Dienstag, 27. März 2012

Verteidigung der Enthaltung von einzelnen Speisen und der Xerophagie.

9. Kapitel der Schrift Tertullians über die Demut.
Bei der darin wesentliche thematisierten Xerophagie handelt es sich um ein strenges Fasten, ein sogenanntes trockenes Essen, bei dem nur Brot, Salz, Gemüse und Früchte sowie Wasser erlaubt waren, hingegen keinerlei tierische Produkte und auch kein Wein. Zudem aß man an diesen Tagen nur einmal, meist am späten Nachmittag oder am Abend.
"Diese Hauptart der Kasteiungen in Bezug auf Speise und Trank kann in Betreff der kleineren Betätigungen der Abstinenz bereits das Urteil begründen, daß auch sie in ihrer Weise nützlich und notwendig seien. Denn die Enthaltung von einigen bestimmten Nahrungsmitteln ist ja ein teilweises Fasten. Sehen wir uns also die Xerophagien auf ihre angebliche Neuheit und Torheit einmal an, ob nicht auch in ihnen ein ebenso alter als heilsamer Religionsgebrauch geübt werde. Ich kehre zurück zu Daniel und seinen Gefährten, welche Gemüse als Kost und Wasser als Trank den Schüsseln und Weinkrügen des Königs vorzogen. Infolgedessen sahen sie, damit ja niemand für ihr leibliches Aussehen bange, noch schöner aus und waren außerdem auch noch geistig geschmückt. ... Als er dann im dritten Jahre des Cyrus, des Perserkönigs, in die Betrachtung einer Vision verfiel, ersah er sich noch eine andere Art der Verdemütigung aus. "In jenen Tagen", heißt es, "trauerte ich, Daniel, drei Wochen hindurch, feines Brot aß ich nicht, Fleisch und Wein kamen nicht in meinen Mund, und ich salbte mich nicht mit Öl, bis die drei Wochen um waren". Nach deren Verlauf wurde der Engel ausgesandt, der ihn also anredete: "Daniel, du bist ein erbarmenswerter Mann, fürchte dich nicht; denn vom ersten Tage an, wo du deine Seele der Betrachtung und der Verdemütigung vor Gott hingegeben, wurde dein Wort erhört, und ich bin gekommen wegen deines Wortes". So vertreiben also die erbarmenswerte Übung und die Verdemütigung der Xerophagie die Furcht, neigen das Ohr Gottes herab und machen der Erkenntnis verborgener Dinge teilhaftig."
"... zu Aaron sprach der Herr: "Wein und Meth sollt ihr nicht trinken, du und dein Sohn nach dir, wenn ihr das Gezelt betretet oder zum Altar hinaufsteiget, damit ihr nicht sterbet". Also werden die des Todes sterben, welche in der Kirche Gott nicht in Nüchternheit dienen. Darum macht er auch Israel, seinem Sohne, den Vorwurf: "Meinen Geheiligten habt ihr Wein als Trank gegeben". Auch diese Beschränkung des Trankes ist ein Teil der Xerophagie."
"Indessen, wo die Enthaltung vom Weine durch Gott vorgeschrieben oder vom Menschen gelobt wird, da muß auch eine Verminderung der Speisen vorausgesetzt werden, welche dem Trank die Ordnung vorzeichnet. Wie die Speise, so der Trank. Es ist nicht wahrscheinlich, daß jemand das Opfer seines Gaumens Gott halb bringen, bei Wasser nüchtern und im Essen schwelgerisch sein sollte. Daß auch der Apostel die Xerophagie gekannt habe, er, der Größeres durchgemacht hatte, Hunger, Durst und vieles Fasten, der Trinkgelage und Schmausereien verworfen hatte, dafür kann man einen hinlänglichen Beweis schon auf seinen Schüler Timotheus gründen. Indem er denselben ermahnt, wegen seines Magens und seiner anhaltenden Schwäche ein wenig Wein zu gebrauchen, dessen sich dieser nicht wegen einer Vorschrift, sondern aus Andacht enthielt (sonst würde es für den Magen besser gewesen sein, bei der Gewohnheit zu bleiben), hat er die Enthaltung von Wein als etwas Gottgefälliges anempfohlen und sie nur infolge einer Notwendigkeit widerraten."

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