Mittwoch, 11. April 2012

Das Eingreifen Konstanins

Fortsetzung von hier

Unter Konstantin begann eine für das Christentum in vierlei hinsicht folgenschwere Veränderung. Zum einen setzte sich die Politik der Duldung des Christentums, wie sie bereits unter den späten Tetrarchen teilweise realisiert wurde, allgemein durch, zum anderen begann erstmals eine Privilegierung des Christentums. Doch wurde das Reich unter Konstantin nicht christlich. Vielmehr normalisierte sich das Verhältnis zwischen Imperium und Sacerdotium, da das Christentum zu einer normalen, geschützten aber auch genutzten Religion des Imperiums wurde. So wie Konstantin das Christentum ins Reich einholte, so beanspruchte er auch seine Unterwerfung unter die pontifikale Autorität des Kaiser, der als Pontifex Maximus Oberster Hüter aller Religionen im Reich war.

Allerdings stellte das Christentum eine gewisse Besonderheit im religiösen Konzert des römischen Reiches dar. Denn es war als weitgehend einheitliche Religionsgemeinschaft eine der größten. Insoweit hatte das Christentum für Konstantin verschiedene Funktionen zu erfüllen: Zum einen sollte es ein einendes Band der Reichsbevölkerung darstellen, zum anderen sollte durch den Kultus, also Gottesdienst und Gebete, das Reich gefördert werden. Denn der alte römische Grundsatz, dass Rom seine Stellung gerade seinem guten Verhältnis zu den Göttern und der peinlichen Einhaltung ihrer Kultvorschriften verdankte, wirkte auch bei Konstantin noch nach.

So musste Konstantin die Situation, die er im Osten des Reiches bei seiner Machtübernahme vorfand, problematisch erscheinen. Denn anstatt eine Gemeinschaft zu sein hatte sich die östliche Christenheit in zwei Lager aufgespalten, die Anhänger des Arius und die des Alexander.
Für Konstantin lag darin verständlicherweise eine Bedrohung jener Funktionen, die er dem Christentum zugedacht hatte. Und da die Kirche nicht in der Lage zu sein schien, die Spaltung aus eigener Kraft zu überwinden, griff der Kaiser in das geschehen ein.

Er wandte sich hierfür brieflich an die beiden Hauptakteure des Streites, Alexander und Arius, und gab den Brief dem Bischof Ossius von Cordoba mit, damit dieser bei Bedarf einen Schlichtungsversuch vor Ort unternehmen konnte. Denn in dem Brief legte Konstantin seine Interpretation des Problems dar. Es handle sich nämlich bei der christologischen Frage, wegen der sich die beiden derart verkracht hatten, gar nicht um eine bedeutsame, sondern um eine ganz unwichtige Nebensache. Heute würde man von einer Doktorfrage sprechen. Also ein Thema, durchaus interessant für Gelehrte, aber nicht wichtig genug, dafür eine derartige Kirchenkrise herrauf zu beschwören. Zugleich macht Konstantin beiden Vorwürfe. Alexander warf er vor, er hätte Arius nicht über ein derart difilizes Thema befragt werden dürfen. Arius indessen hätte wissen müssen, dass seine Position der Haltung seines Bischofs widerspricht und er hätte deswegen schweigen müssen. Nun aber sollten beide sich wieder versöhnen, um den Frieden innerhalb der Gemeinschaft der Christen wiederherzustellen. Dabei wollte Konstantin die beiden Kontrahenten nicht etwa zwingen, ihre Meinung zu ändern. Sie sollten aber um des höheren Friedensinteresses willen über ihre Standpunkte schweigen und das Thema sozusagen ausklammern.

Daran kann man erkennen, das Konstantin, der damals noch Heide war, vollkommen das Verständnis für das Problem und seine Bedeutung fehlte. Er erkannte nicht, dass mit der christologischen Lehre des Arius an einem Kernpunkt des Christentums gerüttelt war, noch, dass die Eigendynamik des Konfliktes schon zu weit fortgeschritten war, um ihn durch einlenken der beiden Auslöser noch beenden zu können. Zugleich zeigt der Brief Konstantins dessen Prioritäten. Es geht ihm nicht um die wahre Lehre, sondern um die Einheit der christlichen Kirche und die Wahrnehmung des Gottesdienstes zum Wohle von Kaiser und Reich.

Indes scheiterte Konstantins Eingriff in den Konflikt wie auch die Verhandlungsversuche seines Gesandten Ossius. Keiner der beiden Kontrahenten noch ihre Unterstützer waren willens oder in der Lage, dem Wunsch des Kaisers folge zu leisten. So verschärfte sich der Konflikt innerhalb der östlichen Kirche weiter und steuerte auf seinen nächsten Höhepunkt zu, die Synode von Antiochia.

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