weiter folgen, wollen wir noch kurz eingehender mit der Synode befassen und damit rechtfertigen, warum ich zu Beginn von einem Showdown gesprochen habe. Denn ein solcher scheint die Synode ja nicht gewesen zu sein, weshalb sie z.B. in der Literatur oft als Zwischenspiel bezeichnet wird. Doch kommen bei näherer Betrachtung der Ereignisse zahlreiche Details zum Vorschein, die Antiochia erstens als Prototyp der folgenden Konzilien erscheinen lassen und zweitens Antiochia als Ort einer wesentlichen Entscheidung für den Ausgang des Nizäums zeigen.

Erstens: Die Väter versammelten sich in Antiochia nicht primär aufgrund des arianischen Streites, hierzu hätten sie vorher bereiste Gelegenheit gehabt, sondern weil mit Antiochia einer der wichtigsten Bischofsstühle des Reiches neu besetzt werden musste. Diese disziplinäre Frage war jedoch vom arianischen Streit nicht losgelöst, sondern sie spitzte ihn zu und brachte eine erste klare Entscheidung. Die Glaubensfrage hat hier den Konflikt in der disziplinären Frage verschärft, während die Sedisvakanz Kathalysator für eine Entscheidung des Episkopats in der arianischen Frage war. Diese Verbindung von zwei Fragestellungen, der des Glaubens und der Disziplin, finden wir zwar bereits keimhaft vorher, doch in einer so deutlichen Form kommt der antiochenischen Synode der Rang einer Premiere zu. Damit werden Weichen für die spätere Zeit gestellt. Auch in Nizäa verhandelte man ja zuerst über Eusebius und daran anschließend über das Glaubensbekenntnis. Auch sollte die Frage nach der Bischofsbesetzung Antiochiens in der Zeit des Papstes des Konzils von Konstantinopel noch einmal von Bedeutung werden.

Zweitens: In Antiochia zeigte das östliche Episkopat eindeutig, auf welcher Seite es überwiegend Stand: auf der des Alexander. Sowohl mit der Wahl des Eustathius als auch mit dem antiochenischen Bekenntnis erklärte die oströmische Kirche, Arius als Teil der Kirche nicht akzeptieren zu wollen und seine Lehre nachdrücklich abzulehnen. Dies war nicht nur ein Signal an Arius und seine Anhänger, nicht nur ein Signal an die anderen Bischöfe, die nicht teilgenommen hatten. Es war auch ein Signal an den Kaiser. Denn Konstantin war ja kein überzeugter und gefestigter Christ, in diesem Streit schon gar nicht. Er war Politiker, dachte als Politiker und glaubte wohl auch als Politiker. Für ihn war die Einheit des Reiches der zentrale Punkt in diesem Streit. Mit welchem Bekenntnis diese Einheit erreicht wurde war Konstantin wahrscheinlich reichlich egal. Er würde sich demnach jenem Bekenntnis anschließen, dass am einfachsten durchzusetzen wäre, dass also über die Mehrheit verfügte. Indem es den Arianismus mit großer Mehrheit ablehnte, hatte das östliche Episkopat dem Kaiser den Weg aufgezeigt, den es zu gehen wünschte und Konstantin ist dem in Nizäa gefolgt.

So begegnen uns in Antiochia zum einen zahlreiche Elemente, die sich später in Nizäa und auf anderen Synoden fortsetzen und entfalten sollten. Zum anderen begegnet uns hier ein weitgehend geschlossenes Episkopat, dass sich eindeutig gegen Arius positioniert und damit den Willen der (Ost-)Kirche artikuliert, dem sich Konstantin in Nizäa anschließen wird.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...