Montag, 9. April 2012

Arius und Alexander

Fortsetzung von hier

Der genaue Ablauf der Ereignisse um Arius und seinen Bischof Alexander von Alexandria lassen sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Weder wissen wir wie der Streit um die christologische Frage eskalierte noch wann dies geschah. Sicher ist nur, dass es vor der Übernahme der Macht im Ostreich durch Konstantin geschehen sein muss, also spätestens 323 n. Chr. Vermutlich dürfte der Konflikt in dieser Zeit schon einige Jahre bestanden haben, wenn man berücksichtigt, wie weit er damals schon fortgeschritten war. Aber wir wollen den Ereignissen nicht vorgreifen.

Wie bereits im letzten Post dargelegt hat der alexandrinische Presbyter Arius auf Basis einer oder mehrer Bibelstellen eine eigene Christologie entwickelt, nach der der Sohn zwar noch als Gott angesehen werden kann, jedoch radikal gegenüber dem Vater untergeordnet ist. Denn nur der Vater ist Gott im eigentlichen Sinne, weil nur er ewig, ungeworden, unveränderlich etc. ist. Der Sohn aber wurde vom Vater hervorgebracht und ist, da es eine Zeit gab da er nicht war, nicht ewig, ungeworden und unveränderlich. Damit wollte Arius das Christentum vom Vorwurf des Ditheismus befreien und den Monotheismus endgültig erweisen. Denn im Denken des Arius gab es nur eine Quelle allen Seins, den Vater, aus dem auch der Sohn hervorgegangen ist. Dabei drohte aber die Göttlichkeit des Sohnes verloren zu gehen und spätere Arianer haben dem Sohn denn auch abgesprochen, wirklich Gott zu sein.
Arius scheint Zeit gehabt zu haben, diese seine Lehre zu verbreiten. Um das zu verstehen, muss man bedenken, dass es damals noch keine ausgefeilte dogmatisierte Christologie gab, gegen die sich Arius gestellt hätte, sondern lediglich verschiedene Lehren und Schulen, die sich mitunter gegenseitig heftig bekämpften. Zudem lag Arius noch weitgehend auf der Linie der originetischen subordinatorischen Logostheologie, die damals in Alexandria die Mehrheitsmeinung stellte. Doch die Radikalität seiner Lehre scheint auch in Alexandria zahlreiche Gegner auf den Plan gerufen zu haben, die bei Bischof Alexander gegen Arius auftraten. Alexander, der wohl ebenfalls kein Sympathisant des Arius war, ging nun gegen ihn vor. Spästens auf einer Synode in Alexandria, auf der sich auf zahlreiche Bischöfe Ägyptens zusammenfanden, wurde die Lehre des Arius verurteilt und Arius und seine Anhänger aus Ägypten verband.

Im Rahmen des Konfliktes legte Alexander auch eine eigene Christologie vor.
Zunächst übernimmt er die arianische Gottesumschreibung: Ewig, unveränderlich, ungeworden etc. Auf Basis derselben verteidigt er jedoch die Gottheit Christi und verwirft den Satz des Arius, dass es eine Zeit gegeben habe, da er nicht war. Denn wenn der Sohn nicht immer schon gewesen wäre, wäre der Vater auch nicht immer Vater gewesen und damit auch nicht unveränderlich. Der Umstand, dass der Vater also immer Vater gewesen sein muss, bedingt die Ewigkeit des Sohnes und garantiert seine Gottheit. Allerdings ist der Sohn nicht wie der Vater aus sich selbst, sondern er ist durch den Vater. Nicht jedoch in dem Sinne, dass er wie die übrigen Geschöpfe geschaffen worden sei oder im Sinne einer zeitlichen Hervorbringung, sondern rein kausal. Der Vater ist die Bedingung des Sohnes und seine Ursache, aber nicht sein Schöpfer. Damit schneidet er das zeitliche Prinzip, dass Arius ebenfalls gedacht hat, aus der Argumentation ab, wodurch seine Lehre zwar rechtgläubiger, aber weniger schlüssig wirkt. Sie konnte daher weniger überzeugen als die des Arius. Das Alexander dennoch die Mehrheit des Episkopates auf seiner Seite hatte, hat mehrere Gründe. Zum einen weil die arianische Lehre vielen zu radikal war, zum anderen bestanden kirchenrechtliche Vorbehalte gegen das weitere Geschehen.

Denn mit der Verbannung des Arius war ja seine Wirkungsgeschichte bei weitem nicht vorbei. Denn Arius ging in die Levante - Palästina und Syrien - und fand dort sowohl im Volk wie unter den Bischöfen Anhänger. Zu den Prominensten gehörten die Bischöfe Eusebius von Caesarea und Eusebius von Nikomedien. Während der erste die Gemeinde der wichtigsten Handelstadt der Levante führte, saß der andere in der Kaiserresidenz Nikomendien nah an der Macht. So fühlten sich diese Bischöfe denn auch bald bemüßigt, sich bei Alexander für Arius einzusetzen, seine Lehre zu verteidigen und seine Wiedereinsetzung in Alexandria zu betreiben.

Versuche, die bei Alexander auf alles außer Gegenliebe stießen. Weder war er bereit, die Lehre des Arius zu akzeptieren noch sich von fremden Bischöfen in seinen Umgang mit Arius hineinreden zu lassen. Denn nach seinem Verständnis und auch dem der meisten anderen Bischöfe wie des damaligen Kirchenrechtes war es einem abgesetzten Presbyter weder gestattet, bei fremden Bischöfen gegen seinen Ortsbischof aufzutreten noch den Bischöfen, sich in die inneren Angelegenheiten einer anderen Diözese einzumischen. So durchmischte sich die dogmatische mit einer disziplinarischen Frage, was den Konflikt weiter anheizte und radikalisierte. Das Episkopat des Reiches wurde dadurch im Osten in zwei Lager gespalten: Die Anhänger des Alexander, die die Mehrheit bildeten, und die des Arius.

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