Dienstag, 22. Mai 2012

Abbas Serapion im Bordell

"Einmal kam der Altvater Serapion auf einer Wanderung durch ein ägyptisches Dorf. Er sah eine Dirne in ihrem Hause stehen. Der Greis sagte zu ihr: "Erwarte mich abends, denn ich will zu dir kommen und diese Nacht bei dir verbringen." Sie antwortete: "Gut Abbas." Sie schmückte sich und richtete das Lager her. Als es spät am Abend war, kam der Alte zu ihr, trat in die Wohnung und sprach zu ihr: "Hast du das Lager hergerichtet?" Sie antwortete: "Ja!" Er schloß die Tür und sagte: "Warte ein wenig, weil wir die Vorschrift haben, etwas zu warten, bevor wir etwas tun." Und der Greis begann mit seinem Gebetsgottesdienst, mit dem Psalmengebet, nach dem er ein anderes Gebet sprach, in dem er für sie zu Gott flehte, er möge sie bekehren und sie retten. Und Gott erhöhte ihn. Das Weib stand zitternd da und betete mit ihm. Als der Greis den ganzen Psalter vollendet hatte, fiel das Weib auf den Boden, und nun begann der Greis mit dem Apostel und las viel aus ihm. Und so beendete er seinen Dienst. Da war die Frau erschüttert und erkannte, daß er nicht wegen der Sünde zu ihr gekommen war, sondern um ihre Seele zu retten. Sie fiel vor ihm nieder und sagte: "Erweise mit die Liebe, Abbas, und führe mich dahin, wo ich Gott gefallen kann." Da führte sie der Greis in ein Jungfrauenkloster und übergab sie der Amma mit den Worten: "Nimm dieese Schwester auf, und lege ihr nicht das gleiche Joch und die gleiche Vorschrift auf wie den Schwestern. Sondern, wenn sie etwas will, dann gib es ihr und erlaube ihr hinzugehen, wohin sie wünscht." Nach zwei Tagen sagte sie: "Ich bin eine Sünderin, ich will nur alle zwei Tage essen." Und nach weiteren Tagen sagte sie: "Ich habe viele Sünden, ich will nur alle vier Tage essen." Nach einigen Tagen wandte sie sich an die Amma: "Nachdem ich Gott so vielfältig beleidigt habe durch meine Gesetzesübertretungen, so tue mir die Liebe und weise mich in ein Kellion und verschließe es; und durch das Fenster reiche mir etwas Brot und die Handarbeit." Die Amma machte es so. Und während der ganzen übrigen Zeit ihres Lebens war sie Gott wohlgefällig."
Quelle: Weisungen der Väter, Spruch 875.

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