Mittwoch, 4. April 2012

Die Ansicht des Paulus und das Verhalten Christi bzgl. des Fastens

Nachdem wir aufgrund der darin enthaltenen montanistischen Lehre auch das 14. Kapitel übersprungen haben, kommen wir nun zum 15. Kapitel der Schrift über das Fasten:
"Er spricht auch eine Mißbilligung gegen diejenigen aus, "welche Enthaltung von Speisen befehlen". Aber es ist dies nur ein Akt der Voraussicht des Hl. Geistes, der damit bereits zum voraus jene als Häretiker verdammt, die da eine beständige Enthaltung vorschreiben würden, in der Absicht, dadurch die Werke des Schöpfergottes zu zerstören und zu verachten. Solche finde ich bei Marcion, bei Tatian, bei Jupiter, einem jetzt lebenden Häretiker, früherem Pythagoreer, ... Dagegen trifft Paulus euch, die ihr diese Dienstleistung herabwürdigt, wenn er in seinem Briefe an die Römer sagt: "Richtet nicht um der Speise willen das Werk Gottes zugrunde." Welches Werk? Dasjenige, wovon er sagt: "Es ist gut, kein Fleisch zu essen, und keinen Wein zu trinken". "Denn wer in diesen Dingen ihm dient, der ist unserem Gott wohlgefällig und macht ihn sich geneigt". "Der eine glaubt, alles essen zu sollen, der andere aber ist schwach und genießt nur Gemüse. Wer ißt, der mißachte nicht den, der nicht ißt. Wer bist du, daß du über einen fremden Knecht Gericht hältst? Sowohl der Essende als der Nichtessende sage Gott Dank". Wenn er aber schon nach seiner bloß menschlichen Ansicht verbietet, Streit anzufangen, um wieviel mehr auf Grund des göttlichen Willens! So wußte er einige, die Kasteiungen und Verbote in Betreff der Nahrung auferlegten, zu mißbilligen, da sie aus Verachtung und nicht zu religiöser Übung Enthaltsamkeit übten, diejenigen aber zu loben, welche es taten, um den Schöpfer zu ehren, nicht um ihn zu beschimpfen. Und wenn er dir auch zum Fleischmarkt freien Zutritt gegeben, und dir den Genuß von allem, mit Ausnahme des den Götzen Geopferten, gestattet hat, so hat er doch das Reich Gottes nicht an den Fleischmarkt gekettet. Denn er sagt: "Das Reich Gottes besteht nicht im Essen und Trinken" , und: "Die Speise empfiehlt uns nicht bei Gott", und er sagt das nicht, damit du glaubst, er meine damit die trockene Speise, sondern er meint vielmehr die mit Brühe versehene und sorgfältig zubereitete; denn wenn er hinzusetzt: "Wir werden weder etwas gewinnen, wenn wir essen, noch etwas verlieren, wenn wir nicht essen", so ruft er das mehr dir zu, der du zu gewinnen glaubst, wenn du issest, zu verlieren, wenn du nichts issest, und darum jene Dinge heruntersetzest."
"Wie unwürdig ist es ferner, den Umstand, daß der Herr ohne Unterschied ißt und trinkt, zugunsten deiner Ausgelassenheit zu deuten! Ich sollte doch meinen, der, welcher nicht die Satten, sondern die Hungernden und Dürstenden glücklich gepriesen hat, der hätte doch auch gefastet, er, der für seine Speise ausgab, nicht, was die Jünger dafür hielten, sondern die Vollbringung des Werkes des Vaters, er, der lehrte, sich um die Speise zu bemühen, die Bestand hat zum ewigen Leben, der anordnete, daß man auch im regelmäßigen Gebete nur um Brot bitten soll, nicht um die Reichtümer eines Attalus. So hat auch Isaias nicht in Abrede gestellt, daß Gott das Fasten geschätzt habe, sondern er gibt nur an, welches Fasten ihm nicht gefiel. "An den Tagen eures Fastens", sagt er, "zeigt sich euer Wille, und alle von euch Abhängigen bedrücket ihr; bei Streit und Prozessen fastet ihr, und ihr schlaget zu mit Fäusten. Ein solches Fasten habe ich nicht gewünscht", sondern ein solches, wie er es im darauffolgenden beschrieb, und damit nicht aufgehoben, sondern gutgeheißen hat."

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