Mittwoch, 30. Mai 2012

Die geöffnete Tür der Kirche

Am Pfingstsonntag hat Bischof Tebartz-van Elst im Limburger Dom eine Predigt gehalten, bei der er sich wieder einmal als Bischof im römisch-katholischen Sinne geoutet hat. Nicht nur, das er den Papst in seiner Predigt erwähnte und es ablehnte, dem Zeitgeist hinterherzurennen, auch die Pfarrer-Initative eines Helmut Schüller wurde indirekt abgewatscht. Dabei hat sich gezeigt, das Pfingsten nicht das Fest eines nostalgisch in  die 60er Jahre blickenden Altherrenklerus und von Berufskatholiken ist, sondern das Fest der Gott und damit der Zukunft entgegenstrebenden Kirche. Zentrum dieser Kirche ist das Offenbarungsereignis mit den Verdichtungspunkten Weihnachten und Ostern, dessen Botschaft unter dem Beistand des Heiligen Geistes bis zur Wiederkunft des Herrn weitergegeben wird. Aus dieser Botschaft erwachsen Konflikte, im Inneren wie gegenüber der Außenwelt. Aber aus dieser Botschaft erwächst auch die Kraft, diesen Widerstand nicht nur auszuhalten, sondern auch daran zu wachsen. Zeichen dieses Wachstums, das durch den Heiligen Geist ermöglicht wird, sind die geöffneten Türen der Kirche, die alle Einladen, die Gott suchen möchten und ihn zu finden bereit sind.

Eine bistumsamtliche Zusammenfassung der Predigt folgt:
"Pfingsten ist das Fest der geöffneten Türen. Dies sagte Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst im Pontifikalamt am Pfingstsonntag, 27. Mai, im Hohen Dom zu Limburg. Nach den Worten des Bischofs von Limburg wirken offene oder gar aufgestellte Türen einladend. Verschlossene Türen hingegen deuteten auf geschlossene Gesellschaften hin. "Wo unter Menschen die Tür zugeschlagen und ins Schloss fällt, scheint alle Kommunikation unterbrochen", so Tebartz-van Elst. Offene Türen wiesen auf das Wirken des Heiligen Geistes hin und hier vermittele sich, dass der an Ostern auferstandene Christus die Öffnung für die Welt bewirkt habe. Diese Öffnung sei kein Gewaltakt, sondern ein geistliches Geschehen.
In seiner Predigt verwies der Bischof auf das Zeugnis der Apostel Paulus und Barnabas, deren Sendung (Mission) keine Anpassung an den Zeitgeist, sondern ein Wagnis im Heiligen Geist gewesen sei. "Sie gehen auf die Menschen zu und sprechen dabei von Gott. Sie tragen Überlieferung des Glaubens und sie trauen ihrer eigenen Erfahrung", so Tebartz-van Elst. Im Kontakt mit der Welt hätten die Apostel Bestärkung im Glauben erfahren und es bringe viele Chancen mit sich, heute als Christ angefragt zu werden und eine Antwort aus dem Glauben heraus geben zu können. Es sei für Christen und für die Kirche nicht leicht, bei aller gesellschaftlicher Kritik und mancher Anfeindung, von innen her den Standpunkt zu klären und nicht umgeweht zu werden. "In stürmischen Zeiten gibt es auch in der Kirche die Versuchung, die Fahne nach dem Wind zu richten. Sie kann aber nur zum Segel werden, wenn wir den Mut haben, sie in den Wind zu halten", sagte der Bischof. Die Kirche finde wahre Bewegung und Fortschritt heute, wo in einzelnen die innere Entschiedenheit wachse, zu bleiben, wo andere sich wegtreiben ließen. Eine Umkehr und Entschiedenheit, die innerlich in allen Getauften und Gefirmten beginne, könne die Kirche erneuern und nicht eine Kritik von außen. Deshalb brauche die Kirche und jeder Christ den Mut einen neuen geistlichen Aufbruch zu wagen.
Bischof Tebartz-van Elst wies auch auf das von Papst Benedikt XVI. initiierte "Jahr des Glaubens" hin, das am 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Herbst in Rom eröffnet wird. Es sei das Ziel dieser Initiative Christen zu stärken, den geistlichen Aufbau der Kirche zu fördern und jeden Christen einzuladen, Zeugnis seines Glaubens zu geben. "Glaube so ins Wort zu bringen, dass man ihm anmerkt, durch welche Drangsale er gegangen ist und wo er im Leben getragen hat, macht Christen interessant. Vom eigenen Leben so zu erzählen, dass darin die Deutung des Glaubens aufscheint, ist tägliche Verkündigung", sagte der Bischof. Türen gingen dort auf, wo Gottes Geist die Herzen von Menschen öffne. Wer Türen einrennen oder gar eintreten wolle, erreiche keine Öffnung, von der eine Einladung ausgehe. Die Suche nach einem Dialog in der Kirche, der wirklich weiterführe, komme an dieser Erkenntnis nicht vorbei. Der Glauben der Christen und die Gemeinschaft der Kirche seien dann attraktiv, wenn geöffnete Türen das Spiegelbild eines offenen Herzens sind. Aus dem Gebet und aus dem Geist des Anfangs, komme die Kraft in die Welt hinauszugehen."

