Freitag, 25. Mai 2012

Abbas Lukios und das unablässige Gebet

"Einmal kamen einige zum Abbas Lukios in Enaton, Mönche, die man Euchiten (Beter) nannte. Der Greis fragte sie: "Worin besteht euer Handwerk?" Sie antworteten: "Wir rühren mit keinem Finger an ein Handwerk, sondern, wie der Apostel sagt, wir beten unaufhörlich." (1 Thess 5,17). Darauf sprach der Alte zu ihnen: "Eßt ihr nicht?" Sie antworteten: "Doch!" Er sagte zu ihnen: "Wenn ihr also eßt, wer betet inzwischen für euch?" Wiederum sprach er: "Schlaft ihr nicht?" Sie sagten: "Doch." Und der Greis darauf: "Wenn ihr also schlaft, wer betet indessen für euch?" Darauf wußen sie keine Antwort zu geben. Er sprach zu ihnen: "Verzeiht mir, aber ihr tut nicht, was ihr sagt. Ich aber will euch zeigen, daß ich trotz Verrichtung meiner Handarbeit unablässig bete. Ich setze mich mit Gott nieder, weiche meine kleinen Palmfasern ein und flechte sie zu einem Seil. Dabei sage ich: "Erbarme dich meiner, o Gott, in deinem großen Erbarmen, und nach der Menge deiner Erbarmungen wasche ab meine Ungerechtigkeiten" (Ps 50,3). Und er fragte sie: "Ist das kein Gebet?" Sie antworteten: "Doch!" Da sprach er zu ihnen: "Wenn ich den ganzen Tag mit Arbeiten und Beten verbringe, dann verdiene ich sechs Münzen, mehr oder weniger. Zwei davon gebe ich an die Tür (als Almosen), und von den übrigen bestreite ich das Essen. Und es betete für mich, der die zwei Münzen bekommen hat, während ich esse oder schlafe. Und durch die Gnade Gottes wird so von mir das unablässige Beten erfüllt" (Lk 18,1; Kol 4,2)
Quelle: Weisungen der Väter, Spruch 446.

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