Mittwoch, 4. April 2012

Die Theologie des Arius und der Arianismus

Fortsetzung von hier

Zunächst gilt es, zwischen der Theologie des Arius und der Lehre des Arianismus zu unterscheiden. Der Arianismus war bei weitem nicht so stringend wie er in der Kirchengeschichtsschreibung allgemein wahrgenommen wird - is halt ne Häresie - und unterschied sich in Details sogar von den ursprünglichen Denken seines Gründers, des alexandrinischen Presbyters Arius.

Über Arius werden zahleiche Legenden erzählt und daher ist es schwierig, Fakten über seine Personen aus der Propaganda von Freund und Feind herauszufinden. Wir können jedoch mit einer Gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er ursprünglich aus Lybien stammte und eine gute Philosophische und Theologische Ausbildung in der Tradition des Origines erhalten hat. Bei Ausbruch des Streites um seine Lehre dürfte er bereits 60 Jahre alt gewesen und seit Jahren als Presbyter in der alexandrinischen Baukaliskirche tätig gewesen zu sein. Aufgrund der größe der alexandrinischen Gemeinde nahm Arius auch Aufgaben war, die in anderen Gemeinden eigentlich Sache des Bischofs waren. Hierzu gehörte auch die Predigt und das Auslegen der Hl. Schrift. Es war denn auch eine Schriftstelle, an der sich der Streit entzündete. Allerdings können wir heute nicht mehr genau sagen, welche. Angenommen werden z.B. Sprüche 8,22ff:  "Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde. Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen." Aus dieser oder einer ähnlichen Schriftstelle entnahm Arius, dass der Sohn weder ewig noch ungeworden sei, sondern noch vor der Welt durch den Vater hervorgebracht worden sei. Sowohl ewig als auch ungeworden sind aber Adjektive, mit denen Arius Gott umschreibt. Nach ihm ist Gott allein ewig, allein ohne Anfang, allein wahr, allein unsterblich, allein bleibend un unveränderlich etc. Doch wenngleich der Sohn bei Arius weder ewig noch ungeworden ist, so denkt er ihn noch als Gott und spricht in der originetischen Tradition von drei göttlichen Hypostasen. Denn die Priorität des Vaters ist bei Arius mehr eine logische als eine zeitliche. Denn die Zeit gehört ja zur Schöpfung, vor der der Sohn entstanden ist. Dennoch konnte Arius das zeitliche Element aus seiner Theologie nicht ganz entfernen. So entstand der arianische Kampfslogan: Es gab eine Zeit, da er nicht war, en pote hote ouk en. Auf diese Weise wurde die Subordination Jesu radikalisiert und ihm der Status eines Gottes im eigentlichen Sinne implizit abgesprochen, wenngleich die logische Präexistenz des Sohnes seinen Vorrang vor allen (anderen) Geschöpfen begründet.

Auf diesem Weg des Arius ging nun der klassische Arianismus weiter, indem er das, was bei Arius lediglich implizit ausgedrückt wurde, explifizierte. Einer der bekanntesten Theologen des Arianismus war der kleinasiatische Theologe Asterius. Er unterschied konsequenter als Arius Gewordenes und Ungewordenes. Durch "Überfließen" des Vaters entsteht eine von diesem unterschiedene Hypostase, der Sohn. Er hat als Abbild jedoch lediglich metaphorisch und nicht mehr substantiell Anteil am Vater und wird diesem lediglich zugeschrieben. Auf diese Weise rückt Asterius den Sohn auf die Ebene der Geschöpfe, wenngleich ihm der erste Rang unter diesen Zukommt. Das ergänzt Eusebius von Caesarea, wenn er schreibt, der Sohn sei nicht wahrer Gott wie der Vater. Wichtig war dem Arianismus wie auch Arius, den Sohn vom Herkommen vom Vater zu unterscheiden. Allein der Vater war ungezeugt, also Ursache seiner selbst, während der Sohn vom Vater hervorgebracht worden sein musste, wenn es nicht zwei Ursachen ihrer selbst geben sollte, was nach dem Arianismus eine ditheistische Position wäre. Durch die gleichzeitige radikale Transzendenz Gottes kam indes der Arianismus dahin, dem Sohn praktisch die Göttlichkeit abzusprechen. Damit löste er zwar das monotheistische Problem so konsequent wie keine andere christliche Lehre bisher, zerstörte jedoch auch den Grundkonsenz, den Sohn, auf welche Weise auch immer, als Göttlich zu glauben.

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