Kommentare :

  1. Es ist die altbekannte Mischung von "Die Kirche sind wir!" der römisch-katholischen Betonfraktion und deren - entschuldigen Sie bitte den Ausdruck - das "Gesummse und Geblubber" vom rechten Weg des Glaubens, der garantiert "geistlich" ist und wenig mit dem konkreten Leben, den Sorgen und Leiden, die Freuden und Fröhlichkeiten der Menschen zu tun hat. Immer, wenn die theologische Debatte den Zeigefinger hebt, um zu beschreiben wie wir NUR zum Heil kommen, wird mit dem Daumen zugleich nach unten gezeigt, damit wir an der Struktur, wie Glauben im Leben stattfindet, nicht rütteln. So, und nur so kann man das Volk Gottes "im Griff" behalten. Vielen Mitchristen in "Wir sind Kirche", die Antwort auf "Die Kirche sind wir!", ist eine "fromme Revolte" (Peter Bürger) als Aufbruch wichtig; sie tritt keine Türen ein und schlägt anderen nicht ins Gesicht. Diese Tradition der Durchsetzung von geistlicher und weltlicher Macht haben die Römer jahrhundertelang gepflegt, nicht die Mitstreiter von "Wir sind Kirche", Pfarrer-Initiative und die vielen, vielen anderen Gruppen und Vereinigungen (um nur eine zu nennen: die Unio, die katholische Vereinigung des Laien-Apostolates nach V. Pallotti), die das Apostolat in ihrem täglichen Dasein leben und auch erleiden. Bischof Tebartz-van-Elst wird das in Zukunft noch weniger kapieren als bisher: demnächst sitzt und kniet er in seinem millionenschwer teuren Bischofspapalst in extra eigener Bischofskapelle und ist mit seinem Gebet allein. Menschlich (statt geistlich) wäre ihm besser, er ginge die 50 Schritte rüber zum Dom und nähme die anwesenden Besucher in sein tägliches oder mehrfach tägliches Gebet mit hinein. Denn "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind ..."

    AntwortenLöschen
  2. Aus Gelegenheit:

    Es dürfte jedem aufgefallen sein, dass dieser Blog eine romtreue Linie vertritt. Selbstverständlich ist auch jeder, der anders denkt, eingeladen, hier seinen Kommentar zu hinterlasssen und dadurch zur Diskussion etwas beizutragen.

    Ich behalte es mir jedoch vor, antipäpstliche und antibischöfliche Pamphlete zu zensieren.

    Danke.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber MC, Sie sind ja lustig: was ist denn antibischöflich oder antipäpstlich? Ist das was gegen die Personen oder gegen das jeweilige Amt? Oder ist das der Ausschluss jeglicher Kritik von der einzigartigen Mischung "Amt und Person" als den einzigartigen alleinigen Vertretern dessen, was unser christlicher Glaube sagt?
      Oder ist das Bestandteil einer "Kulturkritik" an den überkommenen, geheimnisumwitterten mittelalterlichen Strukturen des Amtes, der den Glauben "verwaltet"?
      Ist antipäpstlich und antibischöflich zugleich antikirchlich?
      Besteht nicht mit solchen Diktionen die Gefahr, alles durcheinander zu werfen, aus Angst und Not, es könnte der "heiligen römischen katholischen Kirche" ein Zacken aus der Heiligkeit fallen?
      "Ihr sollt nur einen Meister nennen, das ist euer Vater im Himmel ...", sagt Christus. Passend zu Ihrem Homepage-Titel "Demut Jetzt!" wäre das Wort angesagt, in dem es heißt: "Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein". (Markus 10, 43-44).
      Tatsächlich: das wäre bischöflich, das wäre päpstlich - vor allem: das wäre glaubwürdig.

