Montag, 19. März 2012

Tertullian über das Fasten

Bevor die Fastenzeit zu Ende geht, wollen wir uns noch einmal diesem Thema widmen. Hierfür habe ich einen schönen Text des Tertullian gefunden: Über das Fasten, gegen die Psychiker. Um der besseren Lesbarkeit wird er auf die wesentlichen (bzw. von mir als solchen angesehenen) Teile eingedampft. Beginnen wir heute, sinnvollerweise, mit dem ersten Kapitel:  
"Ich würde mich wundern, wenn jene Psychiker bloß in den Banden der Sinnenlust lägen, infolge derer sie öfters heiraten, und sie nicht auch von der Gefräßigkeit beherrscht würden, infolge derer sie Feinde des Fastens sind. Etwas Unerhörtes wäre Wollust ohne Gaumenlust; denn diese beide sind so miteinander vereint und verwachsen, daß sie überhaupt nicht getrennt werden können"
"Ich erkenne also den bloß psychischen Glauben an der Beflissenheit, mit der er auf das Fleisch gerichtet ist. In ihm geht er ganz auf, da er ebenso zu vielem Fressen wie zum vielen Heiraten geneigt ist. So kommt es, daß er, von diesem Standpunkt aus mit Recht, gegen die pneumatische Disziplin, die ihm ihrer Wesenheit nach feindlich gegenübersteht, auch in Bezug auf diesen Punkt ihrer Enthaltsamkeit Anklagen erhebt, deshalb nämlich, weil sie der Gaumenlust Zügel anlegt, zuweilen durch gänzliche Enthaltung von Speisen oder durch spätes Essen oder durch trockene Speisen, gerade so wie sie es hinsichtlich der Sinnenlust durch Gestattung nur einer Ehe tut."
"Sie erheben gegen uns die Anklage, daß wir besondere Fasten beobachten, daß wir die Stationen sehr häufig bis zum Abend ausdehnen, daß wir sogar Xerophagien halten, indem wir die Speisen trocken bereiten, ohne alles Fleischwerk, ohne alle Brühe und saftige Früchte, und daß wir in Speise und Trank uns jedes Weinsaftes enthalten. Dazu kommt die Enthaltung vom Bade, welche zu der trockenen Nahrung stimmt. Sie werfen uns also Neuerung vor, und hinsichtlich ihrer Unerlaubtheit erheben sie die Einrede, sie sei von vornherein entweder für Häresie zu halten, wenn sie auf bloß menschlicher Anmaßung beruhe, oder für Pseudoprophetie zu erklären, wenn sie sich als Befehl des Geistes ausgebe. So bekommen wir von beiden Seiten das Anathem zu hören, wenn wir anders lehren."

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