Freitag, 18. Mai 2012

Deutsche Statistik

Neulich habe ich einen Film zum Thema Zölibat gesehen.

Fangen wir mal mit der guten Nachricht an: Offenbar sind 30 % der Gläubigen in Deutschland der Meinung, dass das Zölibat zumindest keine schlechte Idee ist und nicht notwendigerweise abgeschafft gehört.

Nun die schlechte Nachricht: 70 % der deutschen Katholiken sind der Meinung, Zölibat ist Mist und man braucht es nicht.

Wenn wir davon ausgehen, dass diese 70 % sich gleichmäßig auf die praktizierenden Katholiken verteilen und praktizierend als Personen definieren die regelmäßig eine Kirche besuchen und davon ausgehen, dass 3,2 Millionen Personen 2009 in diese Kategorie fielen - ich meine aus diesem Jahr war der Film - dann heisst das, 2,24 Millionen Katholiken die ihren Glauben wirklich irgendwie Leben sind gegen das Zölibat.
Mit diesen 2,24 Millionen stellt sich also der Beitrag vor den Petersdom und erklärt bzw. deutet aufdringlich an, dass sich Rom gefälligst zu bewegen habe, weil 2,24 Millionen Deutsche das Zölibat doof finden.
Das sind ca. 0,2 Prozent aller Katholiken auf der ganzen Welt. Wenn man davon ausgeht, dass nicht alle praktizieren sagen wir mal 0,5 % aller Katholiken auf der ganzen Welt, von denen die Produzenten der Sendung zu wissen meinen, dass sie gegen das Zölibat sind.

Stellen wir mal folgenden Situation vor: Ich mache ine Unterschriftenaktion darüber, dass die Geranie in meinem Vorgarten unter Artenschutz zu stellen sei und sammle von einem 0,5 % aller Deutschen die Unterschrift. Damit ziehe ich jetzt vor den Reichstag, halte die Liste dem Umweltminister unter die Nase und erkläre, der solle das jetzt gefälligst machen, weil ICH das so will und weil MIR 40.000 Bürger zustimmen. Der Minister wird freundlich nicken und wieder seiner Wege gehen. Und keiner wird was anderes erwarten.

Wenn aber 2,24 Millionen Katholiken oder äquivalent 300 Professoren sich hinstellen und eine Änderung im Kirchengesetz fordern, weil IHNEN das nicht passt, dann hat Rom gefälligst vor der Flut der Gläubigen einzuknicken und zu gehorchen.

Nun kann man begründetermaßen erklären, dass es auch außerhalb von Deutschland Zölibatsgegner gibt. Aber dann hätte man sich mal die Mühe machen können, nach anderen Statistiken zu suchen, anstatt Nabelschau zu betreiben und zu erklären, was die deutschen Katholiken wollen. Wir erinnern  uns, sowas gab's schon mal. Da hat man in Deutschland auch darüber nachgedacht, was die Deutschen so wollen und was die Römer alles für böse Menschen sind. Am Ende dieses Gedankens waren die Priester verheiratet und hatten weibliche Kolleginnen. Nannten sich aber nun Pastoren und waren Anhänger eines abtrünnigen Augustinermönches, der in seinem ehemaligen Kloster mehrere Kinder zeugte und der Polygamie das Wort redete.

Interessanterweise wollen die Zölibatsgegner aber nicht diesem Verein beitreteten. Sie sind ja gerne Katholiken, aber die Kirche soll es doch bitte so machen wie sie es wollen.
Wobei manche dieses Problem auch dadurch umgehen, dass sie zwar weiterhin katholisch tun, aber sich weiterhin von ihrem suspendiertem Pfarrer betreuen lassen. Nach dem Motto: Der war unser Pfarrer und der bleibt unser Pfarrer. Scheiß auf die Kirche, wir machen was wir wollen und nennen es Kirche, weil wir ja Kirche sind. Nicht, dass ich was dagegen hätte, wenn vormalige Pfarrer, die aus ersichtlichen Gründen - auf ein Kind zeigend - ausgeschieden sind, weiterhin seelsorgerisch tätig sind. Solche Leute können ja eine Bereicherung sein. Wenn sie denn die richtige Einstellung haben und erkennen, dass sie einen Fehler gemacht haben, aber dazu stehen wollen. Find ich auch in Ordnung. Wenn ich mich aber trotzig hinstelle, mich für unschuldig erkläre, die böse Kirche anklage mir das Zölibat aufgezwungen zu haben - in sieben Jahren Priesterausbildung wurde das ja auch nie erwähnt - und mich als besten Seelsorger aller Zeiten aufspiele weil ich Frau und Kind habe, dann kann sich die Kirchenleitung schon fragen, ob mein Ausscheiden ein soooo großer Verlust war.

Doch ich will nicht unfair sein. Der Beitrag hatte auch seine guten Seiten. Zwar wurde eine abtrünniger Ex-Priester und ein Nikolaitist - Priester mit Konkubine - vorgestellt, aber immerhin auch ein Priester, der erklärte, er habe sich für das Zölibat entschieden, finde das gut und bleibe dabei. Also immerhin nur eine Mehrheit von 2/3. Fast schon ausgewogen.

Ach übrigens: Im Bistum Mexiko-Stadt gibt es 7,58 Millionen Katholiken, von denen mehr als 3 Millionen in die Kirche gehen. Soviel mal zum Thema deutsche Katholiken und ihre Bedeutung für den Weltkatholizismus.

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