      Löschen
  3. Zu Anonym:

    Ich muss zugeben, ich hätte nicht gedacht, lustig zu sein. Aber es freut mich doch, dass man meiner Antwort auch eine solche Seite abgewinnen konnte.

    Ich erlaube mir hier lediglich zwei aufgeworfene Fragen zu beantworten:

    Antipäpstlich und antibischöflich bezieht sich primär auf das Amt und sekundär auf die Person. Denn wenngleich natürlich das Amt im Fordergrund steht, besteht doch eine einzigartige Mischung zwischen Amt und Person, die es uns gebietet, einen Bischof und besonders dem ersten, dem Papst, besonders zu respektieren. Ich muss das wohl nicht weiter ausführen und verweise bei Bedarf auf den Katechismus, wo über das Weihesakrament nachgelesen werden kann.

    Je nach Art und Weise kann antibischöflich und antipäpstlich durchaus antikirchlich sein, da ja die Bischöfe unter dem Vorsitz des Papstes das Lehramt der Kirche und damit einen wesentlichen Teil derselben bilden. Natürlich kann man einzelnen Bischöfe und auch dem Papst kritisch gegenüberstehen. Aber eine Fundamentalkritik nach dem Motto: "Das muss alles weg" ist antikirchlich.

    Des weiteren sehe ich mich zu einer weiteren Näherbestimmung gedrängt. Denn natürlich möchte ich auch solchen kritischen Stimmen Raum geben, wenn sie es denn wünschen. Allerdings gibt es manche Stimmen, die diesen Blog nicht als Plattform für einen kritischen aber höflich-angemessenen Diskurs benutzen wollen, sondern dazu, ihren Schmutz abzuladen und einfach nur rumgiften. Derartiges wird dann von mir nicht weitergegeben.

    Ich hoffe, meine Antworten können ihnen weiterhelfen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. O Gott! Wird euch denn nicht schlecht, wenn ihr euch immer nur im Kreise dreht? Nach der Mitra kommen vielleicht die schönen bunten Schuhe der "Würdenträger" an die Reihe. Wem dient dieser ganze Schnickschnack? Jedenfalls nicht den Menschen in der Kirche und schon gar nicht außerhalb der Kirche. Für die Menschen aber ist die Kirche da - und sie ist kein Selbstzweck, sondern sie soll die Botschaft vom Reiche Gottes verkünden. Was könnten die 1,3 Milliarden Katholiken und Katholikinnen nicht alles bewirken, wenn sie wirklich dem Evangelium gemäß leben würden! Verzeihung, vielleicht bin jetzt auch antipäpstlich und antirömisch. Wenn dem so sein sollte - dann bin ich's. Dafür bin ich katholisch = weltweit.

      Löschen
  4. Zu Anonym:

    Ich darf darum bitten, mir den gleichen Respekt entgegenzubringen, den ich Ihnen entgegenbringe und den Ton zu waren. Ihre Argumentation, wenn man das so nennen möchte, ist leider keine Empfehlung für Ihre Sache. Vielleicht kommen sie mal dazu und argumentieren mit etwas anderem als Platitüden, Vorurteilen, selbstgerechten Behauptungen und rhetorischen Fragen nah an der Beleidigungsgrenze.

    Meinen Sie, mit solchen Aussagen einen Beitrag dazu zu leisten, dass 1,3 Milliarden Katholiken und Katholikinnen wirklich dem Evangelium gemäß leben? Keine rhetorische Frage. Das interessiert mich wirklich.

    Ach und noch etwas: Ich gebe es offen zu: Ja, ich bin ein Fan von prachtvollen Mitren und finde auch schöne bunte Schuhe an den Würdeträgern gut. Und wenn der Hl. Vater die alten Barockkaseln mit Goldstickerei wieder aufträgt finde ich das toll.

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...